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26. Februar 2008, 18:01 Uhr

Sie strippte, sah und siegte

Bei den diesjährigen Oscars hat der Überraschungshit "Juno" den Award für das Beste Original-Drehbuch gewonnen. Verfasst wurde die Geschichte über eine schwangere 16-Jährige von der Amerikanerin Diablo Cody. Im stern.de-Interview spricht sie über ihren Ex-Job als Stripperin und Internetblogs als Inspirationsquelle.

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Diablo Cody ist ganz vernarrt in ihren Oscar für das Beste Drehbuch© Robyn Beck/AFP

Diablo Cody ist 29 Jahre alt und frisch gebackene Oscar-Preisträgerin - aus ihrer Feder stammt die spritzige Komödie "Juno" - ein hinreißender Film über das Erwachsenwerden. 2004 hat die Autorin ein biografisches Buch über ihre frühere Arbeit als Stripperin geschrieben, vier Jahre später zählt sie zu Hollywoods großen Stars, denen die Gelegenheiten nur so zu Füßen liegen. Gemeinsam mit Steven Spielberg entwickelt sie gerade die Fernsehserie "The United States of Tara", in der Toni Collette die Hauptrolle spielen wird.

Die Academy hat Ihren Film "Juno" mit dem Oscar für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Gratulation! Sind Sie eigentlich die erste Ex-Stripperin, der diese Ehre zuteil wird?

Ich denke nicht, vermutlich haben viele andere es nur nicht zugegeben. Der Oscar wird schon seit so vielen Jahren vergeben, da gab es doch sicher mal den einen oder anderen aus dem Business... John Crawford zum Beispiel, der hat Pornos gemacht - das ist doch schlimmer als strippen, oder nicht?

Wie war Ihre Reaktion, als Sie hörten, dass Ihr Drehbuch für den Oscar nominiert ist?

Oh, das war ein toller Tag! Ich war mit einem Freund in New York und wir sind extra früh aufgestanden, um die Nominierungen zu sehen. Ich habe es zunächst gar nicht mitbekommen, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass "Juno" für das Beste Drehbuch nominiert werden könnte. Mein Freund musste mir das später erzählen. Und dann fing ich an, vor Freude zu kreischen, ich hab mich so über diese Ehre gefreut und bin noch immer völlig überwältigt. Schon die Nominierung ist so eine riesengroße Anerkennung - und als dann bei der Verleihung "Juno" in dem Umschlag steckte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Man wird meinem Namen bis in alle Ewigkeit den Titel "Oscar-Preisträgerin" hinzufügen. Das ist einfach cool!

Wie wird dieser Oscar Ihr Leben verändern?

Ich denke, das wird er gar nicht. Wenn überhaupt, dann ändert er ein wenig die Flugkurve meiner Karriere. Aber ich denke nicht, dass mich diese Auszeichnung stark beeinflusst, weder positiv noch negativ. Ich fühle noch nicht mal den Druck, das wiederholen zu müssen. Das kann ich auch nicht.

Warum nicht? Ich habe gehört, Sie arbeiten schon mit Steven Spielberg.

Ja, aber das ist fürs Fernsehen. Man kriegt keinen Oscar fürs Fernsehen (lacht). Und was "Juno" angeht - ich denke, es war einfach ein glücklicher Zufall, dass ich etwas geschrieben habe, das die Academy Oscar-würdig nennt. Das fühlt sich komisch an.

Wo haben Sie gelernt, wie man einen so geistreichen, lustigen Film schreibt?

Ich weiß nicht, das Lustige daran ist, dass es eigentlich eine pure Schreibübung war. Ich wollte ein schönes Stück schreiben und habe weder an ein Publikum, noch an mögliche Schauspieler gedacht. Ich hatte noch nicht mal im Kopf, wie das Ganze hätte verfilmt werden können, da ich von alldem überhaupt keine Ahnung hatte. Mein Anspruch war, etwas zu Papier zu bringen, das mir gefallen würde. Vielleicht ist das der beste Weg: einfach die Sachen zu machen, die einen selbst am besten unterhalten und hoffen, dass die anderen das auch so sehen.

Und wo haben Sie gelernt zu schreiben?

Ich habe immer geschrieben, schon in der Schule habe ich es geliebt. Wissen Sie, es gibt doch in jeder Klasse einen Pausenclown, einen besonders begabten Künstler oder ein Sport-Ass. Ich war immer die Beste, wenn es ums Schreiben ging. Was mich aber dazu befähigt hat, so ein Drehbuch zu schreiben, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich glaube, ich habe einfach viele Filme gesehen.

Wie viele Ihrer Bekannten haben "Juno" gesehen und Sie danach gefragt: "Du hast mich doch als Vorlage benutzt, oder?"

Ehrlich gesagt, war es nur einer - das hat mich auch überrascht (lacht). Und ich warte immer noch auf den Typen, der mich fragt, ob er als Grundlage für Mark, den Freund der schwangeren Juno, gedient hat - da gibt es nämlich wirklich eine reale Person. Komisch, dass er sich dessen gar nicht bewusst ist. Ich warte jeden Tag darauf, dass er mich darauf anspricht - er ist immerhin mein Ex-Freund aus der Highschool.

Wie hoch sind die Erwartungen, wenn man mit einer Nominierung in der Tasche zur Oscar-Verleihung geht?

Ich war extrem nervös vor der Gala - die Nominierung macht es ja gerade so aufregend! Und dann haben so viele Leute in den letzten Tagen und Wochen bekundet, "Juno" würde den Oscar schon bekommen - das hat meine Anspannung noch mal anschwellen lassen. Erwartet habe ich gar nichts - ich habe ja zuvor noch nicht einmal erwartet, ein Drehbuch zu schreiben. Aber ich weiß, dass viele Leute aus dem Film seit der Nominierung am 22. Januar 2008 große Hoffnungen hatten und ich hätte es kaum ertragen können, wenn sie enttäuscht worden wären.

Wie sind Sie auf Ihren Künstlernamen "Diablo Cody" gekommen?

Ich habe ihn schlichtweg erfunden. Ich wollte ein Pseudonym für meine Texte, die ich in den letzten Jahren im Internet veröffentlicht habe - das machen doch viele Studenten. Ich habe "Diablo Cody" gewählt, weil das für mich irgendwie dramatisch und lustig klingt. Aber ich hätte nie gedacht, dass er mal auf einem Drehbuch stehen würde - vielleicht hätte ich dann meinen echten Namen benutzt, zur Freude meiner Eltern.

Ich dachte, vielleicht wäre es Ihr Stripperinnen-Name gewesen?

Oh nein, gar nicht. Niemals.

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