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25. Februar 2008, 09:02 Uhr

Hollywood mal ganz anders

Nach einem verdammt laschen Jahr 2007 war die Oscarnacht 2008 für Überraschungen gut. Psychopathen, Killer und eine ehemalige Stripperin machten das Rennen. Doch hat Hollywood offenbar seine große Klappe verloren und musste sich Hilfe von außen holen. Im besten ausländischen Film wird übrigens wieder Deutsch gesprochen. Von Sophie Albers

Der Hollywoodglamour ist passé, es lebe der Glamour. Der sieht jetzt allerdings so aus© Paul Buck/DPA

Keine Ahnung, wie sie es machen, doch ist es einfach so: Die Oscargala ist die ultimative Show, trotz schlechter Witze, Verhasplern oder Mikrofonproblemen: Professioneller geht es nicht und kriegt es vor allem keiner hin. So war auch der 80. Geburtstag der Academy Awards eine entspannte wie gleichsam imposante Glamournummer. Doch etwas war anders in diesem Jahr, und das klang fast wie ein Hilferuf an das europäische Kino.

Nachdem die Oscars im vergangenen Jahr mit Gleichförmigkeit und Risikoangst langweilten, ist die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Goldjungs alljährlich vergibt, diesmal in die Vollen gegangen: Psychopathische Killer auf der Jagd nach dem amerikanischen Traum, schwangere Teenager, die ein Kind loswerden wollen, das tragische Leben der Edith Piaf, und dann auch noch der kleine Triumph einer winzigen, irischen Produktion, deren Gesamtbudget in Hollywood wahrscheinlich nicht mal fürs Catering reichen würde. Erstaunlich offen war die Weltmacht des Films in diesem Jahr, fast so, als wisse man nicht weiter, als hoffe man im Kinomekka auf gute Einflüsse von außen, denen man doch sonst so gerne das Wasser abgräbt.

Für die Füllung der Glamourpackung sorgten deshalb am Sonntagabend im Kodak Theater vor allem europäische Stars: Zum Besten Darsteller wurde der Ire Daniel Day Lewis für sein Spiel in dem Öl-Epos "There will be blood" ausgerufen. Beste Hauptdarstellerin wurde die Französin Marion Cotillard für die Filmbiografie "La vie en rose" über das Schicksal von Edith Piaf. In der Kategorie Beste Nebenrolle gewann der Spanier Javier Bardem für seinen unvergesslichen Auftritt mit Pottschnitt und tragbarem Bolzenschussgerät in "No country for old men". Zur Besten Nebendarstellerin wurde die Schottin Tilda Swinton gekürt, für ihre Rolle einer korrupten Anwältin in "Michael Clayton". Fast kleinlaut hat Hollywood Kompetenz abgegeben. Oder wie der Gastgeber des Abends, TV-Star Jon Stewart, es formulierte: "Will diese Stadt mal in den Arm genommen werden?"

Gesicht gewahrt

Doch wurde auch Gesicht gewahrt: Zwar ist Bardem als Killer Cigurh der Star von "No country for old men", doch ist der Film von den Regisseuren Ethan und Joel Coen ein uramerikanisches Werk, wenn auch deutlich aus der Independent-Ecke. Vier Mal wurde das schräge Roadmovie ausgezeichnet, darunter in den Königskategorien Bester Film und Regie.

Die Guten sterben irgendwann, die Bösen auch - vielleicht ein bisschen später. Immerhin lebt man länger, wenn man weniger schmerzempfindlich ist. Aber eigentlich ist das alles auch egal, weil am Ende das Land gewinnt, das Amerika ist, ob nun auf der einen oder anderen Seite der Grenze zu Mexiko. Den bereits für "Fargo" mit einem Oscar ausgezeichneten Coen-Brüdern ist mit "No country for old men" wohl eine der entspanntesten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte gelungen. Die Bilder sind grandios und weit, die Charaktere gewaltig.

Für eine weitere Überraschung, obwohl das Thema bei den Oscars immer willkommen scheint, sorgte übrigens auch der Beste nichtenglische Film: Mit dem KZ-Drama "Die Fälscher" des österreichischen Regisseurs Stefan Ruzowitzky setzte sich schon wieder ein deutschsprachiger Streifen durch. Ein Jahr nach dem Triumph von "Das Leben der Anderen".

Klarstellung aus der Low-Budget-Sparte

Doch wo blieb denn nun der Mainstream, wo der große Auftritt? Das klassische Hollywoodkino wurde in den Technikkategorien gefeiert: Die Oscars für Soundschnitt, Soundmix und Filmschnitt gingen an den Agententhriller "Das Bourne-Ultimatum".

Und ja, es gab raschelnde Roben und glitzernde Brillanten an den üblichen Leinwandschönheiten von Nicole Kidman bis Penelope Cruz, doch schienen die tatsächlich Platz zu machen für die Filme. Da hörte es sich gar nicht mehr so phrasenhaft an, als Academy-Präsident Sid Ganis bemerkte, die Oscars seien dazu da, um mit hellstem Licht das Werk des Kinos zu bescheinen. Fast wie eine Klarstellung wirkte die Auszeichnung des Filmsongs "Fallen Slowly" aus der irischen Low-Budget-Produktion "Once", aufgenommen mit zwei Handkameras und gerademal 100.000 Dollar Produktionskosten. "Schafft Kunstwerke", rief der ausgezeichnete Musiker und Schauspieler Glen Hansard gleich mehrfach. Da konnte Indie-Ikone Swinton nur nicken.

Wenn ein neuer Glamour bei den Oscars auszumachen war, dann kam er übrigens tätowiert und im Leopardenprint daher: Für ihr großartiges Drehbuch zu dem forschen, zärtlich-rohen "Juno" wurde die Ex-Stripperin Diablo Cody mit dem Oscar geehrt. Allerdings ist der Inhalt so gar nicht Mainstream: Eine 16-Jährige wird schwanger und beschließt das Kind zu bekommen, um es dann gleich abzugeben. Brutalkomische Dialoge und eine wundervolle Hauptdarstellerin, die Wahrheiten in ein Hamburger-Telefon brüllt. Die Oscars scheinen also tatsächlich noch für Überraschungen gut.

Von Sophie Albers
 
 
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