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George Clooney ist schuld

Nach "Inside Llewyn Davis" kommt mit "Hail, Caesar!" eine Liebeserklärung an das alte Hollywood und den Wahnsinn des Filmgeschäfts. Die US-Regisseure Joel und Ethan Coen über George Clooney, Scarlett Johansson und Kommunisten.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Joel und Ethan Coen beim Dreh von "Hail, Caesar!"

Joel und Ethan Coen beim Dreh von "Hail, Caesar!"

Ist "Hail, Caesar!" Ihre Liebeserklärung ans Kino?

Ethan Coen: Klar hat das mit unserer Liebe zum alten Kino zu tun. Eine weitere Motivation, den Film zu machen, war aber, dass es uns die Möglichkeit gab, diese ganzen kleinen Szenen aus vergangenen Genres zu drehen. Das war der Spaß. Wobei ich nie wieder Wasserballett drehen will. Das ist nicht unser Ding.

Aber Religion und Politik? Ein bisschen McCarthy-Ära ist ja auch dabei.

Ethan Coen: Das ist alles ein riesiger Eintopf, aus dem wir selbst noch nicht schlau geworden sind.

Joel Coen: Sie trauen uns mehr Kalkül zu, als wir reinpacken.

Ethan Coen: Wir haben halt gedacht, wenn jemand einen Superstar kidnappt, um das stinkreiche Studio zu erpressen, wer waren die Bösen damals? Natürlich die Anhänger einer Ideologie, die diesem guten, katholischen Kapitalismus entgegenstand. Und das waren 1959 die Kommunisten. Es war die logische Folgerung.

Hätten Sie eigentlich gern damals gelebt? In den Zeiten von Billy Wilder und Ernst Lubitsch?

Ethan Coen: Es wäre ein seltsamer Tausch... Hm. Heutzutage sind wir anspruchsvoller, und Computer lösen eine Menge Probleme beim Dreh.

Joel Coen: Andererseits gab es damals eine Armee großartiger Handwerker am Set. Die Frage ist doch, ob wir damals hätten so arbeiten können wie heute. Es ist ein verführerisches Gedankenspiel. Damals gab es diese wunderschöne Maschine, die Filme herstellt. Filmemacher haben 30 bis 50 Filme in ihrer Karriere gemacht. Das ist heute nicht mehr möglich. Andererseits hatten die Studios weit mehr Kontrolle. Es ist eine unmögliche Frage, aber eine interessante.

Ist "Hail, Caesar!" wirklich eines Ihrer ersten Drehbücher?

Ethan Coen: Nein, so alt ist es nicht. Aber es ist schon so 15 Jahre her, dass wir George Clooney das erste Mal davon erzählt haben.

Joel Coen: Als wir das erste Mal mit ihm gearbeitet haben. Und dann hat er verkündet, dass es unser nächster Film sei, obwohl wir etwas ganz anderes machen wollten. Es war nur ein Gedankenexperiment. Wir haben uns erst Jahre später hingesetzt und es geschrieben.

Aber Clooney war der Auslöser?

Ethan Coen: Ja, weil die erste Idee dieser dämliche Filmstar war.

Mögen Sie eigentlich Figuren, die die Probleme der Welt lösen müssen? Wie der Studio-Fixer Eddie Mannix. Die tauchen bei Ihnen ja häufiger auf.

Ethan Coen: Oh, wirklich?

Joel Coen: Ein bisschen vielleicht. Vor allem fanden wir es interessant, dass das Studio einen Film über Jesus macht. Das war die amüsante Parallele. Aber Eddies Probleme sind ja eher seine eigenen.

Haben Sie beim Schreiben eigentlich immer schon die Schauspieler im Kopf?

Ethan Coen: Einige. Clooneys Part. Bei Tilda Swinton und Channing Tatum haben wir erst hinterher gedacht, dass die Rollen gut zu ihnen passen.

Und bei Scarlett Johansson?

Joel Coen: Sobald wir die Idee mit dem Wasserballett hatten, wollten wir Scarlett, weil sie so witzig ist. Das Gleiche gilt für Ralph Fiennes. Alden Ehrenreich haben wir beim Vorsprechen entdeckt.

Und Alden ist wirklich eine Entdeckung. Die Berlinale-Pressekonferenz war erstaunlich aggressiv...

Joel Coen: Ja, das war sie!

Ethan Coen: Sehr aggressiv!

Warum, glauben Sie, reagieren Menschen in Zeiten wie diesen aggressiv auf Entertainment?

Ethan Coen: Ja, das ist irre, nicht wahr.

Joel Coen: "Sie sind gekommen, um einen Tanzfilm vorzustellen, warum hat das nichts mit den Flüchtlingen zu tun?" Was soll man dazu noch sagen. Das ist so eine fehlgeleitete Frage, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

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