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10. Januar 2007, 12:06 Uhr

Der Fluch des Protokolls

Welch spannende Frage: Was geschah hinter den Kulissen der königlichen Familie, als Prinzessin Diana starb? Stephen Frears' neuer Film "Die Queen" gibt eine mögliche Antwort - mit einer brillanten Hauptdarstellerin. Von Frauke Hansen

Helen Mirren brilliert in der Rolle der Queen© Concorde

Kein anderes Ereignis hat die Briten im Spätsommer 1997 so sehr erschüttert, wie der plötzliche Tod von Lady Diana. Beim Volk mischte sich Trauer um die geliebte Prinzessin mit Wut über das Verhalten der königlichen Familie, die sich fast eine Woche lang abschottete und ihre Untertanen orientierungs- und fassungslos sich selbst überließ. Die Situation barg Emotionen pur, das medienwirksame Begräbnis der "Prinzessin der Herzen" ist noch heute in allen Köpften - perfekter Kinostoff also. So war es nur eine Frage der Zeit, wann sich ein Filmemacher der Story annehmen würde, um dieses Kapitel der jüngsten Geschichte auf die große Kinoleinwand zu bringen. In seinem Film "Die Queen" lenkt der britische Regisseur Stephen Frears ("Gefährliche Liebschaften") den Fokus nicht auf Diana, sondern auf das Oberhaupt der Royal Family, Königin Elizabeth II.

London, im Mai 1997: Seit dem fulminanten Sieg Tony Blairs (Michael Sheen) weht in der Downing Street No. 10 ein neuer, moderner Wind, "New Labour" ist das Stichwort für die politische und gesellschaftliche Agenda des neuen Premierministers. Welch gegensätzliche Welten prallen da aufeinander: Schon der erste Kontakt mit Königin Elizabeth (Helen Mirren) legt die Basis für die wohl entscheidende Beziehung in diesem Film. Die Spannungen und die Unvereinbarkeit zwischen Blair und Elisabeth, dem modernen Politiker und der traditionellen Regentin, sind offensichtlich.

Blair missachtet aus Unwissenheit sämtliches Prozedere, so fällt er vor der Königin unbeholfen auf die Knie und drückt der Herrscherin einen feuchten - Skandal! - Kuss auf die Hand. Die wiederum quittiert die Entgleisungen des neuen Regierungschefs mit knappen Regieanweisungen, aber auch mit amüsiert-pikierten Blicken. Das "Lillibeth" nicht viel von Blair hält, ist unmissverständlich. Begleitet wird die Begegnung von messerscharfen Dialogen und feinstem britischen Humor.

Tradition versus Moderne

Schon in den ersten Szenen wird der eklatante Unterschied zwischen Royal Family und Downing Street deutlich: Im Buckingham Palast und im schottischen Anwesen Balmoral geht es zu wie in einem Museum, Geschichte und jahrhundertlange Tradition sind überall zu spüren, die glatten, starren Bilder machen diesen Eindruck noch intensiver. Protokoll und Disziplin sind hier die maßgebenden Werte, Abweichungen vom Prozedere sind unerwünscht, ja so gut wie unmöglich. Allein der für seine derben Sprüche bekannte Prinz Philip (James Cromwell) lockert die Situation ein wenig auf, seine Protokollübertretungen werden von der Königin allerdings galant überhört.

Wie viel lebendiger geht es da im Haus des Premierministers zu: Alles ist in Bewegung, überall stapelt sich ungewaschenes Geschirr, Menschen gehen wie in einer WG ein und aus und die drei Kinder tun ihr Übriges zum kontrollierten Chaos im Blair'schen Haushalt. Bei Tony duzt man sich, sucht den Kontakt zum Volk und weiß, wie man sich die Medien zu nutzen machen kann.

Gefangen im strengen Regelwerk

Dieses Wissen kommt ihm in den frühen Morgenstunden des 31. August 1997 zugute, als Prinzessin Diana bei einem Autounfall in einem Pariser Tunnel ums Leben kommt. Während sich die Königin mit einem Statement zurückhält, ja eigentlich so tut, als sei nichts passiert, ehrt Blair Diana in einer kurzen, aber von seinem skrupellosen PR-Berater wohlbedachten Erklärung als "Prinzessin des Volkes" - und tritt damit eine nie da gewesene Trauerwelle los. Regisseur Frears greift zur Illustration dieser Szenen immer wieder auf Archivaufnahmen aus den damaligen Nachrichtensendungen und der Live-Berichterstattung zurück - so bleiben die Ereignisse um Dianas Tod allgegenwärtig.

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