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Abgründe der Kleinstadt

Leidenschaft, krankhaftes Verlangen, Angst, Misstrauen: Regisseur Todd Field hat für "Little Children" ein typisches Kleinstadtidyll gewählt, unter dessen Oberfläche es gehörig brodelt. Das Oscar-nominierte Drama ist jetzt auch auf DVD erschienen.

Sarah Pierce hat eine entzückende kleine Tochter namens Lucy, aber einen Mann, der lieber vor Pornobildern aus dem Internet onaniert. Brad Adamson betreut seinen Sohn Aaron, derweil Ehefrau Kathy das Geld verdient. Beide leben mit ihren kleinen Familien in einer amerikanischen Kleinstadt, in der alles geregelt und unendlich langweilig vor sich geht. Auf einem Spielplatz begegnen sich schicksalhaft die Wege der attraktiven Mutter und des gut aussehenden Vaters. Sie werden sich ineinander verlieben, doch ohne Zukunft.

Das ist die Geschichte der US-Produktion "Little Children". Todd Field hat aus einem Roman von Tom Perrotta einen herausragenden Film gemacht, der unter die Haut geht. Field hatte bereits mit seinem Regiedebüt "In the Bedroom" im Jahr 2001 für Furore gesorgt und viele Preise gewonnen. In seiner zweiten Leinwandinszenierung ist ihm abermals ein Drama von großer, manchmal fast quälender Intensität gelungen, das für amerikanische Verhältnisse auch sehr freizügige Liebesszenen zwischen den beiden Hauptfiguren Lucy und Brad enthält.

Keine Zukunft

In ihrer besten Rolle seit langem ist Kate Winslet als eine Mutter und frustrierte Ehefrau zu sehen, die lieber liest und träumt als ihren Hausfrauenpflichten nachzukommen. Es dauert lange, bis sie und der nette Brad sich in den Armen liegen, dann allerdings mit heftiger Ausdauer.

Winslet und Patrick Wilson als Brad spielen diese leidenschaftliche Beziehung, die für beide ein Fluchtpunkt aus dem ungeliebten Alltag ist, so glaubwürdig und realistisch, dass man dem Paar ein Happy End wünscht, obwohl schon früh kaum ein Zweifel an dessen Unmöglichkeit bleibt.

Tragödie eines Besessenen

Doch der Film erzählt nicht nur diese Geschichte, sondern auch noch eine ganz andere. Es ist die des aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters Ronnie, eines kleinen, hässlichen Mannes, der von den Nachbarn gemieden und angefeindet wird. Nur bei seiner alten Mutter findet Ronnie Verständnis und Schutz. Als er an einem schönen Sommertag ins Freibad der Kleinstadt geht, gibt es dort einen Tumult. Die Hysterie ängstlicher Mütter und Gewalt versessener Männer wird den von seinen unkontrollierbaren Trieben besessenen Mann in die Tragödie treiben. Jackie Earle Haley verkörpert diesen Ronnie so intensiv und anrührend, dass einem diese Figur des Films noch lange in Erinnerung bleibt.

"Little Children" zählt ganz gewiss zu den besten amerikanischen Filmen, die 2007 in Deutschland angelaufen sind. Und Todd Field ist ein Regisseur und Drehbuchautor, der nach diesem Werk sich bei jeder neuen Produktion größter Beachtung sicher sein kann und diese auch verdient. Es ist keine Gutfühl-Geschichte, die auf der Leinwand zu sehen ist. Es sind Menschen mit Sehnsüchten, Nöten und Verzweiflung, die doch so gerne glücklich wären. Sie leben in einer US-Kleinstadt, doch sie gibt es überall in der westlichen Welt.

AP

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