HOME

Legalisierte Leidenschaft

Schick, zügellos und so gewagt wie eine Homo-Ehe im Petersdom. Die Lesbenserie "The L Word" sorgte in Amerika schon für Furore. Bei uns gibt es sie noch nicht im TV, aber auf DVD. Ein echter Geheimtipp.

Von Caroline Werner

Ade Blümchensex! "The L Word" ist der Teil über dem Himmel, der noch niemals erzählt worden ist. Seit November in Deutschland auf DVD erhältlich, schlägt die Serie ein wie eine Bombe. In den Internetforen zu einem regelrechten Schrein erhoben, faszinieren Erotik, Stil und jede Menge ästhetische Sexszenen schöner Frauen nicht nur eingefleischte Lesben, sondern ebenso Hetero-orientierte. Zugleich ist wohl noch nie so viel lesbischer Sex über den Bildschirm geflimmert - in luxuriösen Appartements, im Swimmingpool und sogar in der Herrentoilette geht es deutlich zur Sache. Und über Männer wird eher selten geredet.

In Amerika erregte "The L Word" das Publikum mehr durch Qualität als durch Tabubrüche und wurde schnell als eine Art TV-Event gefeiert. Während in Deutschland dem TV-Start entgegen gefiebert werden kann, gibt es in Großbritannien noch Proteste gegen Werbeplakate zur Serie.

Dabei ist weder viel Nacktes noch besonders Provokantes darauf zu sehen. Der Blick fällt auf eingeölte Frauen in Slips, begrenzt auf den Bereich zwischen Bauch und Oberschenkeln. Und die Höschen tragen Slogans wie "Hello Girls" und "Girls Allowed".

Unverständlich war trotzdem, dass die Serie im deutschen Fernsehen so lange zurück gehalten wird. Während in anderen Ländern bereits die zweite Staffel läuft, will der Sender ProSieben die ersten Folgen voraussichtlich erst im Herbst 2006 ausstrahlen. Grund dafür ist aber schlicht, dass die amerikanische Schwulenserie "Queer as Folk" erst einmal anläuft. Direkt eine Lesbenserie anzuschließen, wäre daher unangebracht, so der Sender gegenüber stern.de. Dafür lanciert die DVD aber schon als Geheimtipp in Deutschland.

Serie über, von und nicht nur für Lesben

Im Mittelpunkt steht eine Clique von Lesben und einer bisexuellen Frau der oberen Mittelschicht in Los Angeles - genauer gesagt, vor allem ihr Liebesleben. Gerade mit der Universität in Chicago fertig geworden, zieht Jenny (Mia Kirshner) mit ihrem Freund Tim (Eric Mabius) nach Los Angeles, um ihre Karriere als Autorin endlich zu beginnen.

Ihr Leben kommt völlig durcheinander, als sie ihre neuen Nachbarn kennen lernt, das Paar Bette (Jennifer Beals) und Tina (Laurel Holloman). In ihren Kreisen trifft die scheinbar heterosexuelle Jenny auf die verführerische Marina, die ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

"L" wie...

...lesbisch. Oder wie Lust, lügen, lieben, Lippen, Laster, lachen, lecken, Leidenschaft... Die neue Serie scheint, den Internetforen nach zu urteilen, eine Herausforderung für die deutsche Szene zu sein, die sich immer noch ans mannweibische Truckerlesben-Klischee schmiegt, statt einen Sinn für feminine Nuancen zu entwickeln. Nichts Vulgäres, Dummes oder Anrüchiges.

"Ich bin ich!" - "Na und? Ist doch schön"

Und sie kriegen sich - mit zulässigen Mitteln oder ohne. Nicht nur Marina und Jenny. Ein erfrischendes Temperament von der Art "Leben und leben lassen" bringen die Figuren auf die Mattscheibe. Die Art und Weise des Miteinanders wird mit einer verblüffenden Leichtigkeit gezeigt.

Noch etwas ist anders: Die neue lesbische TV-Generation diskutiert nicht in Holzfällerhemd und Springerstiefeln, sondern im schicken Jil-Sander-Outfit und Gucci-Schuhen über die praktische Umsetzung des lesbischen Kinderwunsches oder sinniert über den berüchtigten "lesbischen Bettentod" in langjährigen Beziehungen.

Kritische Themen

Aber auch weniger bekannte Momente lesbischer Subkultur sind prominent in "The L Word" platziert. Zum Beispiel Kelly Lynch, die als Drag King Ivan Acock Lieder von Leonard Cohen singt. Oder die ethnische Darstellung von Bette, die afroamerikanischer Abstammung ist, aber hellhäutig, und nicht weiß, ob sie einen weißen oder schwarzen Samenspender nehmen soll, um mit Tina ein Kind aufzuziehen. Da ist auch eine von ihr arrangierte Kunstausstellung "Provocations", die mit entarteter Kunst gleichgesetzt wird und in der Serie polarisierende Protestaktionen hervorruft.

Besonders in der zweiten Staffel werden kritische Motive angesprochen. So auch der Tod - als der Vater einer Protagonistin stirbt. Psychologische Selbstfindung und Selbstverletzung sind ebenso Thema wie Voyeurismus durch männlich besetzte Charaktere. Zu letzterem sagt Produzentin Ilene Chaiken: "Warum denn nicht - ich schau doch auch gern dabei zu".

Die Schöpferin

Ilene Chaiken ist Produzentin und Autorin der Zügellosigkeiten im TV-Format. Selbst Frauen liebend, weiß sie worauf das neue lesbische Auge wert legt. Heterosexualität hat sie deshalb von vornherein so gut wie außen vor gelassen.

Eindrucksvoll ist das Aufgebot an Top Class Stars - angefangen bei Jennifer Beals ("Flashdance") über Pam Grier ("Jacky Brown") bis hin zu Mia Kirshner ("Exotica").

Diese Serie ist in jeder Hinsicht zu empfehlen, ganz egal zu welcher sexuellen Orientierung man sich hingezogen fühlt. Sie hat nichts von den deutschen Telenovelas, die mit bescheidenen Mitteln und abstruser Musik in Studios produziert werden. "The L Word" ist mehr als qualitativ gute Unterhaltung - überraschend emotional.
Zur deutschen Homepage.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo