
Jeder Hardrock-Fan kennt Ozzy Osbourne. Er ist der "Fucking Prince of Darkness", der mit seiner Band Black Sabbath berühmt wurde und Hits wie "Paranoid" landete. Die Reality-Show "The Osbournes" verzeichnete den größten TV-Quotenerfolg, den der Musiksender MTV jemals bejubeln konnte. Aus eben dieser TV-Sendung ist auch Ozzys Tochter Kelly einem weltweiten Publikum bekannt. Kelly ist ein pummeliges Trotzköpfchen, das spürbar Probleme damit hat, seinen eigenen Platz im Leben zu finden. Kellys Art, in einem Moment interessant, hübsch und auch sexy zu wirken, nur um in der nächsten Sekunde als hässliche Kreische und Nervensäge alle Freunde zu vergraulen, polarisiert die Zuschauer. Viele Kids finden Kelly toll, weil sie unterm Strich so herrlich rebellisch ist. Viele Erwachsene können sie nicht leiden - aus dem gleichen Grund.
Kellys größter Fehler: Sie versucht, in Papas Fußstapfen zu treten. Ihr gerockter Madonna-Coversong "Papa Don't Preach" war ja noch ganz nett. Die übrigen Songs auf ihrer Premieren-CD hatten allerdings eher den blechernen Charme einer Vorstadt-Garagenband, die mit geliehenen Instrumenten und ohne Talent einfach ein wenig Krach schlägt. Kein Wunder also, dass von einer zweiten Platte vorerst noch keine Rede ist.
Ob Kelly Osbourne wirklich zur Rockröhre taugt, zeigt ihr erster Live-Mitschnitt auf DVD, der am 25. Juni 2003 im "Electric Ballroom" in London aufgezeichnet wurde. Kelly rockt hier 53 Minuten lang mit ihrer Band und bringt zwölf Songs zum Besten. "Papa Don't Preach" hebt sich die hier weizenblonde und kurzhaarige Sängerin bis zum Schluss auf.
So muss sich der Zuschauer durch elf Songs quälen, die er noch nicht kennt. Laute Gitarrenriffs, ebenso kreischende wie störende Rückkoppelungen, heiser rausgekrächzte Vocals, dazu ein knallendes Schlagzeug: Kelly macht Krach. Sie schafft es dabei auch live auf der Bühne nicht, präsenter zu sein als jede x-beliebige austauschbare Schulband. Kelly fehlt ganz einfach die Unverwechselbarkeit im Äußeren und auch in der Stimme. Vielleicht braucht sie einfach noch ein paar Jahre, um musikalisch zu reifen. Vielleicht wird aber auch nie eine richtige Sängerin aus ihr.
Die DVD selbst bietet einen soliden Sound und einen sehr guten Schnitt. Schade ist nur, dass das Bild in den krass-bunten Farben der Bühnenbeleuchtung glatt absäuft. Gerne hätte man Kelly noch etwas genauer in Augenschein genommen. Sehr interessant sind die Extras der Scheibe - vor allem für die Kelly-Fans, die es ja anscheinend durchaus gibt. Eine Viertelstunde lang darf der Musikfreund Kelly beim Soundcheck zuhören. Das ebenso lange Interview zeigt dann auf, was Kelly zu ihrer Musik zu sagen hat. Ein absolutes Muss ist am Ende noch das Video zu "Changes", das wunderschön inszeniert ist und den Zuhörer fast zu Tränen rührt. "Changes" bringt Vater und Tochter Osbourne gemeinsam auf die Bühne, wo sie über ihre ganz spezielle und nicht immer einfache Beziehung singen. Der Song brachte Ozzy zum ersten Mal seit "Paranoid" wieder auf Platz 1 der Billboard-Charts. Sanctuary, 53 Minuten, Dolby Digital 5.1, ca. 15 Euro