
Über tausend Jahre ist es her, da herrschte in China ein grausames und tyrannisches Regime. Doch das Volk lässt sich nicht ewig knechten. Die Rebellen vom Liang Shan Po kämpfen erbittert für das Recht der einfachen Bauern.
"Es heißt in den Schriften der Weisen: Ihr sollt die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat. Niemand weiß, ob nicht einst aus ihr ein Drache wird, so wie auch aus einem Mann eine ganze Armee werden kann!"
Der Kaiser von China ist noch jung - und er vertraut den falschen Leuten. So etwa dem Anführer der Kaiserlichen Garden Ko Kiou, der in seiner Habgier nach Macht, Einfluss und Geld jeder Ehre abgeschworen hat und hart daran arbeitet, in der Hierarchie immer weiter nach oben zu kommen. Ganz egal, mit welchen Mitteln. Dabei unterlaufen Ko Kiou allerdings zwei Fehler. Der erste: Auf einem Beutezug stürmen seine Gardisten einen heiligen Tempel. Dabei setzen sie die Seelen von neun Dutzend Freiheitskämpfern frei. Ob sie wohl einer Legende folgend in die Körper zahlreicher Diebe und Ausgestoßener schlüpfen, um den Untergang der ungerecht Herrschenden einzuleiten?
Es hat den Anschein, denn Ko Kiou leitet mit seinem zweiten Fehler seinen eigenen Untergang ein. Er lockt den ehrbaren Offizier Lin Chung in eine Falle, um sich an dessen Frau heranmachen zu können. Lin Chung macht sich entehrt auf den Weg zu einem weit entfernten Straflager - und trifft unterwegs lauter wundersame Charaktere. Etwa den pfeilschnellen Tai Sung, die hübsche Kämpferin Hu San Yang oder den bärenstarken Lu Ta. Schon bald wehren sie sich gemeinsam gegen ihr Schicksal und stellen sich Ko Kiou entgegen. Vom sumpfigen Liang Shan Po aus kämpfen die frischgebackenen Rebellen gegen Korruption, Beamtenwillkür und die Unterdrückung der Bauern. Und die Bewegung der Rebellen wächst schnell.
Die 26-teilige Serie, die 1977 in Japan in zwei Staffeln gedreht wurde, erzählt ein Fernsehmärchen, wie es heute nicht mehr denkbar wäre. Denn um der Story folgen zu können, muss der Zuschauer mehrere Dutzend Charaktere kennen lernen, ihre Geschichte erfassen und die unsichtbaren Bande erkennen, die diese Figuren zueinander in Beziehung setzen. Hinzu kommen die zahlreichen Ränkepläne, die Ko Kiou über mehrere Folgen hinweg spannt. Wer sich trotzdem auf die Geschehnisse einlässt, wird aber reich belohnt werden.
"Die Rebellen vom Liang Shan Po" sind ein klassisches fernöstliches Märchen, das mit sehr starken Emotionen spielt und Loyalität, Liebe, Hass, Neid, Raffgier und Mut gleichermaßen in den Vordergrund stellt. Hinzu kommen wunderschöne, bunte Kostüme, perfekt choreographierte Kämpfe und starke Schauspieler, denen man jeden Satz für bahre Münze abnimmt. Wolfgang Spier als charismatischer Erzähler aus dem Off sorgt für noch mehr Stimmung.
Zahllose TV-Serien, die heutzutage auf DVD gebrannt werden, haben diese Ehre nicht ansatzweise verdient und wären besser in der Versenkung geblieben. Beim "Liang Shan Po" ist das etwas anderes. Da hat das kleine Label Epix Media aus Berlin einen Glückstreffer gelandet.
Wobei natürlich eins klar sein muss: Die Bildqualität der 26 Folgen ist grauselig und würde selbst auf einer alten VHS-Kassette noch Grund zur Beanstandung geben. Auch der Ton ist nicht mehr ganz frisch. Aber was soll man da noch tun? Die Serie neu verfilmen?
Epix Media sammelt immer zwei oder drei Folgen auf einer DVD und garniert die Scheiben noch mit einem Episoden-Guide, Porträts der Filmfiguren, einem Blick hinter die Kulissen, einer Holzschnitt-Galerie und diversen Biografien der Darsteller. 12 DVDs müssen eingekauft werden, um beide Staffeln vollständig zu besitzen.
Verleih: Epix Media
Ton: DD 1.0
Bild: 4:3
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Preis: jeweils 12 Euro
Tipp: ****