Die nackte Schönheit

29. Januar 2008, 17:47 Uhr

Vor allem in Amerika hat es der Fotograf Jock Sturges nicht leicht: Seine Aktfotografien aus französischen FKK-Bädern brachten dem Künstler zahllose Klagen von strengen Sittenwächtern ein. Ein Dokumentarfilm zeigt nun Leben und Werk des Kaliforniers. Von Malte Krebs

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Jock Sturges und die Frauen: seine Bilder sind vielen zu freizügig©

Der Name des Fotografen Jock Sturges ist in den USA vor allem verbunden mit dem Vorwurf der Kinderpornografie. Entsprechend lässt sich die Karriere des Kaliforniers auch als eine Skandalchronik lesen: 1990 durchsuchte das FBI sein Atelier in San Francisco, beschlagnahmte Bilder und Equipment. Zwar wurden im anschließenden Prozess sämtliche Anklagepunkte fallen gelassen, dennoch folgte 1998 eine Klage gegen die größte Buchhandelskette des Landes, weil diese Sturges' Fotobände in ihrem Sortiment hatte.

Und nach wie vor hat der Künstler ständig Prozesse am Hals. Vor allem von religiös-konservativer Seite wird im das Leben schwer gemacht. Im Laufe der Zeit fielen so Gerichtskosten von mehr als 100.000 Dollar an. Andererseits verkauften sich seine Bildbände prächtig, auch wenn er auf diese Art der Öffentlichkeitsarbeit gerne verzichtet hätte.

Natürlichkeit der Naturisten

Dabei ist das Lebensthema des Künstlers denkbar harmlos: Sturges sucht mit seiner Großbildkamera nichts als Schönheit, Anmut und Wahrheit. Und die findet er vor allem in der Natürlichkeit von Nackten. Seit über 30 Jahren fotografiert er hauptsächlich Mädchen und junge Frauen. Zunächst an den Stränden Kaliforniens, seit den späten 70er Jahren in einem FKK-Badeort an der französischen Atlantikküste.

Und seine Bilder entstehen keineswegs mit versteckter Kamera. Die Porträtierten sind sich der Anwesenheit des Fotografen immer bewusst – was bei dem von Sturges bevorzugten Plattenkamera-Ungetüm kaum verwunderlich ist. Manchmal selbstbewusst, manchmal noch etwas tastend zeigen sich die Modelle in ihrer Blöße, präsentieren den eigenen Körper und dessen Schönheit.

Die Menschen auf den meist schwarzweißen Fotos sind eingebunden in eine zeitlose Umgebung: Strand, Meer und Natur. Umso stärker zeigt sich die Zeitlichkeit bei den Porträtierten selbst. Denn die Veränderung ist ein weiteres Lieblingsthema des 1947 in New York geborenen Künstlers. Diese Veränderungen zeigen sich besonders in den längeren Serien, die teilweise über 25 Jahre denselben Menschen abbilden: als Baby, Kind, Teenager und später als Erwachsener.

Aktfotos für alle

Möglich ist das, weil der Fotograf den Kontakt zu seinen Modellen aufrechterhält. Zudem räumt er den Porträtierten die volle Kontrolle über ihre Bilder ein: Sie entscheiden darüber, ob und in welchem Kontext die Fotografien zu sehen sind – was die Planung von Ausstellungen und Buchprojekten nicht unbedingt erleichtert. Auch wenn einige Modelle kurzfristig ihre Zustimmung zurückzogen, die meisten sind einverstanden mit ihren Aktfotos.

Für seinen Dokumentarfilm "Line Of Beauty And Grace" traf der deutsche Fotograf und Filmemacher Christian E. Klinger den Amerikaner im Sommer 2007 bei seiner Arbeit an der französischen Atlantikküste. Und er befragte Freunde, Familie und Bewunderer des Künstlers nach dem Kern seiner Arbeit: der Suche nach Schönheit und natürlicher Grazie.

"Line Of Beauty And Grace"
A documentary about Jock Sturges

Der Film ist hier online erhältlich.

 
 
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