Blutig und actionreich ging es die letzten Nächte im Heimkinokeller von stern.de-Rezensent Carsten Scheibe zu. "Troja", "Underworld" und "Freddy vs. Jason" standen auf dem Programm.

© Warner
Nicht kleckern, sondern klotzen: Wolfgang Petersen, unser deutscher Regisseur in Hollywood, hat sich dieses Motto für seinen Film "Troja" wahrscheinlich direkt auf den Badezimmerspiegel geschrieben. Unglaubliche Szenen erwarten den Zuschauer in der zweieinhalbstündigen Verfilmung des alten Epos' "Ilias" von Homer. Die berauschende Ansicht tausender griechischer Kriegsschiffe auf dem Meerwasser der Ägäis macht da nur den Anfang. In immer wieder neuen Massenszenen darf der Zuschauer staunen, wie es der Computer wohl schafft, einige Statisten in ein riesiges Heer aus zigtausenden Kämpfern zu verwandeln.
Zur Geschichte: König Priamos von Troja (Peter O'Toole) schickt seine beiden Söhne Hektor (Eric Bana) und Paris (Orlando Bloom) nach Griechenland an den Hof von Menelaos (Brian Cox), um diplomatische Beziehungen zu pflegen. Doch der zarte Paris ist eher der Liebe zugetan - und zieht Menelaos' Frau Helena (Diane Krüger) erst in sein Bett und dann auf sein Schiff. Der schändliche Frauenraub bleibt nicht ungesühnt. Menelaos' machtgieriger Bruder Agamemnon (Brendan Gleeson) nutzt die günstige Gelegenheit gleich, um das wohl größte Soldatenheer der Weltgeschichte zusammenzustellen. Er möchte Troja, die unbesiegbare Stadt, schleifen und in Schutt und Asche legen. Damit ihm das gelingt, verpflichtet er den größten Krieger aller Zeiten - Achill (Brad Pitt).
"Troja" konnte an den Kinokassen nicht in dem Maße punkten, wie sich Wolfgang Petersen das vorgestellt hat. Das liegt sicherlich nicht an den beeindruckenden Kulissen, den spannend inszenierten Massenkampfszenen und dem Pathos historischer Helden, von dem der Film eine ordentliche Portion zu bieten hat. Es ist auch überaus spannend mit anzusehen, wie auf beiden Seiten eine Fehlentscheidung nach der anderen dafür sorgt, dass der Krieg zwischen Griechenland und Troja immer mehr eskaliert und noch mehr Todesopfer kostet.
Dass "Troja" nicht so richtig Erfolg hatte, liegt daran, dass er sich nicht klar genug positioniert. Trotz der Mitwirkung von Brad Pitt und Orlando Bloom ist "Troja" absolut kein Frauenfilm. Dazu bietet der Streifen viel zu viele blutrünstige Kampfszenen und deutlich zu wenig Liebe. Die Action-gewöhnten Männer schauen sich "Troja" sicherlich gerne an, vermissen aber schon bald eine echte Identifikationsfigur. Achill alias Brad Pitt sieht zwar toll aus und kämpft auch wie ein Irrer, wirkt aber auf den Zuschauer wie ein arroganter, selbstverliebter Unsympath, dem man den eigenen Untergang im Film schon viel früher gewünscht hätte.
Auch Frauenliebling Orlando Bloom kann dieses Mal nicht punkten: Seine Figur Paris ist ein schwacher Feigling, der bereitwillig den größten Krieg der Geschichte anzettelt, nur um eine tumbe Blondine ins Bett zu bekommen. Der Australier Eric Bana ("Hulk") ist als Troja-Prinz Hektor wohl der einzige im Cast, der eine klassische Heldenrolle einnehmen kann und den Zuschauer in den Film hineinzieht. Spätestens mit seinem frühen Tod fehlt dem Film dann der eigentliche Hauptdarsteller.
Dass "Troja" trotz dieser Mängel ein Muss für alle Cineasten ist, liegt sicherlich am epischen Stoff und den sensationellen Szenen. Die DVD huldigt dem Epos mit einer zweiten Scheibe, die in zahlreichen Specials auf die Entstehung des Films, auf die wichtigsten Actionsequenzen und auf die dem Film zugrunde liegende Mythologie eingeht.
Verleih: Warner
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,40
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 156 Minuten
Preis: ca 25 Euro