Der Regisseur Michael Bay hat den Klassiker von 1974 mit den Mitteln des modernen Kinos neu verfilmt: Die Kettensäge singt wieder. Kein Film für schwache Nerven.

© Constantin Film
1957 wurde Ed Gein verhaftet. Er gilt noch immer als der wohl bekannteste und sicherlich auch unheimlichste Serienkiller aller Zeiten. Nach dem Tod seiner Mutter lebte Gein alleine in ihrem einsamen Farmhaus, das weit abgeschieden von allen anderen Häusern und Farmen mitten in den Feldern von Plainfield im US-Bundesstaat Wisconsin lag.
Gein ließ das Haus vollkommen verwahrlosen und räumte alleine das Zimmer seiner toten Mutter so mustergründlich auf, als würde sie gleich wieder den Raum betreten. Im Keller allerdings richtete sich Gein ein Laboratorium ein, wie es gruseliger wohl nicht sein kann. Zwei Frauen verschleppte und tötete der Killer nachweislich, um sie dann in seinem Keller in Stücke zu zerlegen. Dreizehn weitere Leichen soll Gein außerdem auf dem örtlichen Friedhof ausgegraben haben. Als die Polizei Gein festnahm und anschließend seinen Keller untersuchte, fand sie Gürtel, Möbel, Kleidungsstücke und weitere Utensilien vor, die alle aus menschlichen Körperteilen gefertigt waren.
Die Geschichte von Ed Gein inspirierte die Filmemacher immer wieder zu Höchstleistungen. Elemente aus der wahren Horrorgeschichte Geins finden sich so etwa in Hitchcocks "Psycho" und im modernen Kassenschlager "Das Schweigen der Lämmer" wieder. Am wirkungsvollsten war sicherlich die Verfilmung der Geschehnisse durch Tobe Hooper, der 1974 "The Texas Chainsaw Massacre" drehte. Der blutrünstige Horrorstreifen variiert die Originalgeschichte und erzählt, wie eine Gruppe Hippies in den Siebzigern im republikanischen Texas von einem irren Kettensägenschlächter in ihre Einzelteile zerlegt werden. Hierzulande war der Film unter dem Namen "Blutgericht in Texas" ins Kino gekommen, allerdings erst mit einer Freigabe ab 18 Jahren.
Das Kettensägen-Massaker fand drei Fortsetzungen, die sich aber hauptsächlich an den überzeugten Splatterfan richteten. Im Zuge des allgemeinen Horror-Revivals wurde die Tobe-Hooper-Version nun allerdings noch einmal unter der Kontrolle von Michael Bay fürs große Kino umgesetzt. Man mache sich das einmal klar: Michael Bay ist der Mann, der für Hollywood-Blockbuster wie "Armageddon", "Pearl Harbor" und "Bad Boys" verantwortlich zeichnet. Bay beauftragte den deutschen Werbespotfilmer Marcus Nispel damit, als Regisseur für "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre" zu arbeiten. Mit Erfolg: In den USA startete der Film mit dem zweitbesten Oktoberergebnis aller Zeiten in den Kinos. Inzwischen liegt die deutsche DVD zum Film vor - in einer Premium Edition im Schuber, die gleich zwei DVDs enthält.
Die Neuverfilmung dreht das Rad der Zeit noch einmal zurück. Wir schreiben das Jahr 1973. Ein klappriger VW-Bus rattert über die öden Landstraßen Texas. An Bord des Busses sind mehrere Jugendliche, die gerade aus Mexiko zurückkommen, wo sie ein Kilo Gras zum Kiffen gekauft haben.
Im Bus sitzen der smarte Kemper (Eric Balfour) und seine Freundin Erin (Jessica Biel). Der völlig breitgekiffte Morgan (Jonathan Tucker) und der Schönling Andy (Mike Vogel) sitzen hinten. Andy knutscht hemmungslos mit einer schönen Anhalterin namens Pepper (Erica Leerhsen), die sie unterwegs aufgegabelt haben. Die Freunde wollen so schnell wie möglich zu einem Open-Air-Konzert der Südstaatenband Lynyrd Skynyrd in Dallas fahren. Da kommen die Freunde freilich nie an.
Kemper überfährt auf einer kleinen Landstraße im texanischen Nirgendwo fast eine junge Frau, die apathisch über den Asphalt tappt. Die Freunde nehmen die verdreckte und mit blut beschmierte Frau mit in ihren VW-Bus. Doch je weiter die Freunde auf der Straße vorankommen, umso nervöser und hysterischer wird das Mädchen, das "nicht dorthin zurück" möchte. Bis sie auf einmal eine Pistole zückt und sich mitten im Bus das Hirn aus dem Kopf ballert. Die Freunde kriegen den Schreck ihres Lebens. Schnell werfen sie das Dope über Bord und beschließen, im angrenzenden Kaff nach dem Sheriff zu suchen, um ihm die Leiche zu übergeben.
Nach diesem Film dürfte sich jeder Zuschauer weigern, während eines US-Trips mit dem Auto die Großstädte zu verlassen. In dem kleinen Kaff, das die Freunde nun erkunden, scheinen nämlich alle Bewohner einen mächtigen Dachschaden zu haben. Die Tankstellenbesitzerin kümmert sich einen feuchten Kehricht um die Leiche. In einem alten Haus entdecken die Freunde einen verwahrlosten, sich allein überlassenen Jungen, der ziemlich gruselige Dinge bastelt.
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