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"Nicht böse gemeint, Mädels, aber so seid ihr"

Kürzlich hat Mario Barth den Deutschen Comedypreis gewonnen. Am liebsten provoziert er mit der These "Männer sind einfach, aber glücklich". Mit stern.de sprach er über Geschlechterklischees und sein neues Programm.

Herr Barth, Sie haben fünf Brüder, aber keine Schwestern. Wie kommt man mit fünf Brüdern dazu, Comedy über das Verhältnis der Geschlechter zu machen?

Ganz einfach: Die Brüder haben alle Frauen und Freundinnen und ich selber habe auch eine langjährige Freundin. Anfangs dachte ich, das wäre nur bei mir so, dass meine Freundin mit Gegenständen statt mit mir redet und eigentlich immer nur das hört, was sie hören will. Dann habe ich gesehen, dass es bei meinen Brüdern genau so ist. Und dann habe ich gedacht "Wenn das bei denen so ist, ist das bei allen anderen auch so!".

Menschen, die Sie umgeben, dienen Ihnen also als Inspiration. Erkennen sich die Leute denn selbst wieder? Haben Sie da schon einmal jemanden verärgert?

Nein, verärgert habe ich noch niemanden. Ich erzähle ja nicht so, dass ich auf jemandem herumhacke und sage, wie schlecht er ist. Ich halte den Spiegel vor und sage: "Guckt mal, Mädels, nicht böse gemeint, aber so seid ihr." Wenn zum Beispiel meine Hose kaputt ist und ich brauche eine neue, gucke ich ja nicht bei den Pullovern. Denn ich will ja gar keinen Pullover. Ich gehe in die Jeans-Abteilung, nehme mir eine Jeans in meiner Größe, probiere sie an und gehe nach Hause. Wenn ich mit einer Frau einkaufen gehen muss, dann muss ich mit ihr sieben Stunden lang durch alle Abteilungen. Zuhause angekommen, erlebe ich den gleichen Akt noch einmal, weil sie zuhause alles noch mal anzieht. Ich sage ja nur: "Mädels, lasst uns doch einfach nur zuhause sitzen und wenn ihr mit den ganzen Klamotten nach Hause kommt, zeigt sie uns vor der Schrankwand." Aber das wollen Frauen ja nicht. Es kommt schon einmal vor, dass meine Freundin, wenn sie etwas macht, sagt: "Toll, das Ding ist jetzt in zwei Wochen auf der Bühne." Aber da muss sie durch.

Holen Sie sich die Anregungen für das Programm nur aus dem privaten Umfeld oder auch über Beobachtungen? Können Sie überhaupt noch ungestört auf der Straße beobachten, oder sind Sie dazu schon zu bekannt?

Mich erkennen schon Leute, aber die kommen nicht alle auf mich zu gerannt. Viele gucken, aber damit habe ich kein Problem. Ich kann also schon noch in der Öffentlichkeit beobachten und tue dies auch. Vieles kommt aber auch aus meinem normalen Leben. Zum Beispiel war mein bester Freund fünf Jahre lang Single und lag mir immer in den Ohren: "Scheiß' auf deine Freundin, lass uns etwas trinken gehen! Wenn du wiederkommst, ist die immer noch da. Mann, du hast doch die Hosen an!". Jetzt hat er eine Freundin und man erkennt ihn nicht mehr wieder. Wenn er mit ihr telefoniert, hebt der seine Stimme: "Hallo! Na, Mäuschen!" Er hat plötzlich keine Zeit mehr. Er hat das Spazierengehen für sich entdeckt. Und so etwas schreit natürlich danach, auf der Bühne erzählt zu werden.

Wie testen Sie Ihre neuen Nummern?

Ich teste eigentlich die neuen Nummern alle vor dem Publikum. In meinem aktuellen Programm weise ich auf eine neue Nummer hin und gucke dann, wie die Leute reagieren. Ich bastele an der Nummer so lange, bis sie gut ist, damit das neue Programm auch die gleiche Qualität hat wie das aktuelle. Das erwarten die Leute. Man muss einfach vor das Publikum gehen.

Können Sie über ihre eigenen Nummern noch lachen?

Es gibt natürlich Nummern, die habe ich jetzt schon drei Jahre gespielt, die kenne ich. Fände ich sie nicht selbst sehr gut, wären sie nicht im Programm. Als ich meine DVD geschnitten und die Nummern gesehen habe, kam es schon oft vor, dass ich selbst gelacht habe, weil ich es plötzlich wieder als Zuschauer sah.

Wie haben Sie sich auf die Produktion der DVD vorbereitet?

Ich habe ja gar keine Ausbildung in dem Bereich, ich bin einfach nur offen und nehme Kritiken an. Ich höre dem Publikum zu. Ich frage nach jeder Show: "Gibt es noch irgend etwas, was ihr wissen wollt? Gibt es ein Thema, das ich vergessen habe?" Ich habe mich in die Lage des Zuschauers versetzt. Ich mache seit mehreren Jahren das, was mir Spaß macht, was ich lustig finde. Und damit treffe ich offenbar den Nerv der Zeit und es gibt ein Publikum, das sagt: "Das finden wir auch lustig!". Ich verlasse mich dabei auf meine Intuition. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, werden wir sehen.

Haben Sie weitere Pläne nach der DVD und ihrer Tour?

Nach der DVD wird kurz durchgeatmet - drei Wochen Ende des Jahres. Und dann geht es mit neuem Programm auf eine neue Tour. Damit werden wir zunächst nächstes Jahr unterwegs sein.

Wie vermeiden Sie bei Ihren Nummern, zu sehr ins Klischeehafte abzurutschen? Einerseits muss der Zuschauer ja sich und seinen jeweiligen Partner wieder erkennen, andererseits lacht man ja auch nicht über etwas, was man schon tausendfach gehört hat.

Da nehme ich mich selber als Maßstab. Wenn ich selber etwas blöd finde, wenn ich selber sage: "Ooh, da wird jetzt wieder auf Blondinen rumgehackt!". Oder es werden Manta-Witze erzählt oder jemand sagt, Angela Merkel sei hässlich. Das sind so Dinge, die mich langweilen. Ich schaue mir ja auch Shows live oder im Fernsehen an und bin selbst Zuschauer. Drei Stunden nach meiner Show schaue ich mir die Aufzeichnung an und sage auch mal: "Der Witz war jetzt aber platt!". Dann kommt der Gag raus. Das sieht man auch an den Leuten und ihren Reaktionen. Die tausend witzigsten Witze aus dem Witzebuch kann man nicht bringen. Nein, ich erzähle Geschichten, die mir oder Freunden passiert sind.

Und Ihr neues Programm wird sich auch um das Verhältnis der Geschlechter drehen?

Ja. Der Titel ist "Männer sind primitiv, aber glücklich!". Da nehme ich natürlich ein bisschen Partei für die Männer, indem ich sage: "Mensch, wir Männer sind vielleicht ein bisschen einfacher, aber wir sind dadurch ja nicht unglücklich". Einem Mann drückst du einen Holzkohlegrill in die Hand und dann freut der sich. Mehr wollen wir doch gar nicht. Du kriegst vier Monate im Sommer überbrückt. Die Frau muss dir nur jeden Tag zwei Nackensteaks geben und du bist voll glücklich. So etwas ist im neuen Programm. Also, es gibt kein Ende, es geht weiter. Der zweite Teil einer Trilogie. Der dritte Teil wird heißen: "Wir Männer sind halt so!" oder so etwas.

Interview: Thomas Krause
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