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20. November 2003, 11:58 Uhr

Lasst es krachen!

Die Musik-DVD ist stark im Kommen. Für rund 15 Euro speichert sie oft ein komplettes Konzert einer Band - in bestechender Bildqualität und im Mehrkanalton. Die besten Neuerscheinungen.

Sarah Connor: A Night To Remember

In ganz Deutschland werden neue Stars im Fernsehen gecastet, was das Zeug hält. Das Resultat sind kurzlebige Popsternchen, die für eine TV-Saison die Top-10-Listen der Charts stürmen und dann gnadenlos wieder abstürzen. Dass sich ein vorhandenes Talent auch ohne Dieter Bohlen als Mentor durchsetzen kann, beweist Sarah Connor. Das blonde Sangeswunder aus der Delmenhorster Provinz begeistert mit einer wunderbaren Stimme, tollen Songs und einer bestechenden Bühnenpräsenz.

Wie gut die angehende Mutter auch bei Live-Aufnahmen ist, zeigt die DVD "A Night To Remember". Sie zeichnet ein ganz spezielles Konzert auf, das Sarah Connor im Januar 2003 vor 600 geladenen Gästen gegeben hat. Der Clou an der Nobelvorführung ist, dass Sarah erstmals ein großes Orchester im Rücken hat, das ihr dabei hilft, ihren Lieblingssongs eine ganz neue Note zu geben.

Sarah zeigt sich während des Konzerts in perfekter Entertainer-Laune und schafft es problemlos, gegen das Orchester anzusingen. Über ein Dutzend bekannte Connor-Songs gibt es hier in einer glasklaren Version zu hören. Dazu gehören natürlich Sarahs Klassiker wie "From Sarah With Love" und "Let's Get Back To Bed, Boy". Die Sängerin hat aber auch schnelle, aktuelle Nummern im Repertoire, so etwa "Skin on Skin" oder "Bounce". Dass Sarah eine wirklich gute Sängerin ist, zeigt sie eindrucksvoll bei der Nummer "I Say A Little Prayer", die sie sich bei der Soulgöttin Aretha Franklin entliehen hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen Musik-DVDs bietet dieser Konzertmitschnitt nicht nur einen bombastischen DTS-Klang, sondern auch ein lupenreines DVD-Bild, das jedes Detail klar erkennen lässt. Die Kamera frisst sich manchmal ganz dicht in Sarahs Gesicht fest. Sie schwenkt aber auch über das Orchester und über die Gäste, um so etwas von der ganz besonderen Stimmung vor Ort einzufangen.

Gelungen sind auch die Extras der Scheibe. Hier findet sich ein 20-minütiges Making-of, das genau erklärt, wie das ungewöhnliche Konzert entstanden ist. Außerdem speichert die DVD auch Sarahs Unplugged-Version des Beatles-Hits "Yesterday", den sie in der ultimativen Chartshow von RTL gesungen hat. Zwei Songs des Konzerts lassen sich übrigens dank einer Multi-Angle-Funktion auch aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Ein Interview mit Sarah, eine Fotoshow und eine Discographie runden die gelungene Scheibe ab. Sony Music, 125 Minuten, Dolby Digital 5.1 & DTS

Peter Gabriel: Growing Up Live

Peter Gabriel hat sich lange Zeit in seinen Studios verkrochen und an seinen komplexen Musiken und Multimedia-Projekten gearbeitet. Nach einer langen Konzertpause hat es den Ex-Genesis-Künstler dann aber doch wieder auf die Bühne getrieben, die die Welt bedeuten. Ende 2002, Anfang 2003 ging Peter Gabriel auf die "Growing-Up"-Welttour, um mit seiner Band 32 Städte in den USA, in Kanada und in Europa zu besuchen. Gabriels Fans sind sich einig, dass die neue Konzertshow wieder einmal sensationell war. Gabriels Hang zu visuellen und akustischen Experimenten wurde auch bei dieser Tournee wieder voll ausgelebt. So erwartet den Zuschauer ein Sehvergnügen der besonderen Art. Aufgezeichnet wurde das Konzert an zwei aufeinander folgenden Abenden im Filoforum in Milan, Mailand - und zwar im Mai 2003.

Gabriel, älter geworden, glatzköpfig und mit grauem Kinnbart versehen, bringt alte Klassiker in neuen Versionen zum Besten, so auch "Here Comes The Flood", "More Than This", "Solsbury Hill" und "Sledgehammer". Bei einigen der Stücke holt sich Gabriel auch Gastmusiker auf die Bühne. Bei "Animal Nation" begrüßt Gabriel Dr. Hukwe und Charles Zawose, bei "Signal to Noise" mischt Nusrat Fateh Ali Khan ordentlich mit.

Der DTS-Sound der DVD ist über jeden Zweifel erhaben und bringt die Fensterscheiben zum Klirren. Beim Klangperfektionisten Gabriel wäre auch nichts anderes zu erwarten gewesen. Das Bild der DVD krankt etwas am zu dunklen Bühnenbild, das wenig Details erkennen lässt. Trotzdem vermittelt es viel von der Atmosphäre im kreisförmigen Filoforum, das mit seinen erhöhten Zuschaueremporen eine bombastische Kulisse für ein Konzert stellt.

Der Regisseur ist mit seiner Kamera immer dicht an den Musikern dran und zeigt auch, wie zwischen den einzelnen Stücken die Instrumente und das Bühnenbild ausgetauscht werden. Es ist schon beeindruckend, mit welchen visuellen Tricks Gabriel während des Konzerts aufwartet. In "Downside U" spazieren Gabriel und seine Tochter kopfüber an der zur Decke geschwebten Bühne entlang. In "Growing Up" rollt Gabriel in einer riesigen Plastikkugel über den Boden. Und in "Sledgehammer" zieht er ein leuchtendes Jackett an. Erwähnenswert sind die edle Verpackung der DVD und das mit sehr viel Liebe produzierte Booklet, das direkt in die DVD-Hülle eingeklebt ist.

Warner/CMM, 131 Minuten, Dolby Digital 5.1 & DTS

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