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Filmspaß mit der Extraportion Musik

Passend zu den aktuellen Video-DVDs mit Konzertmitschnitten gibt es immer häufiger auch eine Audio-CD als Bonus mit dazu - für den Fall, dass der DVD-Player gerade nicht in Reichweite ist. Carsten Scheibe hat sich die neuen DVDs angeschaut.

Dido: live at brixton academy

Keine Frage: Die englische Sängerin Dido ist unter den aktuell erfolgreichen Künstlerinnen eine echte Ausnahmeerscheinung - eine mit Charakter. Sie sieht nicht nur blendend aus, sondern hat auch eine fantastische Stimme und schreibt ihre Songs selbst. Nach zwei erfolgreichen Audio-CDs gibt es nun die erste Live-DVD mit der Künstlerin. Das Konzert wurde am 17., 18. und 19 August 2004 in der Brixton Academy aufgezeichnet.

Dido präsentiert sich bestens aufgelegt und singt 17 ihrer Songs in leicht abgewandelter Form, um ihren Fans auch wirklich etwas zu bieten. Zahlreiche bekannte Lieder wie "Sand in my shoes", "White Flag", "Mary's in India" oder "Life for Rent" kommen hier in wunderschönen neuen Versionen zum Einsatz. Eine dezente Bühnenshow lenkt nicht zu sehr ab, sorgt aber immer wieder für den einen oder anderen Eyecatcher.

Ein Highlight der DVD sind die Zwischenkommentare Didos, die ehrlich, süffisant und sinnlich mit dem Publikum flirtend erklärt, warum sie die Songs geschrieben hat und was sie zu bedeuten haben. So erzählt sie zu "Take my Hand", dass sie schon als Teenager den Sex für sich entdeckt habe - und der Song nur entstanden ist, um noch mehr Jungs in ihr Bett zu locken, was ihr im Übrigen auch gelungen sei. In Amerika wäre man schockiert, in Europa nimmt man solche Kommentare mit einem Augenzwinkern.

Nicht nur das Bild der DVD weiß mit seiner glasklaren Qualität zu überzeugen. Der Sound ist einfach unglaublich. Wer sich mit dem entsprechenden Lautsprechersystem für den DTS-Ton entscheidet, der bekommt ein akustisches Erlebnis vom Allerfeinsten präsentiert, das den Subwoofer zum Vibrieren bringt und den Eindruck vermittelt, man würde live mit auf der Bühne stehen. Da schaut man sich das Konzert gerne immer wieder an - und noch einmal und noch einmal. Wer gerade keinen DVD-Player zur Hand hat, der findet im Schuber noch eine Audio-CD mit 12 Live-Songs vor. Die lässt sich auch in jedem beliebigen CD-Player abspielen. Gut so.

Sony BMG, DD 5.1/DTS, 91 Minuten, 17 Euro

Paul McCartney: In Red Square

Mit dem Osten hatten es die Beatles nicht so sehr: Die Band wurde in den Sechzigern von staatlicher Seite verbannt. Den Menschen hinter dem Eisernen Vorhang war die Mut machende Musik von Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison und John Lennon aber trotzdem wohlvertraut. Doch Zeiten ändern sich. Und so durfte Paul McCartney am 24. Mai 2003 mitten auf dem Roten Platz in Moskau zu einem Konzert laden, dem insgesamt 100.000 Zuschauer zuhörten. Der Konzertfilm von diesem Ereignis hat den Emmy Award gewonnen.

Eins muss klar sein: Die DVD zeigt nicht einfach nur das Konzert, sondern wechselt zwischen den einzelnen Songs immer wieder zu einer kurzweiligen Dokumentation, in der es um die Öffnung Russlands geht und die aufzeigt, wie das bemerkenswerte Konzert zustande gekommen ist. Dieses hin- und herwechseln stört zwar die Atmosphäre des Konzerts, bietet dabei aber einen interessanten Einblick hinter die Kulisse.

Im Gegensatz zu vielen anderen Konzert-Dokumentationen, die einen Sound nur in Stereo anbieten, bringt es "In Red Square" sogar auf einen DTS-Sound. Leider zeigt er nur wenig Tiefenwirkung, sodass sich nicht zwangsläufig das Gefühl einstellt, dass man mit auf dem Roten Platz stehen würde. Stattdessen fragt man sich: Ist das DTS? Oder doch nur Stereo? Sorry, aber bei dieser Scheibe bleibt der Sound ein wenig blass.

Sir Paul selbst ist kein Vorwurf zu machen. Er holt auf der Bühne eine ganze Menge Klassiker aus der Mottenkiste und spielt mit seiner Band eigene Lieder wie "Band on the Run", "Live and Let Live", "We Can Work It Out" und "Fool on the Hill". Immerhin bekommt man am Ende das zu hören, was man hören möchte - Beatles-Material. Die Band bringt so das Publikum mit "Hey Jude", "Yesterday", "Let It Be" und "Back in the U.S.S.R." zum Kreischen.

Auf der DVD findet sich zusätzlich noch ein zweites Konzert, das Paul McCartney in St. Petersburg gehalten hat. Hier kommen 12 Songs zum Einsatz, darunter "Drive My Car", "Penny Lane", "Helter Skelter" und "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Warner Music, DD 5.1/DTS, 100 Minuten, 25 Euro

The Strat Pack

Die elektrische Stratocaster Gitarre wurde im Mai 2004 genau 50 Jahre alt. Grund genug, ein Konzert mit zahlreichen Göttern der Gitarrenkunst zu veranstalten, die dieser neben der Gibson wohl bekanntesten Gitarre aller Zeit huldigen sollten. Herausgekommen ist ein 2,5 Stunden langer akustischer Orgasmus, der den heutigen Studiomusikern noch einmal aufzeigt, wie echte Musik gemacht wird.

Zahlreiche Musiker geben sich hier die Klinke in die Hand, um Klassiker der Musikgeschichte zu spielen. Bei den Herren handelt es sich fast durch die Bank um Vertreter der älteren Semester - eben Gitarrenspieler, die zusammen mit der Stratocaster ihre Erfolge gefeiert haben.

Da kann man dann etwa David Gilmour von Pink Floyd dabei zuhören, wie er "Marooned", "Coming Back to Life" und "Sorrow" spielt. Ein weiterer Topakt ist der blonde Joe Walsh, der "Funk 49", "Life's Been Good" und "Life in the Fast Lane" spielt - harter Rock mit rauchiger Stimme und klirrenden Gitarren, der unter die Haut geht. Überhaupt ist die musikalische Bandbreite des Konzerts sehr hoch. Neben der Elektromusik von Gilmour und dem bodenständigen Rock eines Walsh gibt es auch noch Folk, Country und Blues.

Gerne hört man sich die Songs immer wieder an, zumal die Optik der DVD sehr gut ist und es der DTS-Sound der Scheibe ordentlich krachen lässt. Dabei finden sich sogar viele lang vermisste Klassiker wieder. Mike Rutherford und Paul Carrack spielen so etwa "How Long", "All Along the Watchtower", "While My Guitar Gently Weeps" und "I Can't Dance". Albert Lee und Brian May geben dem Publikum mit "Peggy Sue" sogar einen ganz besonderen Oldie mit auf den Weg.

Theresa Andersson, Hank Marvin, Paul Rodgers, Amy Winehouse und Phil Manzanera sind weitere Showacts, die den Saal zum Toben bringen. Einig sind sich die Fans nur darüber, dass Ronny Wood von den Stones mit "Ooh La La" völlig aus der Reihe fällt. Er fällt gegenüber seinen Kollegen weit ab und klingt wie eine Schnapsleiche, die ihre ganze Stimme im Suff verloren hatte. Vielleicht ist es ganz gut, dass bei den Stones Mick Jagger am Mikro steht.

Eagle Vision, DD 5.1/DTS, 166 Minuten, 17 Euro

Silbermond: Verschwende Deine Zeit

Die deutschen Bands sind wieder schwer im Kommen. Selbstbewusste Songs in deutscher Sprache: Silbermond zeigt mit "Symphonie" und ähnlichen Titeln, wie das geht. Ihre erste Musik-Kollektion auf DVD enthält gleich drei Silberscheiben. Auf der ersten DVD findet sich eine Konzertaufzeichnung vom 1. Februar 2005 aus der Berliner Columbiahalle. Mit 19 Songs bringt die Band die Halle zum Rocken. Die zweite DVD sammelt sechs Videos, darunter die Filme zu "Durch die Nacht" und "Zeit für Optimisten". Wer gerade keinen DVD-Player zur Hand hat, findet 14 ausgesuchte Songs auf einer Audio-CD vor.

BMG, 253 Minuten

Michael Bublé: Come Fly With Me

Der smarte Michael Bublé erinnert an den jungen Frank Sinatra. Er macht den Swing wieder modern und singt mit tiefer Stimme und großen Gesten Songs wie das bereits bekannte "Come Fly With Me" oder den Klassiker "Mack the Knife". Da hört man gerne zu, auch wenn das aufgenommene Konzert nach etwas mehr als einer Stunde schon wieder vorbei ist. Neben drei Bonus-Videos gibt es auch noch eine Audio-CD mit acht Songs.

Warner Music, 73 Minuten

Seal: Live in Paris

Seal sorgt nicht nur dafür, dass Heidi Klum immer dicker wird. Der Kindspapa ist auch als Schmusesänger eine ganz große Nummer. Seine neue DVD zeichnet ein knapp zweistündiges Konzert in DTS auf, das Seal in Paris gab. 18 Songs sind hier im 16:9-Format zu sehen und auch zu hören, darunter "Kiss From a Rose", "Crazy" oder "Love's Devine". Das ist freilich eine Scheibe, die man einlegen muss, wenn es auf der heimischen Couch schmusig wird.

Warner Music, 112 Minuten

Chris Norman: One acoustic evening

Chris Norman hat als Lead-Sänger von Smokey viele Hits gehabt, darunter "Living Next Door to Alice". Auch als Solist war Norman erfolgreich. Dieter Bohlen schrieb ihm etwa die "Midnight Lady" auf den Leib. Nun möchte der Sänger gerne beweisen, was nach so vielen Jahren auf der Bühne noch so alles in ihm steckt. In einer akustischen Live-Nacht im Private Music Club spielt er 19 Songs, darunter die Klassiker "Needles and Pins", "Still in Love With You" und "Oh Carol".

Als Dreingabe gibt es eine weitere Video-DVD in der Hülle. Sie sammelt eine Aufnahme des Konzerts "Live in Vienna" aus dem Jahr 2004. 12 Songs sind auf dieser Kompilation zu hören. Hits wie "I'll Meet You at Midnight", "Lay Back in the Arms of Someone" und "Stumblin' In" sind hier zu hören.

e-m-s, 91 Minuten

Carsten Scheibe, DVD-Portal Typemania

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo