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15. Dezember 2006, 06:09 Uhr

Alles nur geklaut

Das Buch war ein Bestseller, dem Film fehlt die Leidenschaft - da hilft es auch nichts, dass "Eragon" an jeder Ecke "Herr der Ringe" kopiert. Aber wenigstens die Special Effects sind sehenswert. Von Angelika Unger

Mit Bogen und Magie verteidigt sich Eragon gegen Galbatorix' Schergen© 20th Century Fox

Jedes Jahr im Advent lässt Hollywood die Schwerter sprechen - das hat inzwischen fast so viel Tradition wie Gänsebraten und "Stille Nacht". Nach "Herr der Ringe" und den "Chroniken von Narnia" soll nun das Fantasyabenteuer "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" den vorweihnachtlichen Blutdurst der Zuschauer stillen. Als Erfolgsgarantie dient die Romanvorlage von Christopher Paolini: Das Buch, das dieser als 15-Jähriger geschrieben hatte, stand in den Bestsellerlisten monatelang ganz oben.

"Eragon" hat alle Zutaten, die ein Fantasyfilm braucht - schöne Frauen, schnelle Pferde, finstere Bösewichte und eine fast schon klassisch zu nennende Story: Bauernjunge findet Drachenei, Drache schlüpft, Junge und Drache ziehen los, um die Welt von grausamem Tyrannen zu befreien. Ein guter Film ist daraus aber trotzdem nicht geworden. Wenn ein computeranimierter Drache der überzeugendste Charakter ist, muss wohl irgendwas schief gegangen sein.

Schamlos geklaut bei "Herr der Ringe"

Allzu deutlich merkt man "Eragon" an, dass Regisseur Stefen Fangheimer eigentlich Special-Effects-Experte ist, bekannt etwa durch die Effekte bei "Twister" und "Der Sturm". Da mag die Drachendame Saphira noch so majestätisch über die Fabelwelt Alagaesia schweben - die Story kommt nie richtig in Fahrt. Fangheimer hetzt seinen Helden durch allerlei Gefahren beim vergeblichen Versuch, mehr als 600 Buchseiten in 104 Minuten Film unterzubringen. Von den Figuren, ihren Ängsten und Sehnsüchten bleibt auf diese Weise wenig übrig - besonders schade, weil Fangmeier mit Jeremy Irons, John Malkovich und Robert Carlyle ein Starensemble aufbietet.

Dass Christopher Paolini Tolkien-Fan ist, ließ sich schon in seinem Buch nicht verbergen. Und auch der Film bedient sich schamlos bei "Herr der Ringe": Die opulenten Landschaftsaufnahmen aus der Vogelperspektive, garniert mit über Bergkämme galoppierenden Helden, wirken hinlänglich bekannt, ebenso die martialischen Posen der Uruk-Hai-Kopien, die bei "Eragon" Urgal heißen.

Die Beziehung des jungen Drachenreiters Eragon zu seinem Mentor Brom (Jeremy Irons) weckt indes Erinnerungen an Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi. Und auch die schauspielerische Leistung des Eragon-Darsteller Edward Speleers lässt an "Star Wars" denken: Speelers ist nicht nur genauso jung und blond wie Hayden Christensen, der in Episode 2 und 3 den jungen Anakin Skywalker verkörperte, er agiert auch ähnlich hölzern.

Der Drache ist der eigentliche Star

Erst kurz vor Ende, bei der finalen Schlacht gut gegen böse, kommt doch noch so was wie Spannung auf. Zwar klaut Fangheimer die Massenszenen mit Rauch und Fackeln bei der Schlacht um Helms Klamm, samt der obligatorischen "Lasst niemanden am Leben"-Sprüche. Aber zumindest hat der durchgeschüttelte Zuschauer hier erstmals das Gefühl, dass ein Stück Geschichte auserzählt wird.

Zudem kann man dann noch einmal ausführlich den eigentlichen Star des Films in Aktion sehen: den blauen Drachen Saphira, zum Leben erweckt durch die renommierten Effektstudios Weta Digital ("Herr der Ringe") und Industrial Light & Magic ("Star Wars"). Im englischen Original leiht übrigens Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz Saphira ihre Stimme. Wer den Film auf Deutsch sieht, muss sich stattdessen mit Nena begnügen.

Von Angelika Unger
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
blendaxx (15.12.2006, 09:56 Uhr)
War doch klar !
Heute läuft der Film in den Kinos an, aber die Vorberichte laufen schon seit Wochen über alle Medien und das weltweit.
Aber mir ist irgendwie jetzt schon klar das Loch das Herr der Ringe hinterließ wird von Jahr zu Jahr größer, anstatt kleiner. Da wird auch Eragon nichts daran ändern ! Wie schon im Vorjahr bei "Chroniken von Narnja" galt im Vorfeld eine riesen Euphorie zu frönen (angezettelt von der durchtrainierten Werbeindustrie)und dann doch festzustellen, HdR ist einfach eine andere Liga und wird für lange unerreichbar sein.
Aber was sind die Ursachen ? Ich denke es spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Bücher sind nicht unbedingt schlechter, aber die Geschichten sind bei weitem nicht so komplex. Können Sie auch gar nicht ! Tolkien schrieb die Bücher seinerzeit über viele viele Jahre. Entwickelte Elbensprache und fazinierende Charaktere die so fantastisch und so ausgeprägt sie sind, immer den Bezug zur Realität suchen und meiner Meinung nach auch finden. Zum anderen fehlt ein Regisseur, der das Projekt auf die Ebene "Lebenstraum" führt, d.h. sich weit im Vorfeld ein umfassendes Basiswissen aneignet, und bei der Umsetzung keine Kompromisse von aussen zulässt.
Daher wird mir auch dieses Jahr nichts anderes übrig bleiben meine eigene Fantasyvorweihnacht zu gestalten, in Form von: mit Freunden ein HdR (Extendet Version) Nacht mit allen drum und dran zu organisieren.
Unerreichbar !
 
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