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17. Juni 2004, 07:45 Uhr

"Ich bin gern allein"

Neun Jahre nach ihrer Zufallsbegegnung in der Romanze "Before Sunrise" treffen sich Ethan Hawke und Julie Delpy in "Before Sunset" wieder. Im wahren Leben gab's für den Schauspieler bislang kein Happy End.

Ethan Hawke, melancholisch und nachdenklich. Nach dem Bruch mit Uma Thurman sagt er: "Sehr seltsam, getrennt zu sein"© Evan Agostini/AFP

Ein Nachmittag. Eine Nacht. Nähe für einen Moment. Keine Telefonnummern tauschen, keine Adressen. Nur das Versprechen, sich in sechs Monaten am selben Bahngleis in Wien wiederzutreffen. So gingen der Amerikaner Jesse und die Französin Celine 1995 in dem Film "Before Sunrise" auseinander. The End. Neuer Film: Neun Jahre später liest Schriftsteller Jesse (Ethan Hawke) in Paris aus seinem Buch. Thema: diese eine Nacht. Zwischen den Regalen der Buchhandlung steht Celine (Julie Delpy).

Sie haben 80 Minuten, bevor er zum Flughafen muss - "Before Sunset" (Start: 17. Juni). Ein Film in Echtzeit. Neun Jahre Leben des anderen aufholen. Sich vortasten, sich preisgeben. Dem Film gelingt das Kunststück, das Erwachsenwerden mit seinen verpassten Chancen und verlorenen Illusionen in einem Spaziergang einzufangen. Sie reden. Und das hört und fühlt sich so echt an, als sei man dabei, ein zufälliger Zuhörer auf demselben Weg. "Habe ich mich verändert?", fragt Celine. Sie ist dünn geworden, denkt man, und Jesse sagt: "Du bist dünner geworden." Celine beugt sich über den Tisch des Cafés, berührt die tiefe Stirnfalte zwischen Jesses Augen und sagt: "Sieht aus wie tätowiert."

Ethan Hawke, 33, Frauenschwarm und Star dieses Films, hat einen Hang ins Grüblerische, aber immer noch eine beeindruckende Ausstrahlung. Es ist dieses Nachdenkliche, gepaart mit einer äußerlichen Lässigkeit, das seinen Sex-Appeal erklärt: die Jeans eine Spur zu weit, das T-Shirt abgewetzt, die Haare zerstrubbelt. Doch unübersehbar auch: Hawke ist gealtert. Die vergangenen beiden Jahre haben Spuren hinterlassen.

2002 noch schien sein Leben bestens geordnet. Er hatte gerade "Aschermittwoch" veröffentlicht, seinen zweiten Roman, und die Kritiker waren begeistert. Er war zum ersten Mal für einen Oscar nominiert worden, hatte mit seiner Frau Uma Thurman das zweite Kind bekommen und in keinem Interview versäumt zu erzählen, dass er sich gerade ganz über seine Familie definiert.

Heute, 2004, tut er das nicht mehr. Am Set seines neuen Films, der ein Action-Krimi wird, spürt man, dass es ihm nicht gerade prächtig geht. In einer Drehpause pult er seinen Preiselbeer-Muffin auseinander, tätschelt seinen schwarzweißen Spitz und sagt stockend: "Sehr seltsam, getrennt zu sein."

Nach der ersten Begegnung in Wien im Film "Before Sunrise" (1995) gibt es jetzt eine Wiedersehen in Paris: "Before Sunset"© DDP

ER NENNT UMA THURMAN immer noch "meine Frau". Acht Jahre waren sie ein Paar. Seit kurzem kursiert das Gerücht, sie habe den Heiratsantrag des New Yorker Hoteliers Andre Balazs angenommen. Er selbst, sagt Hawke, vergesse immer, "dass ich wieder "Dates" haben könnte". Der Anstoß für die Trennung von Uma war hingegen, dass er zwischenzeitlich vergessen hatte, nicht für Dates frei zu sein. Eine Affäre mit einem 22-jährigen Model führte im vergangenen Jahr zum Bruch. Reden mag Hawke nicht mehr drüber. Damals hatte er gesagt, es wäre schon vorher schwierig gewesen mit Uma. Zwei Filmkarrieren ließen sich schlecht verbinden. Einer sei eben immer unterwegs. Jetzt fühle er sich am wohlsten, wenn er allein sei, sagt Ethan Hawke. Allerdings: "Wenn du zu lange allein bist, wird es schwerer und schwerer, jemanden um sich zu haben."

Hawkes Melancholie spiegelt sich auch wider in "Before Sunset". Das Drehbuch hat er gemeinsam mit Julie Delpy und Regisseur Richard Linklater geschrieben, mit denen er seit der Arbeit an "Before Sunrise" befreundet ist. Nicht, dass sie darin ihre Tagebücher zitierten, aber: "Ich wollte, dass der Film sehr persönlich ist." Egal, wie's nach Sonnenuntergang weitergeht, Jesse wird kein zweites Buch schreiben müssen, um Celine zu finden. Hawke kennt die beiden: "Heute würden sie mit Sicherheit ihre E-Mail-Adressen tauschen." Fortsetzung folgt? "Haben wir schon drüber gesprochen", sagt Hawke, und so, wie er dabei aussieht, wünscht man sich für die nächste Episode ein Happy End für ihn. Im Film und im Leben.

Silvia Feist
 
 
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