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29. Juli 2004, 16:09 Uhr

Auch in Deutschland wird zur Bush-Jagd geblasen

Noch nie zuvor ist ein Dokumentarfilm hier zu Lande in 200 Kinos angelaufen: Michael Moores "Fahrenheit 9/11" will nach den USA auch die europäischen Filmhäuser stürmen.

Kurz vor der Premiere: Michael Moore in Washington© Chris Kleponis / DPA

Michael Moores umstrittener Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" ist nun auch in Deutschland zu sehen. Er ist in 200 Kinos gestartet. Der Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme erhielt, übt scharfe Kritik an der Regierung von US-Präsident George W. Bush. Bereits am Mittwochabend verfolgten rund 2000 Zuschauer, darunter auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin und die Filmemacher Pepe Danquart und Peter Keglevic, in Berlin die Deutschlandpremiere des Streifens unter freiem Himmel. Trittin zeigte sich enttäuscht von dem Film: "Bowling for Columbine" von Moore habe ihm "persönlich besser gefallen, es war dichter", sagte Trittin. "Fahrenheit 9/11" sei "etwas sehr in die Länge gezogen". Außerdem biete der Film für Europäer "relativ wenig Neues". Die Zusammenstellung der einzelnen Fakten sei weitgehend bekannt.

Dokumentarfilm läuft auch in Multiplexen

Nach Verleihangaben ist die Startauflage die bislang höchste eines Dokumentarfilms in Deutschland. Anders als die meisten Dokumentationen sei Moores Werk nicht nur in kleineren Programmkinos, sondern auch in den großen Multiplexen und Kinozentren zu sehen. US-Regisseur Moore zeigt in seinem ironischen Film die Veränderungen in den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Beginn des Irak-Krieges. US-Präsident Bush, dessen Abwahl im November er mit dem Film erreichen möchte, stellt er darin als Kriegstreiber und Versager im Kampf gegen den Terrorismus hin.

Platz 1 in den USA

In den USA schaffte "Fahrenheit 9/11" trotz Boykottaufrufen als erster Dokumentarfilm den Sprung auf Platz 1 der Kinocharts und gilt bereits seit dem Startwochenende als erfolgreichste Dokumentation aller Zeiten. Inzwischen hat der Film nach Studioangaben in Nordamerika als erster Dokumentarfilm die 100-Millionen-Dollar-Marke übersprungen. Seit dem Start Ende Juni spielte der Streifen insgesamt 103,3 Millionen Dollar ein. Zu einem Treffen zwischen Moore und Bush kam es bei einer Filmvorführung am Mittwoch in Crawford im US-Bundesstaat Texas unterdessen nicht: Bush hatte abgesagt, die Veranstaltung zu besuchen, die nur elf Kilometer von der Ranch entfernt war, auf der er gerade Sommerferien macht. Daraufhin änderte auch Moore kurzfristig seine Pläne und kam nicht nach Crawford.

Zeitgleich zum Filmstart in Deutschland erscheint Moores neues Buch "Hurra Amerika-Adventures in a TV Nation". Mit bissigem Humor und Lust an der Provokation gehe Moore darin dem Wesen der amerikanischen Gesellschaft auf den Grund, teilte der Piper Verlag mit.

 
 
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