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24. Juni 2004, 18:34 Uhr

"Schulungsfilm der El Kaida"

Der Anti-Bush-Streifen "Farenheit 9/11" von Michael Moore stößt in den USA auf großes Interesse- trotz oder gerade wegen der bösartigen Propaganda erzkonservativer Gruppen.

"Streit... Was für ein Streit?": Michael Moore vor einem Plakat seines neuen Films "Fahrenheit 9/11"© Tina Fineberg/AP

George W. Bush lächelt beseelt und glücklich. Artig hält er die Hand des listig dreinblickenden Michael Moore und lässt sich widerstandslos vom Weißen Haus wegführen - an einen imaginären Ort, wo er nach Überzeugung des Regisseurs besser aufgehoben wäre, als im Machtzentrum der USA. "Streit... Was für ein Streit?" steht über der Fotomontage für das Plakat zu Michael Moores Film "Fahrenheit 9/11", der an diesem Freitag zum spürbaren Ärger der Republikaner in hunderten amerikanischen Kinos anläuft.

Nie zuvor ist in den USA ein Dokumentarfilm auf ein derart großes Interesse gestoßen wie Moores zweistündiger Anti-Bush-Streifen. In zunächst rund 500, später gar in insgesamt nahezu 1000 Kinos soll er zu sehen sein - eine Größenordnung, in der sonst nur Spielfilme rangieren. Ovationen gab es bereits zuvor bei Premieren vor geladenen Gästen, unter ihnen viele Hollywoodstars, in New York und Los Angeles. Riesenbeifall ertönte auch bei einer Sonderführung für Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die Moore im vergangenen Jahr für seinen Film "Bowling for Columbine" mit einem Oscar geehrt hatte.

Moore winkt ein weiterer Oscar

Dass dem Regisseur und Buchautor ("Stupid White Men") nach dem grandiosen Sieg seines Films beim Filmfestival in Cannes nun ein weiterer Oscar winkt, halten manche in Hollywood für ausgemacht. Zudem dürfte sein Konto dank des absehbaren finanziellen Erfolgs von "Fahrenheit 9/11" um einige Millionen Dollar anwachsen. Doch wird Moore wirklich als der Mann in die Geschichte eingehen, der einen US- Präsidenten mit einem Film "stürzte"?

Der Medienexperte der Washingtoner "Denkfabrik" Center for Media and Public Affairs, Matthew Felling, sagte voraus, der Film, der den US-Präsidenten als Versager im Anti-Terrorkampf, dicken Freund der saudischen Ölscheichs und als Marionette amerikanischer Konzerne darstellt, werde lediglich die Bush-Gegner in ihren Überzeugungen bestärken. Wähler der Republikaner würden sich jedoch selbst dann nicht umstimmen lassen, wenn sie den Film anschauten.

Republikaner kämpfen mit Vehemenz gegen Moore

Auffallend ist allerdings die Vehemenz, mit der Parteigänger der Republikaner "Fahrenheit 9/11" bekämpfen. So rief die Organisation "Move America Forward", die dem Rechtsaußenflügel der Bush-Partei nahe steht und sich bereits erfolgreich an der Kampagne zur Abwahl des demokratischen Gouverneurs von Kalifornien beteiligte, in einer Internet- und E-mail-Aktion zum nationalen Boykott des Films auf.

Terrororganisationen würden für die Verbreitung des "Moore- Machwerks" sorgen, streute "Move America Forward". Kinobesitzer wurden aufgefordert, diesen "Schulungsfilm der El Kaida" nicht zu zeigen. Viele hätten sich bereits gegen den Moore-Streifen entschieden, "der von den meisten Amerikanern abgelehnt wird", erklärte die rechte Talkshow-Moderatorin und Vizevorsitzende von "Move America Forward", Melanie Morgan.

Dank der Anfeindungen ein Kassenschlager

Gerade dank solcher Anfeindungen und Verhinderungsversuche, die schon vor Monaten damit begannen, dass der Disney-Konzern seiner Tochterfirma Miramax den Vertrieb des Films untersagte, werde "Fahrenheit 9/11" ein Kassenschlager, glaubt hingegen der Politikwissenschaftler Stephen Farnsworth vom Mary Washington College. Dass der Film Wähler gegen Bush mobilisiert, hält er wegen dessen "Entertainment-Format" durchaus für möglich. Er sei besonders für jüngere Leute attraktiv, von denen sehr viele gern ins Kino, aber normalerweise nicht zur Wahl gehen würden.

Thomas Burmeister, DPA
 
 
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