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4. August 2009, 14:11 Uhr

Schlämmer spielt Kanzler, und alle machen mit

Flensburger Verkehrssünderkartei abschaffen, Schönheits-OPs gratis für alle: Entertainer Hape Kerkelings bringt mit seinem Kinofilm "Isch kandidiere" Schwung ins Superwahljahr. Sein Alter Ego Horst Schlämmer stellte als Kanzlerkandidat sein Wahlprogramm der versammelten Journaille in Berlin vor - nicht ohne Zwischenfälle. Von Alexander Kühn, Berlin

Horst Schlämmer,

Ein Küsschen für den Kino-Kanzler: Schauspielerin Alexandra Kamp spielt Horst Schlämmers First Lady© Sören

Am Anfang erlaubt sich einer einen Spaß. Martin Sonneborn, ehemals Chefredakteur der Satirezeitschrift "Titanic", hat das Podium erobert. Er will Wahlkampf machen für sein Spaßprojekt "Die Partei". Das geht natürlich nicht. Schon sind die Sicherheitsleute da. Sie drehen ihm das Licht ab, dann den Ton, schließlich müssen Sonneborn und seine Genossen den Saal verlassen.

Hier darf nur einer Wahlkampf machen, und das ist Horst Schlämmer. Das Rudel Berliner Fotografen, das ihn wenige Minuten vor seiner Pressekonferenz ablichtet, ruft ihm jetzt schon zu: "Herr Kanzler! Hierher!" Als einer von ihnen versehentlich kräht: "Hape, bitte lächeln!", wird er vom Nebenmann zusammengepfiffen: "Det is' doch der Horst!"

Hape Kerkeling spielt Horst Schlämmer. Horst Schlämmer spielt Kanzlerkandidat. Vom 20. August an im Kino, heute im Konferenzraum eines Berliner Hotels. Und alle spielen mit. Journalisten aus aller Herren Bundesländer fragen ihn nach seinem Wahlprogramm, seinen Plänen für eine mögliche Koalition, nach Migration, Umweltschutz und Wirtschaftskrise. Schlämmer hat auf alles eine Antwort. Er ist gewohnt schlecht rasiert, trägt denselben ollen Kittel wie immer. Bemüht sich aber nach Kräften um einen jovialen, fast präsidialen Ton. Außer wenn er gerade vom Podium herunter eine Journalistin annuschelt, sie solle gefälligst nicht so nuscheln.

In der ersten Reihe sitzt mit ernstem Gesicht der ARD-Senior Werner Sonne, der im "Morgenmagazin" immer mit den Berliner Politikern frühstücken darf. Zwei Reihen hinter ihm: der Politikberater Michael Spreng, der einst erfolglos versuchte, Edmund Stoiber fürs Kanzleramt fit zu machen; demnächst, deswegen ist er hier, darf er in der Talkshow von Markus Lanz dem Kandidaten Schlämmer ein paar Tipps geben.

Warum eigentlich sollte Horst Schlämmer nicht in die Politik gehen? Schließlich hat er zu allem eine Meinung, ohne sich auf irgendwas festzulegen. Einer seiner Kernsätze: "Die Horst-Schlämmer-Partei ist konservativ, liberal und links." Ein weiterer: "Wir sind für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung." Und: "Integration ist das A und O."

Schönheits-OPs für alle

Ferner ist Schlämmer gegen die Schweinegrippe und sieht die Jugend als Zukunft des Landes. Wer hätte dagegen etwas einzuwenden? Über seinen Plan, das Kanzleramt in seine Heimat Grevenbroich zu verlegen, muss man vielleicht noch mal nachdenken. Ebenso über sein Ansinnen, für alle Bürger kostenlose Schönheits-OPs einzuführen. Viel absurder als das Vorhaben des SPD-Kandidaten, die Arbeitslosigkeit abzuschaffen, sind diese Gedankenspiele allerdings nicht. Aber mindestens so unterhaltsam wie die Frage, ob das Auto einer Ministerin nicht auch mal in den Urlaub fahren darf.

Ach ja, der Kinofilm. Den gibt es noch nicht zu sehen. Es heißt, er sei noch nicht fertig. Ein Satz, der bisweilen als schöne Umschreibung herhalten muss für: Ein Werk ist so armselig, dass die Kritiker es nicht früher zu Gesicht kriegen sollten als notwenig. Man weiß es nicht. Insofern ist die Berliner Soirée keine Pressekonferenz, sondern ein kostenloses Unterhaltungsprogramm für Journalisten, auf der Horst Schlämmer den bestmöglichen Schlämmer gibt. Was macht eigentlich Hape Kerkeling? "Der Kerkeling unterstützt mich nicht", grunzt Schlämmer ins Mikrofon. "Der ist eine zickige Diva."

Von Alexander Kühn, Berlin
 
 
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