Startseite

Ein Film, so kalt wie ein toter Fisch

Neun Jahre haben wir auf den "Hobbit" gewartet. Das Prequel zum Kinoereignis "Der Herr der Ringe" sollte vor allem noch realistischer werden. Genau da liegt der Fehler, findet

Sophie Albers.

  Bei Gollum kann man jeden Pickel, jede Hautschuppe sehen - bei den Orks jedes Herpesbläschen. "Der Hobbit" ist ein Film unter dem Vergrößerungsglas - ob der Zuschauer es will oder nicht.

Bei Gollum kann man jeden Pickel, jede Hautschuppe sehen - bei den Orks jedes Herpesbläschen. "Der Hobbit" ist ein Film unter dem Vergrößerungsglas - ob der Zuschauer es will oder nicht.

Nie, nie, NIE hätte ich gedacht, dies einmal zu schreiben. Aber Peter Jackson, Herr der wildgewordenen Kinofantasie, hat mit dem ersten Teil der "Hobbit"-Trilogie nicht nur das Statisten-Pony Rainbow getötet, er hat der Magie von Mittelerde den Garaus gemacht. Dabei schien Scheitern doch nicht einmal eine Möglichkeit.

Die eiserne Regel vorweg: In einer Filmkritik geht es nicht darum, wovon ein Film handelt, sondern darum, wie ein Film es umgesetzt hat. JRR Tolkiens Bücher sind unerreichte Standardwerke. Jackson hat ihnen mit der "Herr der Ringe"-Trilogie ein grandioses Kinodenkmal gesetzt. Die "Hobbit"-Trilogie soll den Oscar- und Fankult-umrankten Mittelerde-Erfolg fortsetzen. Und weil Jackson - wie "Avatar"-Regisseur James Cameron - nicht nur Filme drehen, sondern auch die Filmgeschichte verändern will, ist "Der Hobbit" der erste Film überhaupt, der seinem Publikum in HFR 3D begegnet, was eine Verdopplung der Bildanzahl von den bisherigen 24 Bildern pro Sekunde auf 48 bedeutet und damit einen schärferen, realistischeren Eindruck liefert.

Aber auf Grund dieses Hyperrealismus ist "Der Hobbit" - vor allem in der ersten Hälfte - so kalt wie ein toter Fisch. Da ist es, ich habe es wirklich geschrieben!

Heimvideo-Style

Schon in den ersten 48 Bildern in einer Sekunde hat der Film den leblosen Charme eines Heimvideos. Der alte Bilbo schickt sich an, sein Abenteuer mit den Zwergen aufzuschreiben. Aber wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, den als Hobbit verkleideten Menschen zu enttarnen, seine gekämmten Augenbrauen zu zählen und die Make-Up-Ränder zu suchen, als auf die Worte zu achten. Was Jackson offensichtlich damit auszugleichen versucht, dass verdammt viel geredet wird, so als müsse jedes Komma des Tolkien-Textes Erwähnung finden. Vielleicht braucht er deshalb ganze drei Stunden für die "Unerwartete Reise", den ersten Teil der "Hobbit"-Trilogie. Doch zurück zu Bilbos erster Szene im Auenland: Jedes Detail der Hobbithöhle, die irgendwie nach Partykeller aussieht, drängt nach vorn. Telenovela denkt man, Reality-TV, manchmal auch schlechtes Theater, auf jeden Fall aber Überreizung. Schon in dieser Sequenz offenbart sich das gravierende Problem des "Hobbit": Er ist so realistisch, dass ihm jede eskapistische Wärme abgeht. Und für die gehen wir doch eigentlich ins Kino.

Statt des Impressionismus der Elbenstadt Rivendell, die in "Der Herr der Ringe" noch zwischen gewaltigen, atemberaubenden Wasserfällen und warmen Flüssen goldenen Lichts im Berg nistete, gibt es nun die neue Sachlichkeit. Da ereilt einen ziemlich großen Wasserfall das gleiche Schicksal wie alle anderen Reisevideo-Aufreger: Man hätte wohl selbst da sein müssen. Auf der Suche nach dem ultimativen Realismus ist die Poesie der Bilder verloren gegangen zu sein. Und wer, wenn nicht Hobbits, Elben und Zwerge brauchen eben die - wie die Luft zum Atmen.

Fake und Falten

Deshalb berührt dieser Film auch so wenig. Der Raum für die eigene Fantasie, in dem wir normalerweise die Brücke in die Filmrealität zimmern, ist zugemüllt mit überflüssiger Information. Dank der permanenten Lupenfunktion hat sogar Cate Blanchetts Elbenkönigin Galadriel Falten um die Augen und am Rücken glänzen ein paar einzelne Plastikhaare, die der Lockenperücke entkommen sind. Und, ganz ehrlich, Bilbos Hobbit-Füße sehen billig aus. Dabei würde ich doch so gern daran glauben, dass sie echt sind. Immer wieder erinnert der Film daran, dass er ein Film ist. Was bleibt, ist das Bewundern der technischen Möglichkeiten, in denen sich das Team Jackson ganz offensichtlich verloren hat.

Richtig gut ist "Der Hobbit" nur, wenn es dreckig wird: Wenn Berge sich erheben und zu Hooligans werden. Wenn Orkhorden durch die Unterwelt krauchen, wenn Wargen-Wölfe über Bergkämme jagen. Die Ungeheuerei macht sich genauso gut wie im "Herrn der Ringe", allerdings verliert man im aktuellen Gewusel wegen des noch die letzte Orkwarze erhaschenden Fokus zuweilen den Überblick, und die Vergrößerungsglas-scharfe Aufnahmen von Hautkrankheiten wie beim Ork-König Goblin sind nicht jedermans Sache. Ähnliches gilt für Gollums Hautschuppen.

Als Filmemacher habe er die Verantwortung, das Kinoerlebnis mit der heute zur Verfügung stehenden Technologie zu verbessern, hat Peter Jackson im Interview mit stern.de gesagt. Offenbar hat er dabei aber vergessen, dass es vor allem darum geht, Geschichten gut und kurzweilig zu erzählen. Und das ist ihm mit dem "Hobbit" einfach nicht gelungen. Leider.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools