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17. April 2008, 06:41 Uhr

Genre mit aller Gewalt

"Chiko" ist ein Gangsterfilm, mit dem der preisgekrönte deutsch-türkische Filmemacher Fatih Akin sein Debüt als Produzent gibt. Eine klassische Straßengeschichte von Drogen und Gewalt - die auch mit etwas weniger Blut ihrem Genre treu geblieben wäre. Von Bianca Kopsch

"Chiko" kommt am 17. April 2008 in die deutschen Kinos. In den Hauptrollen Moritz Bleibtreu und Denis Moschitto© Falcom

Harte Jungs, sexy Miezen, schnelle Autos, Koks, Macht und Gewalt: Hier geht es um Respekt. Durchgesetzt mit Faustrecht. Der türkische Drogendealer Chiko lässt keine Gelegenheit aus, sich mit physischer Brutalität, begleitet von derben Sprüchen, einen respektablen Platz im Drogenmilieu der Hamburger Vorstadt zu erkämpfen: "Jetzt hör mal gut zu, Digger: Du bist raus! Hast Du verstanden, Aldder?!" droht er einem konkurrierenden Dealer, nachdem er ihn überwältigt hat. "Sag Deinem Chef: Chiko macht jetzt den Job!" Zur Erinnerung hält er ihm seinen Unterarm vor die blutende Nase, in den mit fetten Buchstaben sein Name eintätowiert ist. Ein klare Ansage.

Mit Skrupellosigkeit und Ehrgeiz schafft es Chiko bis ganz nach oben: vom kleinen Grasdealer bis zum großen Kokainhändler. Schicke Wohnung, teure Klamotten, weißer Mercedes mit goldenen Radkappen und fesche Geliebte inklusive. Die Geschichte ist soweit nichts Neues, die Klischees sind die altbekannten. Ein Aufstieg wie im klassischen Gangsterfilm, der auch hier vor dem unvermeidlichen Fall kommt.

Irgendwann sind alle Hindernisse überwunden, bis auf eines: Chikos bester Freund. Chiko und Tibet sind gemeinsam aufgewachsen, sie sind wie Brüder. Doch Tibets hitziges Temperament hat Chiko schon viel Ärger eingebracht - und bringt ihn schließlich zu Fall. Es ist der genretypische Konflikt zwischen Ehre und Ehrgeiz, zwischen sozialem Gewissen Freunden und Familie gegenüber und der Gewissheit, nur alleine an der Spitze bestehen zu können. So kommt eine Spirale der Gewalt in Gang, bei der viel Blut fließt. Zu viel.

Auch Kriminelle sehnen sich nach Bürgerlichkeit

Die zahlreichen, ausgedehnten und expliziten Gewaltszenen lenken von etwas ab, das diesen Film auf jeden Fall zu etwas Besonderem macht: Viele der Darsteller und der Crew-Mitglieder haben türkische Wurzeln. Der bekannteste Name auf der Besetzungsliste ist allerdings ein deutscher: Moritz Bleibtreu geht in seiner Rolle als knallharter Drogenboss "Brownie" mit Doppelleben als liebevoller Familienvater sichtlich auf. Den Gegensatz innerhalb seiner Filmfigur findet er nicht nur schauspielerisch reizvoll, sondern auch dramaturgisch überzeugend: "Egal wie kriminell jemand ist", erklärt er im Interview mit stern.de: "Jeder Mensch auf der Erde sehnt sich nach Bürgerlichkeit! Auch alle, die im kriminellen Milieu tätig sind, wollen im tiefsten Herzen ein ganz bürgerliches Leben führen."

Den Slang der Straße noch im Ohr

Chiko-Darsteller Denis Moschitto hat die Wandlung vom Komödienschauspieler, bekannt aus "Kebab Connection" (2004) und "Süperseks" (2004), hin zum brutalen Gangster glaubwürdig vollzogen. Das könnte an seinem persönlichen Hintergrund liegen: Er selbst ist in einem Kölner Arbeiterviertel aufgewachsen, einem sogenannten Problembezirk. Den Slang der Straße hat er noch im Ohr, sagt er, das aufgesetzte, machohafte Gebaren im Vorstadtghetto noch gut im Gedächtnis: "Ich konnte diese Leute früher selbst beobachten", antwortet er auf die Frage, ob es ihm schwergefallen sei, sich in das Drogen- und Gewaltmilieu hineinzuversetzen.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
endbenutzer (17.04.2008, 14:04 Uhr)
He da!
Türkische Mitbürger dürfen doch nicht als Drogendealer dargestellt werden. Wo kommen wir denn da hin. Am Ende glaubt jeder, das wäre normal. Dieser deutsch-türkische Regisseur hat sie wohl nicht mehr alle..
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