7. April 2011, 08:50 Uhr

Der etwas andere Rocky

Weniger Pathos und noch mehr Familienbande zeigt das Oscar-gekrönte Boxerdrama "The Fighter". Ein Mann schlägt sich durch. Mark Wahlberg und Christian Bale geben alles.

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Mark Wahlberg (li) spielt den erfolglosen Boxer Micky, Christian Bale seinen Bruder©

Ein erfolgloser Boxer kämpft sich raus aus seinem traurigen Alltag, schafft es von ganz unten nach ganz oben und findet dabei seine große Liebe - eine Heldenstory, wie sie sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können. Doch der triumphale Aufstieg des Boxweltmeisters Micky Ward in dem Drama "The Fighter" ist kein fiktiver Filmstoff, sondern eine wahre Geschichte.

Neben Mark Wahlberg ("Departed - Unter Feinden") in der Hauptrolle brillieren Melissa Leo ("Frozen River") als herrisch-prollige Mutter und Christian Bale ("The Dark Knight") als drogenabhängiger Halbruder. Für ihre Nebenrollen wurden beide mit dem Oscar ausgezeichnet.

Zwischen Boxring und Crackhölle

Ein klassischer Boxfilm wie "Rocky" ist "The Fighter" nicht geworden. Das Boxen steht bei Regisseur David Russell ("Three Kings") nur an zweiter Stelle. Vielmehr geht es um die ebenso innige wie aufwühlende Beziehung zwischen Micky und seinem älteren Halbbruder Dicky Eklund (Bale), die durch dessen Drogensucht auf die Zerreißprobe gestellt wird.

Während Dicky eine Boxlegende ist, hat es der introvertierte Micky aus dem Provinznest Lowell unweit von Boston nie herausgeschafft. Seine Tochter darf er nur einmal in der Woche besuchen und für seinen Lebensunterhalt pflastert er Straßen. Der warmherzige Dicky ist für das Training des talentierten Boxers zuständig, er ist allerdings cracksüchtig und landet schließlich im Gefängnis. Alice (Leo), die Mutter der beiden, versucht derweil vergebens, lukrative Kämpfe für ihren Sohn zu organisieren.

Nicht ohne meine Familie

Micky muss schmerzhafte Niederlagen einstecken, doch mit Hilfe seiner neuen Liebe Charlene (Amy Adams) bäumt sich der willensstarke Underdog-Boxer auf und startet einen letzten Versuch, in die Weltspitze vorzustoßen - allerdings ohne Mutter und Bruder. Mit seinem Alleingang droht Micky die verratene Familie zu verlieren und muss schließlich erkennen, wie sehr er seinen Clan für den großen Triumph braucht.

"The Fighter" ist schonungslos und realitätsnah in seinen Bildern, fernab vom Hollywoodschen Hochglanz und mit authentischen Charakteren. Vor allem Bale überzeugt als ausgemergelter und überdrehter Junkie Dicky, der von seiner ruhmreichen Boxer-Vergangenheit zehrt und mit der Drogensucht kämpft. Zugleich ist die Geschichte fesselnd und bewegend, die vom unzerstörbaren Familienzusammenhalt und der Beharrlichkeit eines leidenschaftlichen Boxers erzählt, der niemals aufgibt.

Von Arne Meyer, DPA
 
 
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