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7. April 2006, 11:41 Uhr

Mit Leckerli zum Meisterdieb

Wie bringt man ein Äffchen dazu, eine Kette zu klauen? Mit Gummibärchen und Nüssen lernen Affen, Hunde, Pferde und ein Löwenbaby unglaubliche Tricks. In der Filmtierschule werden sie zu Stars.

Filmtierausbilder Gerhard Harsch gibt der kleinen Löwin Worani die Flasche© Nestor Bachmann/DPA

Wenn Jeanny auf Diebestour geht, bekommt sie als Belohnung Gummibärchen und Erdnüsse. Genau wie ihre Kollegen lässt sie sich ihre Arbeit mit Naturalien honorieren. Jeanny ist ein Pavian und wird in der Filmtierschule Harsch in Sieversdorf (Brandenburg) für Auftritte vor der Kamera ausgebildet. Nach Angaben der Besitzer und Trainer Astrid und Gerhard Harsch leben in dem Waldstück etwa 200 Tiere, die für Werbespots, Kino- und Fernsehfilme, Serien und Musikvideos engagiert werden.

Auch ein Löwenbaby

Auf 5000 Quadratmetern sind zahlreiche Tierarten vertreten. Der Bestand reicht von der Hauskatze bis zum ausgewachsenen Löwen, der in einem runden Käfig neben dem Tiger und den Pferden untergebracht ist. Im Haus - einem ehemaligen Kita-Gebäude - leben unter anderem Reptilien, Vögel, Hunde und ein wenige Wochen altes Löwenbaby. "Laut EU-Richtlinie sind wir ein Zoo", sagt Astrid Harsch. Allerdings keiner, in dem Besucher unbegrenzt ein- und ausgehen könnten. Die Filmtierschule in Sieversdorf ist den Angaben zufolge auf Wildtiere spezialisiert und auf diesem Gebiet die größte in Deutschland.

Kürzlich sei ein in Sieversdorf trainierter Hund in dem Berlinale- Streifen "Der rote Kakadu" zu sehen gewesen, in dem der Vierbeiner zur Zeit des Mauerbaus in den Westen laufe. Kater Siegfried habe jüngst mit Heiner Lauterbach vor der Kamera gestanden. Häufig werden die Tiere für Arzt- und Kinderserien oder den Tatort gebucht, außerdem sind sie bei Shows im Filmpark Babelsberg zu sehen.

Gerhard Harsch beobachtet seinen Pavian, wie er eine "geklaute" Brieftasche durchsucht© Nestor Bachmann/DPA

Nicht jeder Hund taugt zum Seienstar

"Nicht jeder Schauspieler kommt beim Drehen mit den Tieren zurecht", betonen die Trainer. "Dann führt beispielsweise ein Double den Hund an der Leine." Manchmal trage ein Darsteller aus Sicherheitsgründen ein Leder-T-Shirt unter der Kleidung, so dass keine Kratzer auf der Haut entstehen können. "Tiertrainer ist kein Lehrberuf", sagt Gerhard Harsch. Wichtig sei viel Fingerspitzengefühl. Genau wie seine Frau habe er sein Leben lang Tiere großgezogen und dabei ihr Verhalten studiert, um zu erfahren, was ihnen vor der Kamera zugemutet werden dürfe.

"Wir können schließlich nicht jede Hunderasse zum Serienstar machen", erklärt Astrid Harsch. Das Drehen funktioniere nur mit Tieren, für die es keinen Stress bedeute, im Mittelpunkt zu stehen. "Wir üben keinen Zwang aus", sagt Astrid Harsch. Vielmehr werde das Belohnungsprinzip angewandt. Auf der Rückseite des Halsschmucks etwa, den Pavian Jeanny einer Schauspielerin stehlen sollte, sei ein Gummibärchen versteckt gewesen. "Affen sind eben hoch intelligent", meint Gerhard Harsch.

Vorführungen für Besucher

Die Vogelgrippe ist auch ein Thema für die Tiertrainer. "Unser Federvieh werden wir in den Shows in Babelsberg vorsichtshalber nicht einsetzen", sagt Astrid Harsch. Mit dem Tiertraining haben Astrid und Gerhard Harsch vor 20 Jahren in München begonnen und sind 2001 vor allem wegen der Nähe zu Babelsberg nach Brandenburg gezogen. Probleme hat es aus Sicht des Ordnungs- und Veterinäramtes seitdem nicht gegeben. Die Tiere sind nicht nur in Potsdam, sondern auch in Sieversdorf zu sehen. "Als Zoo haben wir einen Lehrauftrag zu erfüllen", erklärt Astrid Harsch. Daher würden Schulklassen und anderen Besuchern Seminare und Vorführungen bis Ende Oktober jeden Sonntag ab 13.30 Uhr und nach Vereinbarung angeboten. Filmtierschule

Leticia Witte/DPA
 
 
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