"Andere haben begonnen, an mich zu glauben"

30. Dezember 2006, 10:21 Uhr

Im deutschen Kino ist er der Mann des Jahres: Florian Henckel von Donnersmarck gewann mit seinem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" gleich mehrere Filmpreise. Im Interview spricht der Regisseur über das vergangene Jahr und seine neu gewonnene Perspektive.

Der "Deutsche Filmpreis" blieb nicht seine einzige Auszeichnung: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck©

Was war die wichtigste Erfahrung des Jahres für Sie?

2006 war für mich das Jahr, in dem auch die anderen begonnen haben, ein bisschen an mich zu glauben. Bis 2005 inklusive hatte ich ja wirklich nur das Vertrauen und den Respekt einer winzigen Gruppe, nämlich der paar Leute, die den deutschen Kurzfilm verfolgen. Allen anderen musste ich immer erklären, wer ich bin, und warum ich so vermessen bin, zu denken, dass man mir für meine Geschichten Geld geben sollte.

Dann haben sich durch den Erfolg Ihre Arbeitsbedingungen grundsätzlich verändert?

Das Verrückte am Filmemachen ist ja, dass man den anderen etwas verkaufen muss, was nur man selber visualisieren kann. Man zwingt sie sozusagen, eine fiktive Katze in einem noch fiktiveren Sack zu kaufen. Bei einem nächsten Projekt würde man mir jetzt vermutlich erst einmal glauben, wenn ich sage, dass es eine interessante Katze ist.

Haben Sie das Gefühl, auch etwas in der politischen Diskussion um die Stasi und ihre Opfer bewegt zu haben?

Ich hoffe, dass es ein bisschen weiter geht, und dass sich Menschen nach dem Film ganz generell Gedanken machen über den Missbrauch von Macht. Das, wofür die Stasi in meinem Film steht, gab es und gibt es überall, wo es Macht gibt in Schulen, in Firmen, Familien.

2006 war insgesamt ein gutes Jahr für den deutschen Film. Woran lag das?

Ich glaube, der jüngste Erfolg des deutschen Films hat damit zu tun, dass der deutsche Film auch im Ausland auf mehr Interesse stößt. Das stärkt auch hier den Glauben an heimische Filme. Und dass das Ausland so viel stärker auf deutsche Filme schaut, hat sicherlich auch damit zu tun, dass Dieter Kosslick bei der Berlinale mit großem Selbstbewusstsein auf deutsche Filme setzt. Unser Selbstbewusstsein beeinflusst das Ausland. Und deren Anerkennung beeinflusst wiederum uns. Ein Engelskreis!

Blieb Ihnen bei all dem Wirbel um Ihren Film und Ihre Produktion überhaupt noch Zeit für nächste Projekte?

Ich kann nur in sehr großer Ruhe schreiben und Ideen entwickeln. Die erste Fassung zu "Das Leben der Anderen" habe ich im Kloster in einer Zelle zu Papier gebracht. Wahrscheinlich werde ich erst im Mai 2007 wieder in diese Klausur zurückkehren können, weil ich bis dahin international mit dem Film unterwegs bin, auf Festivals und Treffen mit Presse-Vertretern der jeweiligen Länder, in denen der Film herauskommt.

Könnte Sie "Hollywood" locken, falls Ihr Film auch bei den Oscar-Nominierungen berücksichtigt wird?

Das ist doch nicht abhängig von einer Oscar-Nominierung! Letztendlich geht es mir beim Film darum, Menschen zu berühren, und ihnen Geschichten zu erzählen, die sie über die Welt, mit all ihren Abgründen und Höhen, wieder staunen lassen. Das kann man in Deutschland ebenso gut wie in Hollywood, in Hollywood aber auch ebenso gut wie in Deutschland. Wo mein nächster Film angesiedelt ist, wird einfach von dem Stoff abhängen, den die Filmmuse mir in die Computertastatur diktiert.

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