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10. August 2004, 18:55 Uhr

Die Fremdgeherin

Und wieder hat sie in Amerika gedreht: Deutschlands Export-Wunder Franka Potente spielt die Hauptrolle in einem Actionfilm - und zeigt Hollywood mal eine ganz andere Heldin.

Zoom

Rollenspiele in Hollywood: Franka Potente beim Foto-Shooting© Phillip Dixon

Von Irmgard Hochreither und Phillip Dixon (Fotos)

Zwei dunkle Haarschwänzchen mit tizianroten Strähnen drin stehen vorwitzig vom Kopf ab. Das Gesicht ungeschminkt, die 1,74 Meter verpackt in Jeans und T-Shirt. Etwas geschafft, aber bester Laune hockt unser Hollywood-Star aus Dülmen im Münsterland in der Suite des Four-Seasons-Hotels in Beverly Hills - auf dem Fußboden. Irgendwie passt das zu Franka Potente. Auf dem Teppich bleiben, nur nicht abheben bei diesem ganzen Star-Düdeldü. Und einen Regelverstoß erlaubt sich die Heldin des neuen US-Hits »Die Bourne Identität«: Sie raucht. In der Rauchfrei-Region Kalifornien ist das etwa so, als würde man ins Premieren-Büfett kotzen. »Ich bin Ausländerin, ich weiß davon nix«, sagt Miss Potente, grinst und angelt sich noch eine Fluppe aus der Packung.

»Gestern«, stöhnt sie, »war voll krass. Da wurden 80 Journalisten im Vier-Minuten-Takt durchgenudelt. Du laberst dir die Batterie leer und hast im Endeffekt nix gesagt.« Dann schnell aufrüschen und mit Filmpartner Matt Damon zu den MTV-Movie-Awards, roter Teppich, kreischende Fans, Preisverleihung, Party-Bla-Bla. Und immer lächeln, auch wenn man nur noch ins Bett möchte. Harte Arbeit für eine, die zum Glamour-Girl so wenig taugt. Franka Potente ist weder oberflächlich noch gierig genug, um solchen Auftrieb um ihre Person zu genießen. Also nimmt sie es sportlich: So ist das eben, wenn man neben einem Oscar-Preisträger die Hauptrolle in einer 60 Millionen Dollar teuren Hollywood-Produktion übernommen hat.

Franka Potente kennt das Spiel bereits aus dem vergangenen Jahr. Da hatte sie einen Kurzauftritt im Kokser-Drama »Blow« und musste danach mehrere hundert Mal die weltbewegende Frage beantworten: Wie küsst Johnny Depp? Seither wissen wir, dass sie vor dem ersten Lippenkontakt ein Wasserglas mit Underberg gekippt hat. Jetzt erfahren wir, dass der Magenbitter-Trick auch für die Kuss-Szenen mit Matt Damon gewirkt hat. Manchmal möchte man Franka Potente knutschen für ihre saloppe Art. Als ein Journalist sie auf eine Diät und das angeblich zu dicke Hinterteil ansprach, konterte sie: »Dass Matt Damon sich mal in eine Frau mit meinem Hintern verlieben durfte - die ganze Welt ist dankbar dafür.«

Wie goldrichtig die 28-Jährige mit dieser Einschätzung lag, lässt sich auch an Zahlen ablesen. Der Agenten-Thriller hat in Amerika bereits mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt (Deutschlandstart: 26. September). Mittlerweile liegen Interview-Anfragen aus aller Welt vor. Die Karriere der Franka Potente ist geradezu explodiert. Eben noch galt das Run-Lola-Run-Fräuleinwunder als Kinohoffnung, jetzt ist die Zukunft plötzlich Gegenwart. Bislang hat die Deutsche nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie keine Lust hat, in Los Angeles zu leben (»Diese Stadt macht mich depressiv«) - jetzt spielt sie mit dem Gedanken, sich eine Wohnung in L.A. zu nehmen.

Irgendwie erinnert Franka Potente ein wenig an Goethes Zauberlehrling, der die Besen, die er rief, nicht mehr loswird. Was tun gegen die magischen Kräfte? Als es um die Besetzung von »Die Bourne Identität« ging, war die Deutsche eigentlich wieder nur für eine Nebenrolle vorgesehen. Aber sie ließ dem Studio selbstbewusst ausrichten: »Entweder die Hauptrolle, oder ich mache gar nicht mit.« Gut gepokert. Einerseits. Auf der anderen Seite gibt sie zu, »dass mich Actionfilme eigentlich null interessieren, dieses Geballere geht mir auf die Nerven. Und bevor alles in die Luft fliegt, lassen die Helden ein paar Witzchen los. Dann geht voll die Action ab, und ich sitze nur da und frage mich: Hä? Wenn Frauen mitspielen, sind sie meist nur Dekoration«.

Kommt hinzu, dass sie die Hauptrolle in einem Actionfilm mit äußerst verstiegener Handlung übernommen hat. Es geht um den CIA-Agenten Bourne (Matt Damon), der aus dem Mittelmeer gefischt wird - ohne Geld, ohne Papiere, ohne Erinnerung, dafür mit mehreren Kugeln im Rücken und einem tätowierten Zahlencode für ein Schweizer Nummernkonto. Dem Mann bleibt nichts übrig, als sich auf die - natürlich lebensgefährliche - Suche nach der eigenen Identität zu machen. Dabei läuft ihm Marie über den Weg, die auf Selbstfindungstrip durch Europa vagabundiert. Es wird gefightet, geballert, getötet nach allen Regeln der High-Tech-Kunst und mit vollem Mucki-Einsatz des gestressten Helden, der nichts dafür kann, dass er so harmlos wirkt wie der Teenie-Schwarm aus einer Boy-Group. Er mimt den Anti-helden - okay. Aber muss der unbedingt den Charme von Mamas Liebling verströmen?

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