. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. September 2007, 16:21 Uhr

Pantomime Marcel Marceau gestorben

Frankreich trauert um einen seiner berühmtesten Künstler: Marcel Marceau. Mit 84 Jahren ist der legendäre Pantomime am Samstag gestorben. Jahrzehntelang hatte er als tragikomischer, weißgeschminkter "Monsieur Bip" das Publikum verzaubert.

Der berühmte französische Pantomime starb im Alter von 84 Jahren© Alejandro Ernesto/DPA

Der weltweit erfolgreiche französische Pantomime Marcel Marceau ist im Alter von 84 Jahren in Paris gestorben. Als weiß geschminkter Clown Bip, mit roter Blume im Hut und schwarz-weißem Ringelhemd eroberte Marceau die Herzen der Menschen. Er galt als einer der berühmtesten Pantomimen der Gegenwart und wurde oft als "Charlie Chaplin der Mimen" bezeichnet. Wie sein langjähriger Assistent Emmanuel Vacca am Sonntag im Radiosender France-Info mitteilte, starb Marceau bereits am Samstag.

"Stilles Theater"

Marceau feierte in seiner sechs Jahrzehnte währenden Karriere weltweit Erfolge. Nur mit dem Spiel seines Gesichtsausdrucks und den Gesten seines Körpers vermochte er ganze Stücke aufzuführen: Die Charaktere, die er spielte, schienen greifbar auf der Bühne zu stehen. "Stilles Theater" nannte er das. "Ich wollte das Mimodrama als eigenständige Gattung der Schauspielkunst etablieren", erklärte der Künstler anlässlich eines Auftritts in der Staatsoper unter den Linden in Berlin 2001.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründete er die erste Pantomimengruppe Europas. Im Alleingang belebte er diese Kunstform wieder: "Ich habe das Gefühl, dass ich für die Pantomime das getan habe, was (Andres) Segovia für die Gitarre und was (Pablo) Casals für das Cello getan hat", sagte er in einem seiner letzten Interviews.

Paraderolle als Clown Bip

Mit dem von ihm geschaffenen Clown Bip schlüpfte er in alle denkbaren Rollen: er war Staatsanwalt, Richter, Schmetterlingsfänger oder auch Vermittler einer Heiratsagentur. Marceau beschrieb Bip als sein Alter Ego: Ein Clown mit traurigem Gesicht, der die Augen beim Entdecken mit kindlicher Begeisterung weit aufriss. Obwohl Marceau Bip als Nachfolger des Harlekins des 19. Jahrhunderts sah, waren seine clownhaften Gesten eher von Charlie Chaplin inspiriert, wie der Künstler erklärte.

Marceau brachte es im Laufe seiner Karriere auf über 15.000 Vorstellungen© Alejandro Mejias/DPA

Auch im Rentenalter wollte sich Marceau nicht zur Ruhe setzen, sondern spielte weiter den Clown Bib, als Don Quijote "allein in einer instabilen Welt voller Ungerechtigkeiten und Schönheit". Mit 81 Jahren ging er noch einmal erfolgreich auf Tournee durch sieben Städte in Deutschland und Österreich. Bis dahin brachte er es auf rund 15.000 Vorstellungen in über 90 Ländern. "Das Theater ist überall in der Welt zu weit vom Physischen abgekommen. Sie geben Worte statt Körper. Ich erzähle einfach von den allereinfachsten Dingen: von Liebe, Trauer, Glück, Fröhlichkeit, Alter und Tod. Ich gebe den Leuten im Theater wieder einen Helden - Bip -, in den jeder einzelne sich selbst hineinzudenken vermag. C’est tout!", erklärte Marceau.

"Immer Anti-Nazi, aber nie antideutsch"

Nach seiner ersten Europatournee 1947 gründete er die "Compagnie de Mimes Marcel Marceau", die weltweit insgesamt 26 sogenannte Mimodramen, darunter zum Beispiel "Der Mantel" (nach Gogol), aufführte. 1951 tourte er - trotz Anfeindungen - erstmals durch Deutschland und wurde zum Star der Berliner Festwochen. "Ich war immer Anti-Nazi, aber nie antideutsch", erklärte der Künstler damals in fließendem Deutsch. Marceau wurde am 22. März 1923 als Sohn eines jüdischen Metzgers im elsässischen Straßburg geboren, sein bürgerlicher Name war Marcel Mangel. Nach der Deportation seines Vaters nach Auschwitz 1942 schloss er sich der französischen Résistance an. Marceau stand als Name in dem gefälschen Pass, der ihm während der deutschen Besetzung das Leben rettete.

Nach der Auflösung seiner Pantomimentruppe 1964 setzte er seine glanzvolle Karriere mit Soloauftritten fort. Bis 1967 unternahm er allein zehn Tourneen durch die Bundesrepublik, in der er jedes Mal begeistert empfangen wurde. "Seit 1951 spiele ich auf deutschen Bühnen, hier hatte ich meine größten Erfolge", erklärte er vor dem Auftritt in Berlin 2001. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Marceau auch das Bundesverdienstkreuz. Um die Fortsetzung der künstlerischen Pantomime zu sichern, gründete er 1978 in Paris die "Ecole International du Mimodrame Marcel Marceau", in der seither rund 40 Studenten zwei Jahre lang nicht nur in Pantomime, sondern auch in klassischem Tanz, Fechten und Drama ausgebildet werden und dem Meister nacheifern.

Gabe der grenzenlosen Kommunikation

In Frankreich löste die Nachricht von Marceaus Tod Bestürzung aus. Premierminister François Fillon sagte, seine "Geschichten ohne Worte" hätten dem Künstler eine seltene Gabe verliehen: Grenzenlos mit jedermann kommunizieren zu können. "Er war ein mysteriöser Mann", sagte der Journalist und Schriftsteller Jacques Chancel dem Radiosender "France Info". "Er hatte in der Stille das Wort. Er sprach ohne Worte - und es gibt so viele Menschen, die sprechen, ohne etwas zu sagen."

Angela Doland/AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Dav32 (23.09.2007, 20:09 Uhr)
Eine Welt geht unter...
... ein grosser Schlag für die Pantominmenszene
herdubreid (23.09.2007, 18:27 Uhr)
Er war ein wunderbarer Pantomime...
Dieser Mensch konnte mit seiner Kunst mehr Gefühle ausdrücken als die meisten mit vielen Worten. Noch auf seiner lezten Tournee durfte ich ihn erleben....unübertroffen.
Carmen_Kreutzer (23.09.2007, 17:26 Uhr)
Marcel Marceau sicherte den Erhalt der Pantomime
Ein erfülltes Leben und eine erfüllte Karriere:
Marcel Marceau ist tot! Er hatte das unendliche Glück, unter Mithilfe seiner Schüler der Pantomime bis ins hohe Alter ein Denkmal setzen zu Können!
Nun sollte man sich auf seine Schüler besinnen, die er selbst mit dem hohen Anspruch seines Diploms ehrte: in Deutschland sind dies der Dipl. Pantomime JOMI und das Théâtre Mimomagique! Sie kämpfen für den Erhalt und das Niveau der klassischen Pantomime im Sinne Marceaus, entwickeln sie weiter und regen in dieser lauten, schnellen und hektischen Welt kritisch und oft auch parodistisch zum stillen Innehalten und Nachdenken an.
Chapeau Marceau, und nun Chapeau seinen Schülern, wie dem Pantomimen JOMI
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft