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28. Februar 2003, 16:40 Uhr

Ein Leben voller Schmerz und Lust

Eigentlich war die Diva mit dem Damenbart ein armes Ding. Der Körper kaputt von Unfällen, Krankheit und Drogen, die Seele ständig wund von übergroßer Liebe. Kein Wunder, dass Hollywood ihr ein opulentes Denkmal widmet.

Salma Hayek spielt die Künstlerin als vitale Frau© Buena Vista

Tragödien sind albern. "Wenn man solche Schmerzen hat, wird man depressiv, verlässt das Bett nicht mehr, wäscht sich nicht mehr. Aber sie", sagt Salma Hayek, "sie stand auf, schmückte ihren zerstörten Körper, dachte Stunden darüber nach, welche Schuhe zu den Bändern und Blumen in ihrem Haar passten. Und dann ging sie nicht etwa zu einer Party, sondern auf den Markt, kaufte ein, kochte, sie hatte Spaß daran zu kochen, und trank und rauchte und sang und feierte ..."

In ihrem Tagebuch hatte Frida Kahlo, fast programmatisch, notiert: "Nichts ist fürs Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen etwas völlig Albernes." Ihr Leben bot Stoff für mehrere Tragödien, seit sie - Frida "Hinkebein", als Kind an Polio erkrankt - bei einem Busunglück fast zu Tode gekommen wäre, durchbohrt von einer Eisenstange, die in der Vagina wieder austrat. Das rechte Bein war elfmal gebrochen, die Wirbelsäule verletzt, der Fuß zermalmt, ihr Becken zerschmettert.

Monatelang und danach immer wieder muss sie liegen, wird in Gips- und Metallkorsette gepresst, an Flaschenzügen aufgehängt, wird operiert, vielleicht 35-mal in ihrem Leben. Damals, mit 18, hat sie begonnen zu malen. Vor dem Unfall wollte sie Medizin studieren, auf ihren Bildern seziert sie den eigenen Körper, ihre verwundete Seele; das rettet sie. Und führt zu der zweiten Katastrophe ihres Lebens, dem Zusammenstoß mit Diego Rivera.

Rivera ist der berühmteste Maler Mexikos, dessen kolossale Revolutionsfresken auch in Moskau und Paris gefeiert werden; sie hatte ihn um ein Urteil über ihre Bilder gebeten, so geht die Legende. 1929 heiratet sie den Mann, der fast doppelt so alt ist wie sie, dreimal so schwer, ein Gargantua, von unersättlichem Appetit auf Frauen. Von diesem Liebesunfall wird sie sich nie mehr erholen: 25 Jahre lang währt die heillose Symbiose zwischen dem Elefanten und der Taube, bis zu ihrem Tod.

Das Weihespiel ihres Nachruhms begann in den Achtzigern, fast 30 Jahre danach. Ihre Bilder, der Kunstgeschichte bis dahin kaum mehr als eine Fußnote wert, diese so intimen wie abweisenden Werke, "beißend und zart", wie Rivera sie nannte, "liebenswürdig wie ein Lächeln und tief grausam wie die Bitternis des Lebens" - sie werden zu Höchstsummen gehandelt: als gemalte Autobiografie. Die Frau, die unter den bauschigen Röcken ihrer Tijuana-Tracht ihr verkrüppeltes Bein verbarg, wurde zur Heldin feministischer Folklore, in ihren Schmerzen glaubte man jedes Wehwehchen leidender Weiblichkeit widerspiegeln zu können.

Sie wurde, weil sie auch noch bisexuell und Kommunistin war, zur Ikone all der Verdammten dieser Erde. Mehr als 100 Bücher sind über sie erschienen, ihre Geschichte wurde vertont, dramatisiert und sogar getanzt, der Modemacher Jean-Paul Gaultier widmete ihr eine Kollektion, Madonna hängte sich ihr Bild "Meine Geburt" übers Bett, und von Postern und Postkarten durchbohrt ihr Blick unter dem schwarzen Augenbrauenbalken heute noch die Töchter und Enkelinnen bewegter Frauen. Im Internet wird sie gar als Göttin verehrt: "Kahloisten haben einen Dress-Code", lautet das erste Gebot, "erlaubt ist nur Kleidung, die sehr sexy und originell ist." Aber wie immer reduziert das Leben diejenigen, die es überlebensgroß werden ließ, am Ende auf das Format einer Briefmarke: zu 34 Cent in den USA.

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