Nach 19 Jahren peitscht er wieder über die Kinoleinwände: der abenteuerlustige Archäologe Indiana Jones. Das "Dreamteam" ist komplett dabei: Steven Spielberg als Regisseur und die Produzentenlegende George Lucas. Der kramt für stern.de in seinen Erinnerungen und verrät, wie Harrison Ford die Hauptrolle fast nicht bekommen hätte. Von George Lucas

George Lucas, bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte, 2006 in Berlin© Bernd Settnik, DPA
Schwer zu sagen, warum Indy über einen derart langen Zeitraum so populär geblieben ist. Ich würde ja gerne behaupten, dass wir die Erfolgsformel irgendwo versteckt haben, aber das trifft leider nicht zu. Wir haben einfach die Filme gedreht, die wir selber gerne sehen wollten und hatten Spaß dabei, sie zu drehen.
"Jäger des verlorenen Schatzes" war von vorneherein auf Unterhaltung angelegt. Natürlich wollen alle Filme auf die eine oder andere Weise unterhalten, das ist mir klar. Aber bei "Jäger" stand die Unterhaltung ausdrücklich im Vordergrund, ein anderes Anliegen hatten wir gar nicht. Das Ganze sollte eine einzige große Achterbahnfahrt werden, mit Anklängen an die Serien der Dreißigerjahre - ein Riesending, mit Tempo und Witz.
Das geht schon damit los, wie der Film anfängt. Die Geschichte ist schon voll im Gange, und das Publikum muss zusehen, dass es hinterherkommt und an Bord springt, denn der Zug hat schon ziemlich Fahrt aufgenommen - und das war genau der Effekt den wir haben wollten. In Indys Welt ist immer Bewegung. Er hat schon einiges mitgemacht in seinem Leben und sieht immer so aus, als käme er gerade aus einem großen Abenteuer, als würde er nie langsam machen, um mal Luft zu holen.
Von dem Moment an, an dem wir ihm zum ersten Mal begegneten, war klar, dass Indy die Sorte Held war, für den so was normal war. Steven, Larry (Kasdan) und ich wollten, dass das Publikum ihm willig folgt in dunkle, Höhlen voller Spinnen und Sprengfallen und Was-weiß-ich. Warum er in diese Höhlen ging, spielte keine Rolle - entscheidend war, dass er da reinging - egal ob jemand mitging oder nicht. Wir wollten sein Selbstvertrauen rüberbringen und der Figur genug Selbstsicherheit mitgeben, dass die Zuschauer einigermaßen entspannt sein können und sich trotzdem ein bisschen aus dem Gleichgewicht gebracht fühlen.
Indy hatte außerdem das klassische Doppelleben des modernen Helden: eine "geheime Identität". Dr. Henry Jones Jr. ist eigentlich ein ganz normaler Typ - ein sanftmütiger College Professor mit Brille und Tweedmantel. Der sich aber bei Bedarf in einen abgerissenen, abenteuerlustigen Globetrotter verwandelt - und zu Indiana Jones wird. Er legt seine Brille weg, packt seinen Hut und seine Peitsche und verduftet in irgendwelche exotischen Länder. Das war genau unsere Vorstellung von Indy - eine Jedermann-Variante von James Bond.
Wir haben gleichsam eine Art kultureller Kurzformel benutzt, um Indy aus dieser Superhelden-Tradition heraus zu erschaffen und ihn dennoch zu erden, mit gewissen Schwächen, die ihn identifizierbar machen. Es sind diese Schwächen, die ihn auszeichnen, und es ist seine Verzweiflung, die Indy so witzig macht. Er ist ein großer Held, aber die meiste Zeit stolpert er nur durch die Gegend und versucht am Leben zu bleiben.
Und da kam Harrison ins Spiel. Er war perfekt für die Rolle. Zum einen, weil ihm die Rolle, nachdem wir seine Zusage hatten, im Grunde auf den Leib geschrieben wurde. Ich hatte natürlich schon zuvor mit ihm zusammen gearbeitet, bei "Krieg der Sterne" und "American Graffiti", und wir hatten uns dabei sehr gut verstanden. Ich wusste, dass ich für Indy einen ganz bestimmten Typen haben wollte und Harrison war haargenau dieser Typ.
Anfänglich sträubten wir uns sogar noch dagegen, schon wieder ihn zu nehmen - und das, obwohl er in vielerlei Hinsicht die Vorlage für Indy war. Ich hatte ihn schon zweimal eingesetzt und fand, wir sollten mal etwas Neues und Anderes versuchen. Aber letztlich siegte die Vernunft und wir entschieden uns für Harrison. Und natürlich hat er's großartig gemacht. Mehr noch: Er hatte es einfach drauf. Er sah, wohin Steven und ich mit der Figur wollten, und die Art, wie er Indy spielte, half uns die Figur noch besser zu konturieren. Harrison ist Indiana Jones, und als wir erstmal wussten, was für eine perfekte Besetzung er war, konnten wir uns ganz darauf konzentrieren, die Geschichte um ihn herum zu erzählen.
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Zur Person George Lucas, geboren am 14. Mai 1944 in Modesto, Kalifornien, USA, ist einer der einflussreichsten Produzenten in Hollywood. Seine erfolgreichsten Filmprojekte waren vor allem die Serien "Star Wars" und "Indiana Jones". Mit dem Studio für Tricktechnik "Industrial Light & Magic" und seiner Firma Lucasfilm ist der Erfinder des Kino-Qualitätsstandards THX auch ein erfolgreicher Geschäftsmann. Das Forbes Magazine taxierte Lucas' persönliches Vermögen im Jahr 2005 auf 3 Milliarden US-Dollar. Allein seine Star-Wars-Saga spielte weltweit über 4,3 Milliarden US-Dollar ein. 2005 erhielt er den Ehrenpreis der Filmfestspiele von Cannes für sein Lebenswerk und den "Life Achievement Award" des American Film Institute. Privat gilt Lucas, der mit Francis Ford Coppola eng befreundet ist, als sehr zurückhaltend.