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6. April 2006, 10:19 Uhr

Elegant und politisch brisant

In seiner zweiten Regiearbeit erzählt George Clooney die wahre Geschichte eines Fernsehjournalisten, der sich in den 50er Jahren mit dem Kommunistenjäger McCarthy anlegt. Parallelen zur Gegenwart sind durchaus beabsichtigt. Von Carsten Heidböhmer

Mit mutigen Beiträgen setzt sich Edward R. Murrow (r.) und sein Redaktionsteam (G. Clooney, l., und Robert Downey Jr.) gegen die Kommunistenjagd von Joseph McCarthy zur Wehr© Warner

George Clooney hat am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man zum öffentlichen Feind erklärt wird. Als er 2003 anlässlich der Berlinale in Europa weilte und an Friedensdemonstrationen in Berlin und London teilnahm, brachte sich das konservative Establishment gegen den als liberal bekannten Schauspieler in Stellung: Zurück in die USA wurde er öffentlich als "Verräter" bezeichnet und in Magazinen und auf Websites beschimpft.

Nicht zuletzt diese Erfahrung war es, die Clooney zu seiner zweiten Regiearbeit veranlasste. Für "Good Night, and Good Luck" ging er zurück in die Anfänge des Fernsehzeitalters, in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als der berüchtigte Senator Joseph McCarthy sein Unwesen trieb und mit einer beispiellosen Hatz jeden verfolgte, bei dem er sozialistische oder kommunistische "Umtriebe" vermutete.

Widerspruch gegen die Hexenjagd

Während das halbe Land vor McCarthys Hexenjagd zittert, bezieht der aufrechte Journalist Edward R. Murrow (David Strathairn) mutig Stellung und verteidigt die amerikanischen Freiheitsrechte gegen diese Kultur der Verdächtigung und der Denunziation.

Über weite Strecken spielt der Film in den CBS-Studios. Unterstützt von seinem engagierten Redaktionsteam und dem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) plant Murrow dort für das TV-Magazin "See it now" Beiträge, die bis heute Maßstäbe im Fernsehjournalismus gesetzt haben. Denn Murrow scheut vor keiner Wahrheit zurück.

McCarthy als Anti-Demokraten vorgeführt

So bringt er auch den Fall eines Marine-Piloten an die Öffentlichkeit, der vom Militär entlassen worden ist, weil er sich weigert, Schwester und Vater als Kommunisten zu denunzieren. Damit macht sich Murrow aber Joseph McCarthy persönlich zum Feind. Trotz heftigen Gegenwinds legt der TV-Journalist nach und führt McCarthy als paranoiden Lügner und gefährlichen Anti-Demokraten vor.

McCarthy kommt in geschickt montierten dokumentarischen Ausschnitten selbst zu Wort. Um einen ästhetischen Bruch zu vermeiden, hat Clooney den kompletten Film in Schwarzweiß gedreht. Die Handlung gewinnt dadurch an Authentizität - und verleiht dem Werk eine kühle Eleganz, die der Cool-Jazz-Soundtrack noch unterstreicht.

Hinweis auf die aktuelle Situation in den USA

Clooney geht es keineswegs um einen nostalgischen Blick zurück in die goldene Ära des Fernsehens. Er will vielmehr das Publikum für die politische und gesellschaftliche Situation in den USA seit dem 11. September sensibilisieren, wo Andersdenkende mit dem gleichen denunziatorischen Eifer als "unpatriotisch" gebrandmarkt werden, wie man sie damals als "Kommunisten" verurteilte. "Ich möchte auf diese Weise Leute daran erinnern, dass die Dinge, die damals Amerikanern widerfuhren, auch heute in ähnlicher Weise passieren", hat sich Clooney gegenüber der Zeitung "USA Today" geäußert.

Edward R. Murrow wird hier als Paradebeispiel für einen Mann mit Rückgrat und Zivilcourage präsentiert, und Clooney ermuntert mit seinem Film, auch heute den Mächtigen mit dem gleichen Engagement auf die Finger zu schauen. Der politische Wert des Filmes liegt darin, dass er den herrschenden Republikanern die Deutungsmacht über die "wahren" amerikanischen Werte streitig macht. Clooney und sein Mitautor Grant Heslov zeigen ein anderes Amerika, dessen Werte Demokratie und Meinungsfreiheit sind. Damit weist er dem derzeit visionslosen Lager der liberalen Demokraten in den USA einen Weg, die Meinungsführerschaft der Republikaner streitig zu machen.

Dass es ihm gelingt, diese Botschaft in einen stilistisch brillanten und atmosphärisch dichten Film mit einem Starensemble auf die Leinwand zu bringen, macht aus "Good Night, and Good Luck" einen herausragenden Film. Auch in Deutschland ist die Botschaft angesichts zunehmender Medienkonzentration höchst aktuell.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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