Kritisches Gesellschaftsbild mit Todesfall

12. Juni 2002, 17:46 Uhr

In "Gosford Park" erzählt Robert Altman mit schönen Bildern und herausragenden Schauspielern eine gleichermaßen unterhaltsame wie gesellschaftskritische Story.

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"Ich habe bisher in fast jedem Genre gearbeitet, doch noch keinen Murder-Mystery-Film gedreht. Ich nutze gerne diese traditionellen Formen, um sie dann aber gegen den Strich zu bürsten und einen neuen Blick auf sie zu werfen", sagt Robert Altman über den 74. von ihm inszenierten Spielfilm. Genau das macht den Reiz des Filmes aus, der klassische Krimispannung bietet und einen für Altman typischen ironischen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse wirft.

Satirische Gesellschaftsbetrachtung

Die Geschichte spielt Anfang der 30er Jahre auf einem vornehmen britischen Landsitz. Etwa ein Dutzend Vertreter der High Society und deren unübersichtlich zahlreiche Dienerschar sehen sich in bester Agatha-Christie-Manier mit einem Mord konfrontiert. Die Aufklärung des Falles überrascht mit vielen irrwitzigen Wendungen und Finten. In der Hauptsache aber ist der Film eine detailfreudige, satirische Spiegelung des Lebens »upstairs« und »downstairs«, also in den höheren und niedrigeren Gesellschaftsschichten.

Parallelen zu früheren Filmen

Altman lässt keinen Zweifel daran, wem seine Sympathie gehört. Er ist den Vielen zugeneigt, die unentwegt im Schatten arbeiten, damit einige Wenige umso glanzvoller leben können. »Gerade das ist ja so spannend, denn wenn dort etwas aufreißt, gehen die Risse sehr tief. Und dort hinein zu leuchten, ist sehr aufschlussreich«, sagt Altman. Der Film schließt damit inhaltlich und gestalterisch an frühere Werke an, beispiels wie »MASH« (1970), »Buffalo Bill und die Indianer« (1976) und »Short Cuts« (1993).

Wie in früheren Filmen präsentiert der Regisseur eine Reihe hochkarätiger Schauspielstars in großen und kleinen Rollen. Angeführt wird das Ensemble von den britischen Charakterdarstellern Kristin Scott Thomas, Maggie Smith und Alan Bates. Altman stellte dieses Mal besonders hohe Ansprüche: Nahezu alle Szenen wurden von zwei Kameras sowie Dutzenden Mikrofonen aufgenommen, und die Akteure mussten häufig improvisieren.

Damit erreicht der Film eine ungewöhnliche Authentizität. Für viele Darsteller war es eine neue Erfahrung. »Es war für mich eine der bereicherndsten Arbeiten meiner bisherigen Laufbahn. Ich habe viel gelernt«, sagt Kristin Scott Thomas. Und sie fügt hinzu: »So viel Vergnügen beim Drehen ist selten. Und ich denke, dass sich dieses Vergnügen unmittelbar auf die Zuschauer überträgt.«

Peter Claus/DPA

 
 
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