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11. September 2003, 12:54 Uhr

Flieger mit Bodenhaftung

Er ist einer der größten Stars der Welt - aber eigentlich, brummt er, nur ein gutes Arbeitstier: Harrison Ford über Handwerk, Pilotenglück und die Jagd auf Frischverliebte.

"Ich halte mein Maul und gehe meinen Weg": der 61-Jährige bei seinem jüngsten Berlin-Besuch© Joachim Gern

Er war Weltraum-Cowboy in "Star Wars", Schatzsucher in "Indiana Jones", Roboter-Jäger in "Blade Runner" und Präsident der Vereinigten Staaten in "Air Force One". Fast immer war er brillant, doch es gibt diese eine Rolle, die Harrison Ford so gar nicht liegt, obwohl er nicht schlecht davon lebt: Filmstar.

Als der 61-Jährige zerknittert und mit hängenden Schultern ins Zimmer schlurft, sieht er aus wie ein Rentner, den man gerade aus dem Mittagsschlaf gerissen hat. Kariertes Hemd, verwaschene Jeans, müde Augen. Jemand hat zuvor im Zimmer geraucht. Ford macht ein Gesicht, als würde die Toilette überlaufen, und öffnet vorwurfsvoll die Balkontür. Eine heikle Situation. Dass man mit ihm nun auch noch über "Hollywood Cops" sprechen soll, macht es nicht besser. Denn die konventionelle Action-Komödie über zwei Polizisten ist in den USA beim Publikum durchgefallen - und gehört sicherlich nicht zu Harrison Fords stärksten Rollen.

Herr Ford, in Ihrem neuen Film gibt es eine lustige Stelle ...

Nur eine lustige Stelle?!

Es gibt schon ein paar, aber in dieser einen sagen Sie zu Ihrem Polizistenkollegen, der Schauspieler werden will: "Mach das nicht, Schauspielerei ist was für Idioten." Haben Sie den falschen Beruf gewählt?

Das ist nur ein Spruch, der im Drehbuch stand, nicht meine Meinung. Ich bin kein Student der Filmwissenschaft. Ich komme morgens aufs Set, mache meine Arbeit und gehe abends wieder nach Hause.

Betrachten Sie diese Arbeit als Kunst oder als Handwerk?

Schon immer als Handwerk. Es ist doch ganz einfach: Du brauchst nur ein paar Kenntnisse über Licht, Kamera, die Idee des Regisseurs. Das ist alles. Andere warten darauf, dass die Muse sie küsst. Ich verlasse mich lieber auf mein Handwerk.

Anfang der 60er Jahre verdienten Sie Ihr Geld noch als Zimmermann. Was hat Sie nach Hollywood getrieben?

Das war nur ein Job, um über die Runden zu kommen. Nach dem College wusste ich, dass ich mein Leben nicht in einem Großraumbüro verbringen will. 40 Jahre auf einem Stuhl, zum Abschied eine goldene Uhr, das war nicht meine Welt. Ich suchte nach einem Abenteuer.

Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?

Anfangs habe ich niemandem von meinen Plänen erzählt. Aber mein Vater hätte sicher nichts dagegen gehabt, er war Radio-Schauspieler, bevor er ins Anzeigengeschäft wechselte, und mein Großvater war Theaterschauspieler. Es gab also schon ein bisschen Showgeschäft in meiner Familie.

Als Sie anfingen, Anfang der 70er Jahre, begannen junge Regisseure wie Steven Spielberg, George Lucas und Francis Ford Coppola, am alten Hollywood-System zu rütteln ...

Ja, es war eine aufregende Zeit. Ich bekam 1964 meinen ersten Vertrag bei Columbia Pictures und wurde dort in ein Förderprogramm gesteckt. Die Idee war, junge Schauspieler zu Superstars aufzubauen. Nach sechs Jahren war ich der einzige Überlebende. Jeder andere in der Gruppe hatte aufgegeben.

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