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Ein hochkarätiger, wandelbarer Darsteller

Harvey Keitel ist der einer der profiliertesten Charakterdarsteller des amerikanischen Films. Seine Karriere begann der jüdische Einwanderersohn unter dem Regisseur Martin Scorsese in den frühen 70ern.

Schön ist er nicht, eher knorrig, rauh und maskulin, mit einer markanten Nase und immer leicht düsteren Augen: Harvey Keitel ist kein Hollywood-Schauspieler im klassischen Sinne. Ein Star wie sein Freund seit Jugendzeiten, Robert DeNiro, wurde er nie. Seine Charaktere bleiben jedoch einprägsam durch ihre Intensität.

Noch keinen Oscar bekommen

Harvey Keitel, der am 13. Mai 65 Jahre alt wird, hat noch keinen Oscar bekommen. Und Höchstgagen konnte der drahtige New Yorker Einwanderersohn auch noch nie kassieren. Gleichwohl ist Keitel einer der profiliertesten und auch vielseitigsten Charakterdarsteller des amerikanischen Films. Seine Karriere ist eng verbunden mit der des Regisseurs Martin Scorsese, in dessen erstem Leinwanderfolg "Mean Streets" er 1973 mitwirkte und seinen eigenen Durchbruch vor der Kamera schaffte.

Zum Durchbruch beim Film verhalf ihm Ende der 60er Jahre seine Freundschaft mit dem damals noch unbekannten Martin Scorsese. Keitel hatte auf eine Anzeige geantwortet, die Scorsese auf der Suche nach Schauspielern aufgegeben hatte. In dessen autobiografischem Film "Mean Streets" (1973) und dem später gefeierten Film "Taxi Driver", in dem Keitel im damals noch berüchtigten East Village den Zuhälter einer Hure - gespielt von der damals 13-jährigen Jodie Foster - verkörpert, wurden sie gemeinsam bekannt "Ich fand, er war mir sehr ähnlich, obwohl er ein polnischer Jude aus Brooklyn war", hat Scorsese, Sohn katholischer italienischer Einwanderer, einmal über Keitel gesagt. In dieser Zeit wurde er auf die Rolle des aggressiven Außenseiters festgelegt, wozu sich der körperlich kleine, aber stets sehr dynamisch, ja explosiv wirkende Schauspieler auch besonders eignete.

Dabei hat Keitel als Kind gestottert

Dabei hat Keitel als Kind gestottert. Erst als Teenie konnte er die Sprachstörung überwinden. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen und hatte Eltern. die einen streng religiösen Lebensstil pflegten. Auch das stellte eine Barriere dar, die der junge Keitel überwinden musste und die sein Leben nachhaltig prägte. Nach seiner Armeezeit bei der Marine schafft er es schließlich, an der berühmten Schauspielschule von Lee Strassberg, dem Actors-Studio in New York, aufgenommen zu werden.

Es war bezeichnend, dass Keitel in Scorseses umstrittenen Film "Die letzte Versuchung Christi" 1988 die Rolle des Judas spielte. Damals war er schon in allen Genres tätig gewesen. Denn ein so hochkarätiger, wandelbarer Darsteller wie er konnte in den verschiedensten Produktionen Verwendung finden, Keitel hat nicht immer nur auf die ganz große Qualität seiner Rollenwahl geachtet. Aber er war 1993 in der männliche Hauptrolle zu sehen in Jane Campions Meisterwerk "Das Piano". In einem der schönsten Filme der 90er Jahre spielte Keitel sehr anrührend den Liebhaber einer stummen Frau.

"Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction"

Bald darauf war er hingegen mit von der Partie in Quentin Tarantinos Kultfilmen "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction", wahren Gewaltorgien auf der Leinwand und von ganz anderem Zuschnitt als "Das Piano". 2002 hatte Keitel einen bemerkenswerten Auftritt als überheblicher amerikanischer Offizier, der nach 1945 den weltberühmten deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler zu dessen Nazi-Verstrickungen verhörte. "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" hieß der Film von Istvan Szabo, der den Zusammenprall von zwei Männern und zwei Kulturen zeigte, doch leider nur wenig Publikum in Deutschland fand. Privat hat der Vater einer Tochter aus der ersten geschiedenen Ehe an der Seite von Daphna Kastner 2001 ein spätes neues Glück gefunden.

DPA

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