Ihre Babypause ist beendet, sie kehrt zurück mit Tamtam - als umjubelte Hauptdarstellerin in einem Kinofilm über Hildegard Knef. In den Tagen vor der Premiere erlebte man Heike Makatsch sehr angespannt. Warum ist dieser Film so wichtig für sie? Von Alexander Kühn

Chapeau! Vorbei die Zeit, da Heike Makatsch sich ausschließlich ihrer kleinen Tochter widmete© Joachim Baldauf
Scheint ihr ungefähr so viel gute Laune zu machen wie ein Zahnarztbesuch mit Wurzelbehandlung: In fieses Neonlicht getaucht auf einem Podium Journalistenfragen beantworten - wie sie sich der Knef angenähert habe, welche Parallelen sie erkenne zur eigenen Biografie, was sie von diesem Film fürs Leben mitnehme. Dazu lächeln, als könne sie sich nichts Prickelnderes vorstellen, als hier zu sitzen, im halb leeren Tagungssaal eines Berliner Hotels.
Heike Makatsch schüttelt ihren Pony. Nestelt am Pferdeschwanz. Ärmel raufkrempeln, Ärmel runter. Auf der Unterlippe knabbern. Entspannt geht anders. Entspannt sieht man sie selten in diesen Tagen vor der Premiere von "Hilde".
Jener Fototermin etwa, Karl Lagerfeld setzt Berlinale-Promis in Szene. Monsieur verspätet sich, Sebastian Koch und Nicolette Krebitz gedulden sich, nur Heike Makatsch hat keine Zeit, ein paar Minuten zu warten, verbreitet ein bisschen schlechte Stimmung, pickt etwas vom Büfett, rauscht nach wenigen Minuten unfotografiert ab. Oder das Shooting für den stern zwei Wochen zuvor, bei dem sie so lange am Make-up rumkrittelt, dass die Visagistin drauf und dran ist, der Makatsch ins Gesicht zu hopsen, was der Fotograf gerade noch verhindern kann.
Befremden auch bei allen, an denen sie auf der Berlinale vorbeifegt. Ist der Druck so groß? Ist der Film über Hildegard Knef so wichtig für sie? Ist es der "Film ihres Lebens", wie eine Zeitung an diesem Tag behauptet? Makatsch, zur Mittagszeit im Hotelzimmer, schiebt den Artikel von sich und knurrt: "Mein Leben dauert hoffentlich noch ein bisschen länger." Okay, korrigiere: Der Film Ihres bisherigen Lebens? "Jeder Film, den man gerade gemacht hat, muss der wichtigste des Lebens sein."
Auf jeden Fall ist dies der erste Film nach der Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren, Mieke Ellen, ein blondes Mädchen, das während der Dreharbeiten zwischen den Beinen der Mutter umherwuselte. Was hat es Heike Makatsch genervt, wenn alle Welt mit ihr nur noch über Breichenkochen und das korrekte Parken von Kinderwagen reden wollte, über Erziehung im Allgemeinen und speziell in Berlin, Prenzlauer Berg. Jetzt ist sie wieder da, schlanker denn je, so schlank, dass ihre Rippen durchscheinen, wenn sie im Film halb nackt auf dem Bett liegt. Sie ist wieder da, Riesenrolle, strahlender Stoff, eine Auferstehung mit Tamtam.
Die Geschenke Deutschlands an die Welt, das waren Marlene, Katja Flint hat die mal gespielt, von dem Film redet kein Mensch mehr; dann Romy, an die wagt sich für die ARD Jessica Schwarz, mit Spannung erwartet; und eben Hilde, die weder früh genug starb noch rechtzeitig der Öffentlichkeit entfloh, um auf normalem Dienstweg zur Legende zu werden, und dennoch Ikone ist, nicht nur für Schwule und Schlagerfans. Allein weil sie Nachkriegsdeutschland von Beginn an begleitete: Titelschmuck des ersten stern, erste Nackte im deutschen Film, von dort aus Karriere am Broadway und in Hollywood, ihre deutsche Heimat liebend, immer ein bisschen an ihr leidend.
Die Finanzierung des "Hilde"-Films war lange ungewiss, Heike Makatsch blieben so zwei Jahre, Bücher von und über Knef zu vertilgen, sie studierte die Auftritte der Diva in Talkshows, bis sie die Dialoge mitsprechen konnte, nahm Gesangsunterricht, lernte Knefs Lieder. Und tritt nun vor uns mit Perücke und falschen Wimpern und grünen Kontaktlinsen als Germany's Next Hildegard. Kann die das?
Premiere im Friedrichstadtpalast. Draußen Festbeleuchtung, Autogramme am roten Teppich. Drinnen aufgeladene Stimmung. Applaus, wenn Makatsch auf der Leinwand ein Lied gesungen hat. In jede Melodie, jede Szene legt sie so viel Hilde wie möglich, so viel Heike wie nötig. Erst Makatsch gibt dem brav erzählten Biopic den Kick. Jubel, als sie auf die Bühne gerufen wird, Königin für eine Nacht.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 11/2009