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26. September 2003, 18:15 Uhr

Philosophie am Zapfhahn

Sie haben die Berliner Schlaffi-Saga "Herr Lehmann" kongenial verfilmt: ein Gespräch unter fünf Herren über Frauentratsch und Männerseelen.

"Lehmann"-Autor Sven Regener, Regisseur Leander Haußmann, Darsteller Detlev Buck und Christian Ulmen, Produzent Claus Boje (Mitte)© Volker Hinz

Zuerst war da "Herr Lehmann". Eine Romanfigur, ausgedacht von Sven Regener, Jahrgang 61, Texter und Sänger der Berliner Band Element of Crime. Die tragikomischen Erlebnisse des Melancholikers Lehmann, der als Bierzapfer und Gelegenheitsphilosoph im Kreuzberg des Wendejahres 1989 lebt, wurden im Herbst 2001 zum Überraschungserfolg, die Taschenbuchausgabe hält sich seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten.

Dann kam Leander Haußmann, 44, Wunderkind des DDR-Theaters, Regisseur, Schauspieler und einst Deutschlands jüngster Intendant, zudem Nachbar und Freund von Regener - Haußmann also hat das Buch verfilmt, kongenial lakonisch, mit Sinn für den Wert der Langsamkeit. Die Titelrolle spielt MTV-Moderator Christian Ulmen, 28, den Part seines besten Freundes übernahm Detlev Buck, 40 ("Wir können auch anders"), der mit Claus Boje, 45, den Film auch produziert. In Berlin, wo sonst, trafen sich die fünf Herren zum Gespräch über Gefühle, die 80er und Lehmann, den Film.

Sven Regener: Ich habe mir das alles natürlich ganz anders vorgestellt. Als mir Leander erzählte, dass er die Rolle von Lehmanns Kumpel Karl mit Detlev Buck besetzen will, habe ich erst mal Zeter und Mordio gebrüllt. Buck hat bei mir aufgrund seiner Filme ein völlig anderes Image. Jetzt muss ich sagen, grandios. Schön, wenn einem mal wieder ein Vorurteil kaputtgeht.
Leander Haussmann: Ich hatte die gleichen Zweifel. Mit Christian war es ähnlich. Diese Besetzung war...
Christian Ulmen: Umstritten!
Haussmann: ...auf jeden Fall ein Risiko. Manchmal kriegen die Leute das Bild, das sie von jemandem haben, nicht aus dem Kopf. Aber Christian ist genau richtig. Was mir nicht gefällt, ist, dass MTV und Viva inzwischen als Kaderschmiede für den deutschen Film daherkommen.
Ulmen: Andere haben vier Jahre Schauspiel studiert, und dann kriegt so ein Clip-Ansager die Rolle. Klar, dass da einige sauer sind.
Regener: Hat dir Leander zwischendurch nicht mal den Arsch aufgerissen, dich richtig angebrüllt?
Ulmen: Nee, er wusste, dass ich sehr sensibel bin.
Regener: Ich war ja nie bei den Dreharbeiten. Ich wusste nicht, wo und wann die waren.
Haussmann: Es gab eine lange Diskussion, ob wir Sven mal einladen wollen.
Regener: War richtig, sich dagegen zu entscheiden. Wenn ich da am Set sitze, schreie ich doch nur den ganzen Tag Scheiße.
Haussmann: Man kann es auch nett mit dem Filmemacher Sidney Lumet sagen: Autoren sind toll, und ich verehre sie sehr, aber ganz ehrlich - manchmal gehen sie mir auch tierisch auf den Sack.
Regener: Hast du beim Verfilmen eigentlich ein Problem damit gehabt, Leander, dass du Ossi bist?
Haussmann: Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Ich war unsicher, was das Dekor und so weiter angeht. Dass man was falsch macht und erwischt wird.
Claus Boje: Es war klar, dass nichts schief gehen wird! Die Leute, die für Ausstattung, Kostüme, Kamera verantwortlich waren, haben alle in Kreuzberg gelebt.

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