"Badland" ist ein Film über US-Soldaten, die vom Einsatz im Irak traumatisiert heimkehren und am normalen Leben scheitern. Wie bestellt ist nun gerade eine Studie erschienen, die Hollywoods Fiktion mit harten Fakten unterlegt: Jeder fünfte US-Soldat kommt psychisch krank aus dem Krieg zurück. Von Sophie Albers

"Ein Soldat erlebt den Krieg nicht intellektuell, sondern emotional. Angst, Horror, Hass, all die schlechten Gefühle"© Copex
Ein fremdes Wesen bemächtigt sich eines Menschen, der zwar so aussieht wie immer, doch ein ganz anderer ist. "Alien", "Die Frau des Astronauten", "Die Körperfresser kommen"? Nein, "Badland", ein Film über US-Soldaten, die den Krieg aus dem Irak mit nach Hause bringen. Und das ist so real wie die nun vorgelegten Zahlen in einer Studie über die psychischen Folgen eines Kriegseinsatzes.
"Diese Typen sehen, wie jemand getötet wird, den sie kennen, und die erste Reaktion ist, dass sie das eigene Überleben feiern: Gott sei Dank hat es mich nicht erwischt! Sie haben keine Zeit, um den Freund zu trauern. Das staut sich, sie lassen ihren Frust am Feind aus, so, wie es die Armee von ihnen erwartet. Das alles schlucken sie runter, verschließen es in sich wie in einer Art Gefäß. Und dieses Gefäß, das bringen sie nach dem Krieg mit nach Hause."
Joe Morton macht eine Pause und senkt den Blick. Er ist kein Soldat, er ist Schauspieler, war in "American Gangster" zu sehen und auch in "Stealth - Unter dem Radar". Die letzten Monate hat Morton allerdings damit verbracht, Kriegsveteranen zu treffen. Männer und Frauen, die zwar die Schlacht überlebt haben, sich jedoch manchmal wünschten, es wäre nicht so.
"Wenn sie nach Hause kommen, kriegen sie ein Papier, auf dem sie ankreuzen sollen, ob sie okay sind", so Morton weiter im Interview mit stern.de. "Die meisten sagen Ja, weil sie noch gar nicht realisiert haben, dass sie der Krieg krank gemacht hat."
Die Gespräche mit den Veteranen hat er zur Vorbereitung auf seine Rolle in "Badland" geführt. Darin spielt der 61-Jährige einen Mann, der vom Einsatz im Irak nach Hause kommt, aber nicht weiß, was er da soll. Im Restaurant trifft er Jerry, ebenfalls Kriegsheimkehrer, den die Front so traumatisiert hat, dass er Frau und Kinder erschoss und nun auf der Flucht ist.
Der Film sei ein "emotionales Bild" des Schicksals der Heimkehrer, sagt US-Regisseur Francesco Lucente zu stern.de. "Ein Soldat erlebt den Krieg nicht intellektuell, sondern emotional. Angst, Horror, Hass, all die schlechten Gefühle." Es sei kein Film gegen den Irak-Krieg, sondern ein Film gegen jeden Krieg. Denn der "Krieg endet nicht auf dem Schlachtfeld. Die Kollateralschäden ziehen sich durch drei, vier Generationen", sagt der Filmemacher. Aber das hieße ja, dass keine Generation frei davon ist. "Genau. Das ist eine beunruhigende Aussage über die Menschheit. Das macht mich zum Pessimisten."
"Badland" ist ein anstrengender Film. Die Musik zerrt mit ihrem Pathos an den Nerven, und die tragische Geschichte von Jerry, dem das Leben nicht einmal den Dreck unter den Fingernägeln gönnt, wirkt zuweilen nervtötend klischeehaft. "Dabei geht es noch viel schlimmer", sagt Lucente über den psychisch kranken Mann, der mit schwangerer Frau und drei Kindern im Trailer wohnt, seinen Job verliert und schließlich Amok läuft.

Auf der Flucht vor dem Krieg, der Schuld und der Polizei: Jerry© Copex/DDP
Auch in dem jüngst zu sehenden "Das Tal von Elah" (2008) mit Tommy Lee Jones wurde die Geschichte eines kranken Heimkehrers erzählt. Der erwürgte zuerst einen Hund, dann seine Frau. Von einem Soldaten, der an der Front ein harter Knochen war, sich aber wieder zurück in der Heimat das Leben nimmt, berichtet "Jarhead - Willkommen im Dreck" (2006). Von "Die durch die Hölle gehen - The Deer Hunter" oder "Geboren am vierten Juli" gar nicht zu reden, aber das war ja auch ein anderer Krieg.
Wie nah sich Fiktion und Fakten sind, zeigt eine neue Studie: Wie bestellt hat die unabhängige Organisation Rand gerade im April eine Untersuchung mit dem Titel "Die unsichtbaren Wunden des Krieges" veröffentlicht, die Lucente in allen Punkten beipflichtet: 1,6 Millionen US-Soldaten waren für die Operation "Enduring Freedom" in den vergangenen fünf Jahren im Irak und in Afghanistan im Einsatz. Jeder Fünfte von ihnen bringt den Krieg versteckt mit nach Hause, heißt es in dem 500 Seiten starken Dokument: als posttraumatisches Stresssyndrom oder Depression.
Der Terror hat den Heimatboden längst eingenommen. Und das hat Hollywood offenbar früher bemerkt als das Department of Defense. Das bemüht sich immerhin, die Rand-Studie wohlwollend aufzunehmen. Das hört sich dann so an: "Wir haben einen langen Weg vor uns, wir haben einen langen Weg hinter uns, aber wir müssen noch einen langen Weg gehen", zitiert die "New York Times" Oberstleutnant Loree Sutton, Leiterin einer neuen Einrichtung zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Armee.