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8. Mai 2008, 11:38 Uhr

Schatz, ich habe dir Krieg mitgebracht

"Badland" ist ein Film über US-Soldaten, die vom Einsatz im Irak traumatisiert heimkehren und am normalen Leben scheitern. Wie bestellt ist nun gerade eine Studie erschienen, die Hollywoods Fiktion mit harten Fakten unterlegt: Jeder fünfte US-Soldat kommt psychisch krank aus dem Krieg zurück. Von Sophie Albers

"Ein Soldat erlebt den Krieg nicht intellektuell, sondern emotional. Angst, Horror, Hass, all die schlechten Gefühle"© Copex

Ein fremdes Wesen bemächtigt sich eines Menschen, der zwar so aussieht wie immer, doch ein ganz anderer ist. "Alien", "Die Frau des Astronauten", "Die Körperfresser kommen"? Nein, "Badland", ein Film über US-Soldaten, die den Krieg aus dem Irak mit nach Hause bringen. Und das ist so real wie die nun vorgelegten Zahlen in einer Studie über die psychischen Folgen eines Kriegseinsatzes.

"Diese Typen sehen, wie jemand getötet wird, den sie kennen, und die erste Reaktion ist, dass sie das eigene Überleben feiern: Gott sei Dank hat es mich nicht erwischt! Sie haben keine Zeit, um den Freund zu trauern. Das staut sich, sie lassen ihren Frust am Feind aus, so, wie es die Armee von ihnen erwartet. Das alles schlucken sie runter, verschließen es in sich wie in einer Art Gefäß. Und dieses Gefäß, das bringen sie nach dem Krieg mit nach Hause."

Joe Morton macht eine Pause und senkt den Blick. Er ist kein Soldat, er ist Schauspieler, war in "American Gangster" zu sehen und auch in "Stealth - Unter dem Radar". Die letzten Monate hat Morton allerdings damit verbracht, Kriegsveteranen zu treffen. Männer und Frauen, die zwar die Schlacht überlebt haben, sich jedoch manchmal wünschten, es wäre nicht so.

"Wenn sie nach Hause kommen, kriegen sie ein Papier, auf dem sie ankreuzen sollen, ob sie okay sind", so Morton weiter im Interview mit stern.de. "Die meisten sagen Ja, weil sie noch gar nicht realisiert haben, dass sie der Krieg krank gemacht hat."

Die Gespräche mit den Veteranen hat er zur Vorbereitung auf seine Rolle in "Badland" geführt. Darin spielt der 61-Jährige einen Mann, der vom Einsatz im Irak nach Hause kommt, aber nicht weiß, was er da soll. Im Restaurant trifft er Jerry, ebenfalls Kriegsheimkehrer, den die Front so traumatisiert hat, dass er Frau und Kinder erschoss und nun auf der Flucht ist.

Angst, Horror, Hass

Der Film sei ein "emotionales Bild" des Schicksals der Heimkehrer, sagt US-Regisseur Francesco Lucente zu stern.de. "Ein Soldat erlebt den Krieg nicht intellektuell, sondern emotional. Angst, Horror, Hass, all die schlechten Gefühle." Es sei kein Film gegen den Irak-Krieg, sondern ein Film gegen jeden Krieg. Denn der "Krieg endet nicht auf dem Schlachtfeld. Die Kollateralschäden ziehen sich durch drei, vier Generationen", sagt der Filmemacher. Aber das hieße ja, dass keine Generation frei davon ist. "Genau. Das ist eine beunruhigende Aussage über die Menschheit. Das macht mich zum Pessimisten."

"Badland" ist ein anstrengender Film. Die Musik zerrt mit ihrem Pathos an den Nerven, und die tragische Geschichte von Jerry, dem das Leben nicht einmal den Dreck unter den Fingernägeln gönnt, wirkt zuweilen nervtötend klischeehaft. "Dabei geht es noch viel schlimmer", sagt Lucente über den psychisch kranken Mann, der mit schwangerer Frau und drei Kindern im Trailer wohnt, seinen Job verliert und schließlich Amok läuft.

Auf der Flucht vor dem Krieg, der Schuld und der Polizei: Jerry© Copex/DDP

Auch in dem jüngst zu sehenden "Das Tal von Elah" (2008) mit Tommy Lee Jones wurde die Geschichte eines kranken Heimkehrers erzählt. Der erwürgte zuerst einen Hund, dann seine Frau. Von einem Soldaten, der an der Front ein harter Knochen war, sich aber wieder zurück in der Heimat das Leben nimmt, berichtet "Jarhead - Willkommen im Dreck" (2006). Von "Die durch die Hölle gehen - The Deer Hunter" oder "Geboren am vierten Juli" gar nicht zu reden, aber das war ja auch ein anderer Krieg.

Unsichtbare Wunden

Wie nah sich Fiktion und Fakten sind, zeigt eine neue Studie: Wie bestellt hat die unabhängige Organisation Rand gerade im April eine Untersuchung mit dem Titel "Die unsichtbaren Wunden des Krieges" veröffentlicht, die Lucente in allen Punkten beipflichtet: 1,6 Millionen US-Soldaten waren für die Operation "Enduring Freedom" in den vergangenen fünf Jahren im Irak und in Afghanistan im Einsatz. Jeder Fünfte von ihnen bringt den Krieg versteckt mit nach Hause, heißt es in dem 500 Seiten starken Dokument: als posttraumatisches Stresssyndrom oder Depression.

Der Terror hat den Heimatboden längst eingenommen. Und das hat Hollywood offenbar früher bemerkt als das Department of Defense. Das bemüht sich immerhin, die Rand-Studie wohlwollend aufzunehmen. Das hört sich dann so an: "Wir haben einen langen Weg vor uns, wir haben einen langen Weg hinter uns, aber wir müssen noch einen langen Weg gehen", zitiert die "New York Times" Oberstleutnant Loree Sutton, Leiterin einer neuen Einrichtung zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Armee.

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KOMMENTARE (10 von 19)
 
J.Stahl (09.05.2008, 17:18 Uhr)
@vincent vega
ich kann ihnen nur zustimmen.mir wird schlecht wenn ich lese wie leute vom heimischen sofa aus über menschen richten die nie die gnade eine deutschen sozialstaates oder einer krankenversicherung trotz arbeitslosigkeit hatten.niemand geht gerne in den krieg und natürlich denkt man nicht ja natürlich es wird mich treffen,ich werde nicht mehr zurückkommen.mein mann hat das auch nie gedacht.zum glück kam er immer gesund zurück.
whatever (09.05.2008, 11:39 Uhr)
Orwell Zitat
...wahre Worte.
Nun ist es aber so, dass Amerika nicht in Bagdad verteidigt wird (genausowenig, wie Deutschland am Hindukusch). Will sagen: Für den friedlichen Schlaf der amerikanischen Bevölkerung müßten im Irak keine Menschen sterben.
Vincent_Vega (09.05.2008, 10:51 Uhr)
@LisaT
zu Ihren "Unterschichts-Männer, die nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen und sich von einem Leben als Soldat ein bißchen "Äkschen" erhoffen"...
Kann mir kaum vorstellen, dass die nicht wissen, dass man im Krieg sterben kann..
Aber: gerade die Menschen aus den Unterschichten können sich gute Schulen kaum leisten, kriegen sonst keinen anderen Job und gehen dann lieber in die Armee um dort wenigstens so etwas wie ein geregeltes Gehalt, Ausbildung und - oho, das kriegen bei uns sogar Harzt4ler einfacher- eine Krankenversicherung.
Und natürlich glauben oder vielmehr hoffen die jungen Männer dann auch, dass es nicht unbedingt sie sein müssen, die getötet oder verstümmelt werden... das tun Jugendliche sehr selten; deshalb rasen und verunglücken junge Leute auch höufgier als Reifere.
Roke (09.05.2008, 09:46 Uhr)
Rosa Welt
Sicherlich muss man kein Atomphysiker sein, um eine Meinung zur Atomkraft zu haben. Allerdings wundert es mich doch, wieviele selbst ernannte Insider hier ihr Halb- oder Viertelwissen ausbreiten. Ganz besonders meine ich damit albgardis. Wer sich nicht entblödet, so einen Unsinn zu posten, disqualifiziert sich selbst. Da zitiere ich grundsätzlich gerne George Orwell: "People sleep peacebly in their beds at night, because rough men stand ready to do violence on their behalf." Leider ist die Welt nun mal nicht rosa.
Aussiepaul (09.05.2008, 05:15 Uhr)
Schuldig!
Die Amis haben es nicht besser verdient.
J.Stahl (09.05.2008, 02:13 Uhr)
viele wollen es nicht wahrhaben...
aber auch soldaten sind opfer in einem krieg.ich und mein mann (g.i.) können ein lied davon singen.in jedem krieg gibt es opfer und die ersten sind die soldaten.manchmal muß krieg sein aber im falle von iraq sehe ich das nicht so.man sollte es sich gut überlegen soldaten einzusetzen sonst hat man mal keine mehr wenn es drauf ankommt.
Known (09.05.2008, 00:25 Uhr)
@gmathol
"Israel bekommt das meiste Oel aus dem Iraq und eine Pipeline nach Haifa ist bereits geplant.
Da Israel auch die Wasservorraete fehlen werden wohl als naechstes Syrien und Jordanien - ein US Verbuendeter - dran glauben muessen." Quelle ??? "Wer die Shock und Awe Aktionen der fliegenden Gaskammern - US Airforce - gegen eine wehrlose Stadt Bagdhad, die auch noch von US Journalisten als "ein Akt Gottes" bezeichnet wurden, mitbekommen hat wird wohl kaum Mitgefuehl mit diesen Moerdern haben." Unsäglich...
gelegenheitsposter (09.05.2008, 00:05 Uhr)
seid Ihr 12 Jahre alt ?
Guten Tag,
es ist sicher so dass auch sehr viel Unterschicht in den Armeen vertreten ist, in den USA ist so mancher Eindruck in den Kasernen fast schon gespenstisch ... das gilt aber nicht für jeden Rang und jeden Offizier und Leute, die für Studienhilfe und Krankenversorgung für ein paar Jahre verpflichten.
Ich bin erstaunt dass hier so locker ausgeklammert wird dass nicht auch die angreifenden Soldaten Opfer sein können.
Das ist unmenschlich und entbehrt jeder intellektuellen Perspektive.
Noch dazu wo auch im Westen vor wenigen Jahren auf eine Betreuung von Helfern im Katastropheneinsatz völlig verzichtet wurde, deren Trauma haben die mit sich ganz allein abgemacht.
Für einen Krieg benötigt man ein Elite, die ihn beginnt, Menschen, die ihn, auf welcher Seite auch immer, durchleben, und viele Menschen, die wegsehen.
So hat es immer funktioniert, so wird es immer funktionieren.
gmathol (09.05.2008, 00:00 Uhr)
@042020
Israel bekommt das meiste Oel aus dem Iraq und eine Pipeline nach Haifa ist bereits geplant.
Da Israel auch die Wasservorraete fehlen werden wohl als naechstes Syrien und Jordanien - ein US Verbuendeter - dran glauben muessen.
gmathol (08.05.2008, 23:58 Uhr)
@gelegenheitsposter
Freundliche oder politisch korrekte Kommentare nutzen nicht viel, da wir es mit einer neuen Art von Faschismus USA/Israel zu tun haben, der Voelkermord, ethnische Saeuberungen und Diebstahl als "demokratische" Akte sieht.
Selbst in Nazi Deutschland gab es einen Widerstand und es gabe zumindestens einige im deutschen Offiziers-Korps die den Mut hatten eine Toetungsversuch gegen einen Diktator zu wagen. Das fehlt in den USA! Dort findet man es heldenhaft wenn eine wehrlose Stadt mit Clusterbomben eingedeckt wird.
Schoenen Tag noch!
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