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5. September 2007, 17:59 Uhr

"Ich muss mir nichts mehr beweisen!"

Lange nichts gehört von Michelle Pfeiffer. Sie ist zum Familienmenschen geworden, verriet sie im stern.de-Interview. Ihren neuen Film "Hairspray", der diese Woche anläuft, hat sie in den Schulferien ihrer Kinder abgedreht.

Dass sie schon 49 ist, sieht man ihr nicht an. Michelle Pfeiffer: "Je älter ich werde, desto leichter fällt mir das Älterwerden"© Mario Anzuoni/Reuters

Frau Pfeiffer, Sie haben fast fünf Jahre lang keinen Film gedreht. Fehlte die Lust?
Es war keine bewusste Entscheidung. Ich habe mich einfach zu keinem aufraffen können. Zwei Kinder groß zu ziehen, ist auch nicht ohne - und plötzlich war diese lange Zeit vergangen. Wobei ich sagen muss, nicht zu arbeiten, hat mir auch ganz gut gefallen.

Hat Ihnen nicht etwas gefehlt?
Nun, es ist so: Früher hatte ich nur eine große Leidenschaft, das Spielen. Die ist mir auch nicht abhanden gekommen - es sind nur neue Leidenschaften dazugekommen, zum Beispiel die Liebe zu meinem Mann und zu meiner Familie. Mein Mann David ...

... Kelley, der Erfinder von Fernsehshows wie "L.A. Law" und "Ally McBeal"...
... David hätte überhaupt nichts dagegen, wenn ich mehr arbeiten würde, aber ich empfinde mein Familienleben als sehr erfüllend und befriedigend. Wenn ich früher mal ein Jahr lang nichts gedreht habe, dann sank sozusagen meine Schmerzschwelle: Ich habe mich auf Drehbücher gestürzt, die mir halbwegs sympathisch waren, nur damit ich wieder etwas zu tun hatte. Heute reicht das nicht mehr. Ich lasse mich nicht aus meinem Alltag reißen für wochenlange Dreharbeiten, an denen mein Herz nicht hängt.

Sie kommen jetzt mit zwei Filmen ins Kino, dem Musical "Hairspray" und dem Fantasy-Abenteuer "Stardust". Waren die es wert, dass Sie dafür Ihren Alltag unterbrochen haben?
Ja, da hat einfach alles gestimmt - also auch das Timing. Ich würde niemals im Winter einen Film drehen, weil da meine Kinder zur Schule gehen und ich jeden Tag zu Hause sein will, wenn sie heimkommen. Im Sommer aber haben sie lange schulfrei und gehen in Ferienlager, da kann ich dann auch mal einen Film machen.

In "Hairspray" spielen Sie eine fiese ehemalige Schönheitskönigin, in "Stardust" eine alte Hexe, die über Leichen geht, um ihre Jugend wiederzuerlangen. Beides Frauen mit panischer Angst vor dem Älterwerden - muss man da ein Muster sehen?
Nun, je älter ich werde, desto leichter fällt mir das Älterwerden. Gut, ich muss jetzt strenger auf meine Ernährung achten und mehr für die Figur tun, und wenn ich mich verletze, dann dauert es länger, bis ich wieder fit bin. Aber das Älterwerden hat auch seine Vorteile. Es fühlt sich an, als ob man das ganze Leben einen Hügel hinaufschnauft, und ich befinde mich jetzt ganz bequem auf der Abfahrt.

Sie sind 49 und alle Welt staunt, wie blendend Sie aussehen. Was sagen Sie zu Schönheitsoperationen?
Ach, ich weiß nicht. Es heißt ja immer, die guten, die sieht man gar nicht, aber ich hätte echt Angst vor den schlechten. Und selbst wenn man nach so einer OP jünger wirkt - bleibt die Frage, ob man damit auch wirklich besser aussieht.

In "Hairspray" sagen Sie einige sehr grausame Dinge zu Ihrer Film-Tochter über deren Figur. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem eigenen Körper?
Ich habe Hemmungen mich im Badeanzug am Strand zu zeigen. Ich habe es noch nie gemocht, meinen Körper zur Schau zu stellen. Vielleicht liegt das daran, dass ich früher immer wegen meiner Jungsfigur gehänselt worden bin - ich hatte kaum Busen und superdünne Beine. Ich fürchte jedes Mädchen kennt diese Selbstzweifel, diesen Druck, einem vollkommen unrealistischen Schönheitsideal nachzueifern, wie es in Modezeitschriften zum Beispiel propagiert wird. Es ist so ungerecht! Wir Frauen sind es schließlich, die diese Hefte kaufen, wir lassen uns unnötig deprimieren.

Sie sind oft genug auf dem Titel dieser Zeitschriften.
Ja, aber ich sage den jungen Mädchen immer, dass ich sorgfältig retuschiert worden bin. Jede Frau kann toll aussehen, wenn sie Make-up-Spezialisten und Fotografen hat, wie sie bei solchen Produktionen üblich sind!

In "Stardust" fallen Sie sozusagen ins andere Extrem: Sie sehen fürchterlich aus.
Am Anfang hat das Hexen-Make-up sechs Stunden lang gedauert. Ich spiele immerhin eine fünftausend Jahre alte Dame. Nach ein paar Tagen bekamen die Maskenbildner allerdings Routine, dann waren es nur noch viereinhalb Stunden. Abends haben sie es dann in einer Stunde wieder von mir runtergepult.

Hat Ihnen das Spaß gemacht?
Na, morgens um vier in der Maske sitzen macht wohl niemandem Spaß. Aber davon abgesehen war diese Rolle großartig. Mein Traum ist es, mal in einem Film mitzuspielen, wo mich kein Mensch erkennt, wo ich auch im Vorspann nicht genannt werde. Dann würde ich gern in eine Vorstellung schleichen und horchen, ob die Leute merken, wer ich bin.

Woher kommt denn dieser Wunsch?
Ich habe keine Ahnung. Soll ich mich auf die Therapie-Couch legen?

Wenn es hilft ...
Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich von meiner ganzen Persönlichkeit her jemand bin, der sich gern zurückhält und versteckt. Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, dann kann ich mich auf eine versteckte Weise ausdrücken, das ist sehr befreiend.

Wussten Sie schon früh, dass Sie Schauspielerin werden wollten?
Wie viele junge Mädchen habe ich davon geträumt. Aber die Entscheidung fiel, als ich eines Tages bei meinem Job im Supermarkt - ich packte den Leuten an der Kasse ihre Tüten ein - von so einem Typen total angemacht wurde, weil ihm die Melonen zu teuer waren. Ich habe mir seine Schimpferei angehört und mich gefragt: Willst du dir das wirklich antun? Jeden Tag hier stehen und dir dieses Zeug anhören? Und da wusste ich genau, dass ich Schauspielerin werden wollte.

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