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23. Dezember 2008, 14:30 Uhr

Ein Außerirdischer in Hollywood

Er ist der Grandseigneur des deutschen Films: Armin Mueller-Stahl - Schauspieler, Künstler, Musiker. Zu Weihnachten ist er in Breloers Kinofilm "Buddenbrooks" zu sehen. Im stern.de-Interview spricht er über seine schönsten Film-Tode, warum Thomas Manns Stoff in Zeiten der Finanzkrise aktuell ist wie nie und wie er Tom Cruise sitzen ließ. Von Katharina Miklis

Armin Mueller-Stahl, Buddenbrooks, Heinrich Breloer, Jessica Schwarz, Lübeck

Thomas Mann statt Hitler: Armin Mueller-Stahl sagte für Breloers "Buddenbrooks" Tom Cruises "Walküre" ab© Marcus Brandt/DPA

Gelassen schlägt er ein Bein über das andere. Seine strahlenden blauen Augen sind ebenso eindringlich wie sanftmütig. Im Interview in Hamburg strahlt der Mann aus Los Angeles eine stoische Kontenance aus. Armin Mueller-Stahl hat in seiner 50-jährigen Karriere viel erreicht: den Deutschen Filmpreis, Bambi, Adolf-Grimme-Preis, das Bundesverdienstkreuz... Für den Oscar war er gleich mehrmals nominiert. Auch wenn der Schauspieler längst in Hollywood erfolgreich ist, war es für ihn selbstverständlich, für eine große Buddenbrook-Verfilmung noch einmal in Deutschland vor der Kamera zu stehen. Wahrscheinlich zum letzten Mal. Für Heinrich Breloers Verfilmung von Thomas Manns nobelpreisgekürtem Roman verscherzte er es sich sogar mit Tom Cruise.

Herr Mueller-Stahl, stimmt es, dass Sie für die "Buddenbrooks" Tom Cruise einen Korb gegeben haben?

Ja, das stimmt. Die Dreharbeiten zu "Walküre" habe ich abgesagt.

Wieso?

Wenn es nach meinem Agenten gegangen wäre, hätte ich in den letzten Monaten in drei Filmen mitgespielt: dem neuen Tom-Tykwer-Film "The International", Cruises "Walküre" und in den "Buddenbrooks". Aber ich bin doch keine 20 mehr. Das tue ich mir nicht an. Obwohl mich die "Walküre"-Rolle schon gereizt hat. Es wäre ein schöner Tod gewesen am Schluss...

Sie scheinen ja nur noch Rollen zu bekommen, in denen Sie sterben...

Ja, das stimmt. Ich mag es, alte sterbende Menschen zu spielen. Weil es so einfach ist. Die Energie, die Sie brauchen, um einen jungen Burschen zu mimen, ist kräftezehrend. Als Jean Buddenbrook bekomme ich einfach nur einen Herzinfarkt. Und bin tot. Ganz simpel. In Tykwers "The International" werde ich erschossen, allerdings mit einer sehr schönen Vorgeschichte. Aber der beste Tod wäre der des Ludwig Beck in "Walküre" gewesen. Der nimmt sich am Schluss das Leben und schießt dreimal daneben. Und das als deutscher General. Der aufregendste Selbstmord, den ich je erlebt habe.

Und trotzdem musste Cruise ohne Sie drehen...

Ich wollte einfach wieder mit Heinrich Breloer zusammenarbeiten. Breloer macht Dinge, die nicht unbedingt Quotenbringer sind. Die Quotenbringer sind in der Regel die Monster. Hitler mit Frauen. Hitler ohne Frauen. Hitler im Bunker. Hitler in Berchtesgaden. Das bringt Quote. Thomas Mann bringt keine Quote. Trotzdem sind solche Dinge wichtig für uns. Wir dürfen uns ruhig auf die guten, alten Dinge besinnen. Wir tun es ja in der Musik auch, hören Mozart und all die großen Klassiker. Breloer besinnt sich auf dieses über 100 Jahre alte Buch. Und es gibt kein besseres Stück als dieses. Obwohl so viel Zeit vergangen ist. Es ist das Beste.

Und das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Stimmt es, dass die "Buddenbrooks" für Sie das letzte große Engagement ist?

Die Freiheit gönne ich mir, Dinge wieder zurückzunehmen, die ich einmal gesagt habe. Ich wollte meine Karriere eigentlich ganz ruhig auslaufen lassen - jetzt wo ich doch in zwei Jahren 80 werde. Mittlerweile ist jedoch ein Karriere-Endspurt daraus geworden, der länger andauert, als ich gedacht habe. Manchmal kann ich halt nicht nein sagen. Jetzt habe ich gerade einen Film mit Tom Hanks gemacht. Dass ich das noch gemacht habe, dafür bin ich sehr dankbar. Ich durfte Menschen mit Herz begegnen. Profis. Das will ich nicht missen.

Was ist das Schönste am Älter werden?

Ich genieße es alleine zu sein und zu schreiben und zu malen, Musik zu machen. Die Zeit zu haben, mich zu entdecken, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Das ist mir wichtiger geworden, als zu spielen. Ich genieße es, dass mich kaum noch jemand auf der Straße erkennt. Ganz anders als früher. Endlich kann ich mich frei bewegen und laufe nicht mehr wie ein Affe im Zoo durch die Welt. Heute kann ich den Finger in die Nase stecken, wann ich will. Das ist wunderbar.

In den "Buddenbrooks" geht es um das große Geld. Dieses Thema ist in Zeiten der Finanzkrise aktuell wie nie...

Ach wissen Sie, mich interessieren die Leute, die sich auf der Schattenseite des Lebens bewegen, viel mehr. Das Geld, reiche Menschen, Geldadel... das interessiert mich alles nicht. Ich schwöre es Ihnen. In Amerika gibt es diese Dummheiten auch. Da treffen sich dann nur Milliardäre, um über ihr Geld zu sprechen. Wir Menschen neigen dazu, unser Selbstbewusstsein immer an unsere Erfolge zu knüpfen. Haben wir keine beruflichen Erfolge, schrumpft unser Selbstbewusstsein. Was, wenn dieser Geldadel jetzt bei der Bankenkrise Millionen verliert? Dann sind sie genauso wie Jean Buddenbrook. Das Selbstbewusstsein schrumpft zusammen. Sie haben plötzlich nichts mehr, woran sie sich festhalten können.

Woran halten Sie sich fest?

Früher waren es auch meine Erfolge, klar. Aber an irgendeinem Punkt habe ich das dann auch mal hinterfragt: Moment, was ist eigentlich Glück? Glück ist ein kurzer Moment. Das Fundament des Lebens ist die Familie.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Armin Mueller-Stahl über Familie, Kunst und warum er in Hollywood als Außerirdischer gilt

Zur Person

Zur Person Armin Mueller-Stahl wurde 1930 im ostpreußischen Tilsit geboren und in Ost-Berlin zum Musiklehrer und Konzertgeiger ausgebildet. Erste schauspielerische Erfahrungen sammelte er zu Beginn der 50er Jahre am Theater. 1960 begann er seine Karriere als Film- und Fernsehstar in der DDR. Im Alter von 60 Jahren begann Mueller-Stahl seine dritte Karriere - in Hollywood ("Tödliche Versprechen", "Das Geisterhaus", "Night on Earth"). Die "Buddenbrooks"-Verfilmung ist nach dem TV-Mehrteiler "Die Manns" (2001) die zweite Zusammenarbeit von Armin Mueller-Stahl mit Heinrich Breloer.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
keinheiliger (25.12.2008, 08:41 Uhr)
@Franzoesin
Sie haben Recht die Amis identifizieren Frankreich als die kulturelle Hochburg Europas und sie moechten natuerlich auch gerne diese Sprache lernen, sie klingt ja auch viel schoener als die deutsche.
Auch das einige Deutsche von Amerika traeumen und den Wunsch haben, dort zu wohnen, trifft sicherlich zu. Wohlgemerkt, einige.
Auch das mehr Menschen Frankreich besuchen als Deutschland ist sicherlich richtig, aber es ist leicht ruecklaeufig und wenn dort der erste Atommeiler einmal so richtig funzt, wird damit wohl Schluss sein. Denn duerften sie in etwa soviel Besucher pro Jahr bekommen, wie die Ukraine seit ihrem Bestehen. Aber noch stehen sie ja.;-))
Ich wollte auch immer gerne im Ausland leben und arbeiten, was ich mir Gott sei Dank ermoeglichen konnte. Ich habe eine lange Zeit in Amerika gelebt, eine zeitlang in Italien, spaeter auf Zypern und eine kurze Zeit in Spanien, nun pendle ich zwischen Fernost und Deutschland.
Frankreich habe ich ein paar Mal besucht, urlaubstechnisch, war meistens eine herbe Enttaeuschung, leider.
Aber auf die Idee gekommen DORT zu leben, bin ich NIE gekommen.
Die Franzosen sind mir in der Regel zu nationalistisch, obwohl, Ausnahmen bestaetigen ja die Regel. Leider gehoeren sie nicht dazu.
Uebrigens Armin Mueller-Stahl ist einer meiner Lieblingsschauspieler, um auch dem Artikel einmal gerecht zu werden. MfG
Jubel (25.12.2008, 08:40 Uhr)
Franzoesin
Auch in Frankreich gibt es verblendete Nationalisten. Nur gut das es weinige sind.
Deutsch liegt übrigens bei den gesprochene Sprachen auf Platz 10 in der Welt, Französisch auf Platz 14.
Und das Problem, dass viele Türken kein Deutsch können haben die Franzosen mit den ihren Arabern in Südfrankreich noch viel mehr.
Franzoesin (24.12.2008, 17:42 Uhr)
kultur
Jährlich besuchen ca. 80 Millionen Menschen Frankreich - und Deutschland ?
Wer will Deutsch lernen ?- noch nicht mal die Türken ,die in Deutschland leben ! Sogar die Deutschen lehnen ihre eigene Kultur ab und verhunzen die eigene Sprache durch Englisch.Fragen Sie mal in den USA nach welchen Stellenwert in den USA Französisch hat und dann fragen Sie mal was es wert ist Deutsch zu können !
sprachenstrasse (24.12.2008, 16:56 Uhr)
Franzoesin
Amerikaner wollen deutsche Autos fahren - viel Spass beim franz-kaese-export:-)
pepeboy (24.12.2008, 15:01 Uhr)
oh weh,
In punkto Selbstueberschaetzung haben nur die Franzosen den Amerikanern etwas voraus... wie man an oben genannten Kommentar absehen kann. Die USA ist als Weltmacht auf dem absteigenden Ast, aus Frankreich ist seit Jahrhunderten nichts mehr innovatives gekommen.
Franzoesin (24.12.2008, 10:34 Uhr)
Hollywood
Der Traum der Deutschen ist, in den USA einen Wohnsitz zu haben - der Traum der Amis ist, in Frankreich einen Wohnsitz zu haben. Die Deutschen lernen Englisch -die Amis Französisch: damit ist die kulturelle Einstufung der Deutschen offensichtlich.
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