Luigi Falornis Verfilmung des umstrittenen Romans "Feuerherz" sorgt gerade für Gesprächsstoff. stern.de sprach am Rande der Berlinale mit dem Regisseur über fehlgeleitete Ideale, Kindersoldaten und das italienische Erbe Eritreas.

Neu im Kino: Senait Meharis Bestseller "Feuerherz"© dpa
Ich habe es mir sehr gewünscht, aber rechnen kann man damit natürlich nicht, vor allem mit einer Teilnahme im Wettbewerb. Besonders dieses Jahr sind sehr viele sehr gute Filme eingereicht worden. "Feuerherz" ist für mich als erster langer Spielfilm eine echte Feuertaufe gewesen. Dem Projekt standen viele Hindernisse im Weg, und als wir beim Dreh im Norden Kenias waren, in der Hitze, in dem Staub, bewacht von schwer bewaffneten Soldaten wegen der schwierigen Sicherheitslage, da habe ich an alles gedacht, außer eines Tages frisch geduscht und in einem schönen Anzug die Premiere im Berlinale Palast feiern zu dürfen.
Bei all den hitzigen Diskussionen um die Autobiographie, die Kernaussage dieses Buchs bleibt unumstritten: Es ist eine nachgewiesene historische Tatsache, dass auch Kinder und Jugendliche im eritreischen Befreiungskrieg gekämpft haben. Die Autorin Senait Mehari hat dieses Thema als erste Eritreerin an die Öffentlichkeit gebracht und damit viel Zorn von der eritreischen Gemeinde auf sich gezogen. Das hat bisher kein Landsmann von ihr gewagt. Ich habe selbst beim Dreh zu spüren bekommen, wie massive Einschüchterung funktioniert. Deshalb wollte ich, dass der Film auch wie das Buch "Feuerherz" heißt, auch wenn er davon nur inspiriert ist. Der gleichnamige Filmtitel drückt meine Anerkennung für den Mut der Autorin aus.

"Feuerherz"-Regisseur Luigi Falorni© Senator
Mein Wunsch war, in Eritrea zu drehen, an originalen Schauplätzen, wo sich die Kämpfe zugetragen haben, mit Eritreern. Eritrea hat eine eigene Landschaft und Architektur, noch geprägt von alten italienischen Kolonialzeiten. Die Leute und die Gesichter sind sehr eigen für dieses Land und die Sprache. Dann wurde aber die Drehgenehmigung von Seiten der eritreischen Regierung verweigert. Das Naheliegende wäre gewesen, in Äthiopien zu drehen, weil die Landschaften ähnlich sind und es eine Riesengemeinde von Tigrinya sprechenden Menschen in Äthiopien gibt. Aber das wäre ein Affront gewesen, einen Film über den eritreischen Unabhängigkeitskampf von Äthiopien in Äthiopien zu drehen. Das kam nicht infrage. So reiste ich im November vorletzten Jahres für eine Recherche nach Kenia, um zu prüfen, ob ich entsprechende Landschaften finde, und wegen des Castings. Ich wollte nicht aufgeben, mit Eritreern zu drehen und auf Tigrinya, in deren Sprache zu drehen.
Es wird auch eine Originalfassung mit Untertiteln geben. Es ist ein internationaler Film, so ähnlich angelegt wie "Die Geschichte von weinenden Kamel", mein letztes Projekt. Das war auch ein internationaler Film, auf mongolisch gedreht, aus Deutschland produziert.
"Feuerherz" ist ein Spielfilm mit dokumentarischem Charakter. Die Geschichte ist fiktional, aber eingebettet in den authentischen historischen Kontext, und sie steht stellvertretend für viele reale Kinderschicksale.
Ich bin 2004 erst mal so dahin gereist, aus Interesse. Ich bin Italiener, Eritrea war 50 Jahre lang eine italienische Kolonie. Ich wollte einfach sehen, was meine Vorahnen alles hinterlassen, gemacht, verunstaltet haben, wie auch immer. Italien und dieser Mussolini-Traum waren ein einziges Absurdum. Ich wollte sehen, welche Spuren davon geblieben sind und was das für ein Land ist. Ich war begeistert von Asmara, zunächst von der Architektur. Das war das Beeindruckendste, was von der italienischen Kultur dort geblieben ist. Aber das war nur der erste Eindruck. Schon in den nächsten Tagen hat mich die eritreische Seele mehr und mehr eingenommen. Da war für mich nicht mehr so wichtig, dass die Italiener da waren - ein tolles Land, tolle Menschen, unglaublich stolze Menschen. Ich hatte den Wunsch, über eine ethnische Gruppe, die Kunamas, einen Dokumentarfilm zu machen, eine Kultur, die vergessen, unterdrückt und an den Rand gedrückt wird. Aber es war wenig davon zu finden von dem, was ich in meiner Recherche über den Kunamas gelesen hatte. Weil der lange Krieg und die Auswanderungen, die Zwangsrekrutierung von jungen Leuten für neue Kriege und die ganzen Probleme, die dieses Stück Land in den letzten Jahrzehnten geplagt haben, haben diese alte Kultur unwiederbringlich verändert.
"Die Kinder des Krieges" Lesen Sie im aktuellen stern Frauke Hunfelds Bericht von den Dreharbeiten zu "Feuerherz"