. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. November 2009, 18:30 Uhr

"Ich habe viel geheult"

Den Sprung von der Berliner Göre "Lolle" zur ernsthaften Schauspielerin hat Felicitas Woll längst geschafft. Im stern.de-Interview spricht sie über ihren neuen Film "Liebe Mauer" - und verrät, weshalb sie die Wendezeit immer noch berührt.

Felicitas Woll Einem großen Publikum bekannt wurde Felicitas Woll als Berliner Göre Lolle in der Vorabendserie "Berlin, Berlin", die von 2002 bis 2005 im Ersten ausgestrahlt wurde. Dafür erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Fernsehpreis, den Adolf-Grimme-Preis sowie die Goldene Rose von Luzern. Auch danach konnte sie sich im Fernsehen behaupten. 2005 spielte sie die Hauptrolle in dem viel beachteten ZDF-Zweiteiler "Dresden". Aktuell ist sie in dem Kinofilm "Liebe Mauer" zu sehen. Woll spielt in dieser Liebeskomödie eine Westberlinerin, die sich im Herbst 1989 in einen ostdeutschen Grenzsoldaten verliebt. Felicitas Woll lebt in Nordhessen, wo sie am 14. Februar 2006 eine Tochter zur Welt brachte.

Frau Woll, werden Sie noch oft auf der Straße als "Lolle" angesprochen, ihrer Rolle aus "Berlin, Berlin"?

Ja, das passiert noch. Ich finde das auch schön und freue mich darüber. Die Zuschauer von damals sind aber auch schon älter geworden, die meisten sind über 30. Die jüngere Generation kennt mich dagegen gar nicht mehr.

Haben Sie die Identifikation mit dieser Rolle nie als Last empfunden, so wie Romy Schneider lange unter ihrem "Sissi"-Image gelitten hat?

"Sissi" war ja süß und niedlich. Lolle war dagegen sehr tough. Da habe ich kein Problem mit. Lolle hat Dinge gemacht, die ich mein Lebtag nicht machen werde.

Ihr neuer Film "Liebe Mauer" endet mit Bildern vom 9. November 1989, wo sich wildfremde Menschen in Berlin um den Hals fallen. 20 Jahre später hat sich das Verhältnis zwischen Ost und West merklich abgekühlt. Die große Euphorie der Einheit ist mittlerweile verflogen. Was ist da schief gelaufen?

Ich empfinde das gar nicht so. Ich persönlich habe mir in diesem Jahr so viele Sendungen zu dem Thema angesehen. Ich habe auch viel geheult, weil es mich so berührt hat. Das ist einmalig gewesen, was damals passiert ist. So toll!

Im Westen klagen viele Menschen, sie müssten zu viel für den Osten zahlen, im Osten sind viele Menschen vom Kapitalismus enttäuscht und wünschen sich die soziale Sicherheit der DDR zurück.

Es ist aber auch eine schwierige Zeit gerade - überall in der Welt. Dass es da Menschen gibt, die klagen, ist doch klar. Aber ich zahle gerne meinen Beitrag. Und wenn ich mir die Welt angucke - ob es Afrika, Afghanistan oder der Irak ist -, dann sage ich: Es geht uns verdammt gut. Wir müssen keine Angst haben, auf der Straße erschossen zu werden oder Hunger zu leiden.

Als große Gewinner der Wende gelten ostdeutsche Frauen, wohl auch, weil dort die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark gefördert wurde. Im Westen mussten sich Frauen mit Kindern dagegen immer rechtfertigen, wenn sie gearbeitet haben. Sie selbst sind alleinerziehende Mutter und leben im Westen - ist das noch immer so?

Ich werde auch ab und zu gefragt, wie ich Beruf und Familie unter einen Hut kriege. Natürlich ist das schwierig. Ich lebe aber in einer privilegierten Position, weil ich eine Familie habe, die mich unterstützt. Weil ich einen Beruf habe, wo ich auch mal längere Zeit zuhause sein kann. Ich verdiene gutes Geld, sodass ich auch alleinerziehend gut durchkomme.

Das schlimme ist ja oft der moralische Druck. Die Rede davon, dass ein Kind rund um die Uhr seine Mutter brauche.

Das ist altes Denken. Die meisten Frauen lieben ihr Kind und lieben es auch, Mutter zu sein. Aber wir sind nicht nur Mütter und fürs Kind da, sondern haben auch unser eigenes Leben. Ich hatte das Glück, dass ich die ersten zwei Jahre mit meinem Kind zuhause bleiben konnte. Trotzdem habe ich Lust, mein Leben zu leben. Es ist nicht die Bestimmung einer Frau, am Herd zu sitzen und das Kind zu füttern. Frauen wollen genauso arbeiten wie der Mann das tut. Das muss auch gefördert werden. Kinder werden nur dann glücklich, wenn auch die Mutter glücklich ist.

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Nico Hofmann Die Historie, der Werbeblock, die Millionen

Alle wollen seine Eventfilme: Auf Sat.1 lief "Die Luftbrücke", auf RTL "Die Sturmflut", nun zeigt das ZDF "Dresden". stern.de sprach mit Produzent Nico Hofmann über die neue deutsche Lust auf historisches Infotainment der oberen Preisklasse. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft