Den Sprung von der Berliner Göre "Lolle" zur ernsthaften Schauspielerin hat Felicitas Woll längst geschafft. Im stern.de-Interview spricht sie über ihren neuen Film "Liebe Mauer" - und verrät, weshalb sie die Wendezeit immer noch berührt.
Ja, das passiert noch. Ich finde das auch schön und freue mich darüber. Die Zuschauer von damals sind aber auch schon älter geworden, die meisten sind über 30. Die jüngere Generation kennt mich dagegen gar nicht mehr.
"Sissi" war ja süß und niedlich. Lolle war dagegen sehr tough. Da habe ich kein Problem mit. Lolle hat Dinge gemacht, die ich mein Lebtag nicht machen werde.
Ich empfinde das gar nicht so. Ich persönlich habe mir in diesem Jahr so viele Sendungen zu dem Thema angesehen. Ich habe auch viel geheult, weil es mich so berührt hat. Das ist einmalig gewesen, was damals passiert ist. So toll!
Es ist aber auch eine schwierige Zeit gerade - überall in der Welt. Dass es da Menschen gibt, die klagen, ist doch klar. Aber ich zahle gerne meinen Beitrag. Und wenn ich mir die Welt angucke - ob es Afrika, Afghanistan oder der Irak ist -, dann sage ich: Es geht uns verdammt gut. Wir müssen keine Angst haben, auf der Straße erschossen zu werden oder Hunger zu leiden.
Ich werde auch ab und zu gefragt, wie ich Beruf und Familie unter einen Hut kriege. Natürlich ist das schwierig. Ich lebe aber in einer privilegierten Position, weil ich eine Familie habe, die mich unterstützt. Weil ich einen Beruf habe, wo ich auch mal längere Zeit zuhause sein kann. Ich verdiene gutes Geld, sodass ich auch alleinerziehend gut durchkomme.
Das ist altes Denken. Die meisten Frauen lieben ihr Kind und lieben es auch, Mutter zu sein. Aber wir sind nicht nur Mütter und fürs Kind da, sondern haben auch unser eigenes Leben. Ich hatte das Glück, dass ich die ersten zwei Jahre mit meinem Kind zuhause bleiben konnte. Trotzdem habe ich Lust, mein Leben zu leben. Es ist nicht die Bestimmung einer Frau, am Herd zu sitzen und das Kind zu füttern. Frauen wollen genauso arbeiten wie der Mann das tut. Das muss auch gefördert werden. Kinder werden nur dann glücklich, wenn auch die Mutter glücklich ist.