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Träume eines Hollywood-Regisseurs

Die vernichtenden Kritiken zu "Das Boot" ließen ihn vor 20 Jahren nach Los Angeles auswandern. Heute ist er neben Roland Emmerich Deutschlands erfolgreichster Hollywood-Regisseur. Im stern.de-Interview spricht Wolfgang Petersen über die Schmach von damals, die Frauen und seinen letzten großen Herzenswunsch.

Von Katharina Miklis

  • Katharina Miklis

Seine Kindheit verbrachte der gebürtige Emdener nach eigenen Angaben im Kino. Das Leben in den 50er Jahren war außerhalb der Lichtspielhäuser so trist und grau, dass er sich in Traumwelten flüchtete. "Die Eltern waren nach der ganzen Nazi-Geschichte so sehr mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Für Kinder war es eine Zeit, in der sie von etwas anderem träumen wollten, nach anderen Dingen suchten." Petersen suchte diese Dinge auf der Leinwand. In dunklen Hamburger Kinosälen der 50er Jahre verlor er sich in seinen Traumwelten. Dort entdeckte er auch seine erste große Liebe. Die für den amerikanischen Film, den Western und Gary Cooper. "Ich war in Flammen" sagt Petersen im stern.de-Interview.

Als Zwölfjähriger träumte er erstmals vom Filmemachen. Seine Eltern bat er, sie mögen doch bitte auf Weihnachtsgeschenke wie elektrische Eisenbahnen und Autos verzichten und ihm eine Kamera schenken. Die bekam er. Eine 8-Millimeter. Für 217 Mark. Petersen erinnert sich, als wäre es erst gestern gewesen. Seine Augen leuchten: "Damit fing alles an".

Petersens "Tatorte" und sein Traum von Hollywood

Mit 25 ging Petersen nach Berlin. Zur Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb). Dort entstanden seine allerersten Kurzfilme "Der Eine - Der Andere" und "Ich nicht". Schon drei Jahre später feierte er überraschend sein Debüt als Fernsehregisseur - mit seinem Abschlussfilm "Ich werde dich töten, Wolf". Anfang der 70er drehte Petersen seine ersten Folgen für den "Tatort". Dass sein Traum von Hollywood, der in den letzten Jahren immer größer geworden war, immer näher rückte, ahnte er damals noch nicht. Dabei wurde sein "Tatort" mit dem Titel "Reifezeugnis" zum erfolgreichsten der "Tatort"-Geschichte. Bis heute.

Nastassja Kinski wurde durch den Film über Nacht zum Star und Wolfgang Petersens Augen bekommen wieder dieses gewisse Glänzen in den Augen, wenn er sich daran erinnert, wie er die Kinski entdeckte. "Ich habe nie wieder eine junge Frau gesehen, die so schön war, so eine faszinierende Mischung aus Kind und Frau". Nastassja Kinski war 15, als sie in "Reifezeugnis" spielte. Und sie war der Grund, warum Petersen fast 30 Jahre später Diane Kruger in "Troja" besetzen sollte und ihr damit den Weg nach Hollywood ebnete. "Irgendwie hat sie mich an Nastassja erinnert", schwärmt er.

Dann kam das Jahr 1981 und es kam "Das Boot". Ein Meilenstein der deutschen Kinogeschichte. Sein wichtigster Film, wie er heute sagt. "'Das Boot' hat mein Leben und das Leben aller verändert, die daran gearbeitet haben. Er hat die Tore nach Hollywood geöffnet." Es war der erste große Welterfolg für einen deutschen Film. Herbert Grönemeyer, Jürgen Prochnow, Uwe Ochsenknecht, Jan Fedder, Ralf Richter, Heinz Hoenig, Sky du Mont... Sie alle wurden durch den inzwischen fast 30 Jahre alten Film berühmt. "Wir werden diesen Film nie vergessen. Wir alle wissen noch ganz genau, durch was wir gegangen sind, durch welche unglaublich schwierigen Zeiten."

"Eine Fortsetzung von 'Das Boot' würde nur am Ruhm des Filmes kratzen"

Während "Das Boot" in den USA frenetisch gefeiert wurde (sechs Oscar-Nominierungen), mussten Petersen und seine Crew in Deutschland scharfe Kritik einstecken. Der Vorwurf damals: Der Film sei nicht selbstkritisch genug und keine Abrechnung mit der Nazivergangenheit. Die Kritik in Deutschland hat zum großen Teil dazu beigetragen, dass Petersen letztendlich nach Hollywood ging, verrät er stern.de. "Als wir direkt nach dieser deutschen Kritikerschelte nach Amerika gingen, und da gefeiert wurden und Oscar-Nominierungen erhielten, dachte ich mir: Vielleicht bin ich hier doch besser aufgehoben? Versteht man mich und meine Filme hier besser?" Er blieb in Los Angeles, in der Stadt, die nun seit 20 Jahren seine Heimat ist. Zusammen mit seiner Frau Maria, die er während der Dreharbeiten zu "Smog" (1973) kennenlernte und mit der er seit 1978 verheiratet ist, lebt er in einer Villa in Santa Monica.

Trotz des großen Erfolges wird es laut Petersen niemals eine Fortsetzung von "Das Boot" geben. "Der Film hat alles, was man über so eine Schreckensreise erzählen kann. Eine Fortsetzung würde nur an seinem Ruhm kratzen." "Das Boot" war Wolfgang Petersens Fahrkarte nach Hollywood, wo er eine gigantische Regie-Karriere startete. Er hatte sie alle: Mit Clint Eastwood drehte er "In the Line of Fire", mit Dustin Hoffman den Thriller "Outbreak". 1997 stand für ihn Harrison Ford in "Air Force One" vor der Kamera, 2000 folgte "Der Sturm" mit George Clooney und Mark Wahlberg. 2004 dann "Troja". Einer seiner größten Erfolge mit Brad Pitt, Orlando Bloom und "seiner" Diane Kruger. Wolfgang Petersen gehört neben Roland Emmerich in Hollywood zu dem deutschen Blockbuster-Export.

Noch lange kein Rückzug auf die Hollywood-Schaukel

Pünktlich zum 67. Geburtstag kam nun die gigantische, 22 DVDs umfassende Film-Kollektion auf den Markt - mit noch nie gezeigten Kurzfilmen der Filmakademie über Petersens "Tatort"-Folgen bis hin zum meisterhaften Directors Cut von "Troja". Nicht falsch verstehen, die DVD-Kollektion soll kein Abschiedsgeschenk sein, und Petersen will sich jetzt nicht auf seine Hollywood-Schaukel zurückziehen. Im Gegenteil. "Wir sind schon dabei, die nächste Box anzufangen mit dem nächsten Kinofilm, den ich mache, 'Uprising for Columbia'." Die Kollektion entstand aus Petersen Wunsch heraus, endlich mal wieder seine ganzen alten Sachen anzuschauen, die in Amerika nicht zu sehen sind. Ein Geschenk an sich selbst sozusagen.

"Ich will wieder ganz großes Fernsehen in Deutschland möglich machen"

Nach all den Jahren in Hollywood fühlt sich Wolfgang Petersen mittlerweile versöhnt mit Deutschland, obwohl er lange an den schlechten Kritiken zu knabbern hatte. Er kann sich sogar vorstellen, beruflich in seine Heimat zurückzukehren. Gegenüber stern.de wird Petersen konkreter: Mit "Senator Film" bereitet er gerade ein Joint Venture vor. "Ich möchte ganz große, teure und qualitativ hochwertige Mehrteiler fürs deutsche und europäische Fernsehen machen. Mit sehr guten Schauspielern und guten Stoffen. Ich will mal wieder ganz großes Fernsehen in Deutschland möglich machen".

Noch einmal einen "Tatort" zu machen, kann sich Petersen allerdings nicht mehr vorstellen. Zu groß ist die Angst, nicht mehr an die Qualität von damals heranzukommen. Dafür trägt Wolfgang Petersen einen anderen großen Herzenswunsch in sich. Seit 15 Jahren. Die Geschichte der Antarktis-Expedition Ernest Shackletons im Jahr 1914 und des bitteren Überlebenskampfes seiner Crew. "Ein tolles Projekt, aber sehr schwierig zu realisieren". Trotzdem wünscht sich Petersen nichts sehnlicher, als sich diesen Traum in den nächsten Jahren erfüllen zu können. "Es hätte eine ähnliche Power, emotionale Wucht und visuelle Faszination wie 'Das Boot'. Ich denke, es könnte sogar an den Erfolg anknüpfen."

Und vielleicht würde damit auch endlich ein weiterer Traum Petersens wahr werden, den er sich in all den Jahren seiner Hollywood-Karriere noch nicht erfüllen konnte: einen Oscar-Gewinn. 15 Mal war er nominiert. Nie hat es "mit dem Ritterschlag" geklappt. "Einmal da oben stehen, das wäre mein Traum".

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