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26. Oktober 2006, 18:38 Uhr

"Ich bin nicht bereit, mich noch groß zu verändern"

Er ist jetzt 58 und gibt immer noch den Kasper vom Dienst. Auch in seinem neuen Film "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug". In diesem Leben wird Otto Waalkes nicht mehr erwachsen. Sagt er. Und dafür gibt es ein paar gut gereifte Gründe.

Hollederidi, jaahaa! Otto Waalkes, wie ihn jeder kennt. "Ich bin lebenslänglich gut drauf", sagt er. "Das ist schon automatisiert, so weit bin ich Profi"© Volker Hinz

Herr Waalkes, wir würden gern ein ernsthaftes Gespräch mit Ihnen führen. Geht das?

Na gut, versuchen wir's. Normalerweise stehe ich nur da und rufe: Hollederidi! War das jetzt schon zu lustig?

Habt ihr den neuen Sieben-Zwerge-Film gesehen, "Der Wald ist nicht genug"?

Ja

Ich nicht. Jedenfalls noch nicht ganz am Stück, das hebe ich mir für die Premiere auf. Wie ist er geworden?

Am Ende des Films sagt einer Ihrer Zwerge in die Kamera: "Was soll denn daran lustig sein: Männer mit Zipfelmützen?" Das haben wir uns 87 Minuten lang auch gefragt.

Das ist ein Zitat aus einer Kritik zum ersten Zwergen-Film "Männer allein im Wald". Offensichtlich polarisiert auch dieser Film. Lustig oder nicht lustig? Keine Ahnung, ich bin kein Theoretiker. Wir wollten ein Märchen weitererzählen: die Geschichte dieser sieben Männer mit Zipfelmützen, die sich diesmal außerhalb des Waldes bewähren sollen.

Die Zwerge hauen sich Bretter auf den Kopf, und ihre Zipfelmützen werden steif, wenn sie Schneewittchen erblicken. Alles wie in Teil eins ...

... das ist das Gesetz der Serie; Chaplins Tramp hatte auch immer die gleiche Art zu gehen, den Hut zu ziehen, sich auf sein Stöckchen zu stützen und so weiter.

Im Kino waren ein paar Kinder, die haben genau dreimal laut gelacht. Als die Zwerge mit Ketchup rumspritzen, als ein Polizist von einem Auto erfasst wird und als Udo Lindenberg eine Kanonenkugel auf den Kopf donnert und er in Ohnmacht fällt. Ist das nicht ein bisschen dünn?

Hätten wir laute Lacher vermeiden sollen? Habt ihr euch erschreckt? Diese Zwerge sprechen unterschiedliche Altersgruppen an, auch jugendliche Zuschauer - ich meine jetzt nicht euch. Sechs, sieben Millionen Zuschauer wie beim ersten Zwergen-Film, die musst du erst mal erreichen.

"Wer glaubt, Komik lebt nur von der Überraschung, hat einen veralteten Begriff von Komik": Waalkes setzt auf Altbewährtes© Volker Hinz

Ihr allererstes Kinowerk, "Otto - der Film" von 1985, sahen 14,5 Millionen Deutsche, dann ging's bergab. Nummer fünf, "Otto - der Katastrofenfilm", hatte gerade noch eine Million Zuschauer. Für die ZwergenReihe haben Sie einen Haufen deutscher Comedians um sich geschart wie Hans Werner Olm, Martin Schneider oder Ralf Schmitz. Funktioniert Otto solo nicht mehr?

Die Ursprungsidee war, dass ich alle sieben Zwerge selbst spiele. Technisch wäre das möglich gewesen, aber dann hätten wir ein Jahr lang im Studio stehen und zwei Jahre nachbearbeiten müssen.

Der große Robert Gernhardt, der früher viele Texte für Sie verfasst hat, sagte mal, Ihr Produzent Horst Wendlandt habe "den Filmkomiker Otto verheizt. Da sind schreckliche Sachen passiert: aus Inkompetenz und Geldgier. Auch aus Eitelkeit des Schauspielers Waalkes".

Das hat Robert gesagt? Ein interessanter Aspekt ...

Hatte er recht?

Der große Robert Gernhardt hatte immer recht. Nur in diesem Fall nicht. Eitelkeit? Nein, ich bin mehr als eitel. Ich bin chronisch gefallsüchtig. Ich will allen gefallen. Bisher haben mich rund 40 Millionen Deutschlachende im Kino gesehen, da bleibt noch ein Rest! Nein, das Dumme ist: Erfolg macht nicht unbedingt freier, eher im Gegenteil. Plötzlich wissen immer mehr Leute, woran der Erfolg liegt, nämlich an ihnen. Sie kennen die Rezepte: So wird's gemacht!

Ihre Filme wurden dadurch nicht besser.

Das Arsenal an Gesten und Mimik ist erschöpflich. Und Fehler macht man in jedem Film, deswegen versucht man es immer wieder. Man bemüht sich, sie im nächsten zu vermeiden - und macht prompt neue.

Ihr Lieblingsgag von denen, die Robert Gernhardt für Sie schrieb?

"Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond'res bin. Und gib ruhig einmal zu, dass ich klüger bin als du. Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen." Das war das erste Gedicht, das ich von ihm vorgetragen habe.

Gernhardt starb am 30. Juni dieses Jahres. Haben Sie sich von ihm verabschieden können?

Ich habe ein paar Tage vor seinem Tod mit ihm gesprochen. Er hat sich ganz bewusst von allen verabschiedet, die ihm wichtig waren. Robert hat sich immer gefreut, wenn unsere alten Sachen in meinem Programm vorkamen. Er hatte die zigmal gesehen und lachte immer noch darüber.

Gernhardt wurde in den letzten Jahren vom Feuilleton gefeiert. Sie haben nicht das Bedürfnis, in diese Sphären vorzustoßen?

Wozu? Die meisten Feuilletonisten verachten das Populäre unbesehen, da sie ohnehin keinen Einfluss auf den Massengeschmack haben. Dünkel macht aber nicht gerade hellsichtig. Ich hatte mal das Angebot, einen Kommissar zu spielen, ernsthaft. Aber wie soll das gehen: "Der Angeklagte hat gestanden!" - "Und Sie haben ihm keinen Platz angeboten?" Ich bin doch kein Schauspieler! Komiker können nur sie selbst sein und schleppen die Erwartung des Publikums immer mit. Und die heißt: Bring uns zum Lachen. Das versuche ich. Doch je älter ich werde, desto eher nimmt man mir seriöse Rollen ab.

Bitte? Sie sind jetzt 58 und spielen einen Zwerg.

Hätte ich Rumpelstilzchen spielen sollen? Dazu fehlt mir das Dämonische. Ich merke das aber auf der Bühne: Wenn ich heute eine Erwachsenenrolle spiele, sagen wir, einen Politiker, ist die Fallhöhe größer, wenn ich dann das Klischee breche und plötzlich jodelnd herumhüpfe.

Sie haben es aufgegeben, erwachsen zu werden.

Ich weiß nicht, wie man das macht: erwachsen werden; wobei, wenn ich euch so sehe, gefällt mir das ganz gut - au ja, ich möchte auch erwachsen werden! Manche glauben, ich sei es mal gewesen. Ich höre jedenfalls immer wieder: Otto, du warst früher viel politischer. Warum? Weil ich einst vor studentischen Minderheiten aufgetreten bin? Ich bitte euch!

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