Emile Hirsch spielt in Sean Penns Regiearbeit "Into the Wild" einen jungen Mann, der nicht nur vom Aussteigen redet, sondern es mit aller Konsequenz tut. Im stern.de-Interview erzählt der Schauspieler von gesunder Einsamkeit und unartigen Kollegen.

Von einem der auszog, sich selbst kennenzulernen© Tobis/DDP
Sean Penns Film "Into the Wild" basiert auf dem Buch von Jon Krakauer, das die wahre Geschichte des jungen Amerikaners Christopher MacCandless erzählt, der die Zivilisation hinter sich lässt, um sich in der Wildnis Alaskas selbst zu finden. Der junge Schauspieler Emile Hirsch ist als Christopher in die Natur gezogen.
Er hat mich in "Dogtown" gesehen, fand das toll und rief mich auf meinem Handy an. Ich war schockiert: ein Anruf aus dem Nichts, von Sean Penn! Er war sehr unspezifisch am Telefon und wollte mich einfach nur treffen, um über ein paar unterschiedliche Projekte zu sprechen. Während der nächsten vier Monate kam er alle zwei Wochen zu mir, und wir gingen zusammen aus. Wir haben nur rumgehangen, und irgendwann dachte ich mir, der hat gar keine Rolle für mich, der findet mich einfach nur cool. [lacht] Aber das war nicht der Fall. Er hat nur nach ganz bestimmten Qualitäten gesucht in mir, die ganze Zeit. Später erzählte er mir, dass er sicher gehen wollte, dass, wer auch immer die Rolle bekommt, auch das Zeug hat für einen achtmonatigen Dreh in extrem unwirtlichen Umgebungen. Wir waren im Schnee, bei Minusgraden und in der Wüste bei Höchsttemperaturen.
Sean hat die Wanderlust in sich, er ist ein Forscher, ein Abenteurer. Er liebt es einfach loszuziehen. Er hat mir erzählt, dass er schon zwanzig Mal mit dem Auto Amerika von Westen nach Osten durchquert hat.
Ich denke, es gibt für jeden Menschen Momente, wo es gut ist, alleine zu sein, um tief Luft zu holen, sein Zentrum wieder zu finden. Aber generell braucht der Mensch Menschen um sich. Wir sind "soziale Tiere".
Yeah, mich. Mich selbst.
Meine Zahnbürste. [lacht]
Ich war in einigen sehr anstrengenden Outdoor-Camps. Aber das Leiden und die Anstrengungen, die sind nur ein Teil des Einsatzes. Mit guten Zeiten kommen schlechte. Nach einer Weile habe ich mich an alles gewöhnt, inklusive der erschöpfenden Aufnahmen in der rauen Natur. Und beim Abnehmen hatte ich einen guten Arzt, der meine Diät überwacht hat.
Was ich an dem Film besonders mag, ist, dass Sean Penn Christopher nicht als Helden dargestellt hat. Er zeigt ihn als Menschen mit Fehlern, als Egoisten, der seine Eltern verlassen und nie angerufen hat. Was man an Chris bewundert, ist sein Mut und der Umstand, dass er bereit war, all den Komfort hinter sich zu lassen, an den wir uns alle schon so sehr gewöhnt haben.
Zunächst dachte ich, es würde mich sehr einschüchtern, mit ihm zu arbeiten - einfach schon deshalb, weil er dieses Image hat. Aber als wir dann zusammen gearbeitet haben, fühlte ich mich besser als mit jedem anderen Regisseur zuvor. Er glaubt so fest an seine Schauspieler, und dadurch lernen die Schauspieler, an sich selbst zu glauben.
Mein Erfolg kam nicht über Nacht. Ich drehe Filme seit meinem achten Lebensjahr. Und was das junge Hollywood angeht, ja, da gibt es ein paar wenige, die durch ihr Benehmen ständig Schlagzeilen machen. Aber das ist völlig unverhältnismäßig. Die meisten jungen Schauspieler, die ich kenne, sind sehr entspannt.
Das Interview führte Frances Schönberger.