. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
10. Februar 2011, 10:25 Uhr

"Das ist einmalig auf der Welt"

Ohne Jury-Mitglied Jafar Panahi wird die Berlinale am Donnerstag eröffnet. Die Regierung in Teheran hat gegen den Filmemacher ein 20-jähriges Berufsverbot verhängt. Im stern.de-Interview erklärt der iranische Regisseur Rafi Pitts, warum er weltweit zum Protest aufruft.

© DPA Rafi Pitts Der iranische Filmemacher Rafi Pitts, 43, war zweimal für den Goldenen Bären in Berlin nominiert, er lebt heute in Paris. Sein letzter Film "The Hunter" darf im Iran nicht gezeigt werden. Er ist ein Freund des Regisseurs Jafar Panahi, der dieses Jahr eigentlich in der Berlinale-Jury sitzen sollte. Die Regierung in Teheran hat seine Ausreise und die seines mitangeklagten Assistenten Mohammad Rassoulof jedoch verboten.

Herr Pitts, warum dürfen der iranische Regisseur Jafar Panahi und sein Assistent Mohammad Rassoulof ihr Land nicht verlassen und nach Berlin kommen?

Das hat es selbst im Iran noch nie gegeben. Panahi ist für einen Film, der noch gar nicht gedreht worden ist, mit sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot bestraft worden. Ich glaube, das ist einmalig auf der Welt. Er darf zwanzig Jahre lang nicht mit der Presse reden, er saß monatelang im Gefängnis! Für etwas, das noch gar nicht getan wurde.

Jetzt sind sie frei?

Ja, aber nur auf Kaution. Es ist die reine Folter, denn sie können jeden Augenblick wieder verhaftet und für Jahre eingesperrt werden.

Haben Sie Nachrichten von den beiden?

Sie haben Berufung gegen das Urteil eingelegt und warten nun darauf, ob das Urteil, das ihre Karrieren zerstören würde, bestehen bleibt.

Was war die gesetzliche Grundlage dafür?

Es gibt keine Gesetze dafür, es gibt die Willkür des Richters, den Koran so auszulegen wie er will.

Was sind die beiden für Typen?

Zwei sehr leidenschaftliche Filmemacher, die ihr Land lieben. Jafar würde den Iran nie verlassen, auch wenn man ihm Geld für einen Film anbieten würde. Rassoulof würde sein Leben riskieren für den Film, den er gern machen will.

Sie haben im Dezember in einem Offenen Brief an Präsident Ahmadinedschad gefragt: Ist Panahi ein Verbrecher, weil er einen Film drehen will?

Es mag ein Zufall sein, aber vor kurzem hat Ahmadineschad das Urteil kritisiert, es sei "nicht gerecht".

Was heißt das? Wird das Urteil jetzt aufgehoben?

Noch wissen wir das nicht, aber die Tatsache allein, dass er das macht, ist eine große Überraschung. Vielleicht ist es auch nur eine diplomatische Art zu sagen, dass das Urteil völlig verrückt war.

Kann Ahmadinedschad das Urteil aufheben?

Ein Mann, der die Grüne Bewegung für illegal erklären kann, hat bestimmt die Macht, ein ungerechtes Urteil aufzuheben. Er macht sich seine Gesetze selber.

Sie haben die Filmindustrie in der ganzen Welt aufgefordert, am 11. Februar für zwei Stunden die Arbeit ruhen zu lassen. Warum?

Weil es der Jahrestag der iranischen Revolution ist und weil es der erste Tag der Berlinale ist, bei der Jafar nicht sein darf.

Bekommen die Iraner eigentlich mit, was bei ihnen selbst oder im Ausland läuft?

Der Iran ist ein junges Land, siebzig Prozent sind Jugendliche, und die wissen sehr gut, mit dem Internet umzugehen, auch wenn Zensur herrscht und gewisse Seiten blockiert sind. Es ist lächerlich, wenn das Regime glaubt, es könne diesen Informationsfluss stoppen. Schauen Sie nach Tunesien, es war die Jugend, die den Aufstand begonnen hat, und sie war bestens informiert.

Interview: Claus Lutterbeck
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Jafar Panahi Berlinale-Juror ohne Ausreiseerlaubnis

Für seinen Film "Offside" über iranische Mädchen, die sich als Mann verkleidet ins Fußballstadion einschleichen, gewann er 2006 den Silbernen Bären. In diesem Jahr gehört Jafar Panahi der Berlinale-Jury an - obwohl der Regisseur den Iran nicht verlassen darf. mehr...

61. Filmfestspiele in Berlin Berlinale will sich neu erfinden

Auf dem roten Berlinale-Teppich sorgen Stars wie Colin Firth, Madonna und Vanessa Redgrave für Glamour. Im Dunkel der Kinosäle laufen Dramen über Blutrache, Finanzjongleure und die RAF. Gut eine Woche vor Festivalstart ist das Programm komplett. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft