Joaquin Phoenix bekommt unfassbar schlechte Laune, wenn er Interviews geben muss. Über Johnny Cash kann er allerdings ins Schwärmen geraten. In dem Film "Walk the Line" spielt er nun die Country-Legende. Mit NEON sprach er über Cash, Alkohol und Religion.

Für seine Darstellung des Johnny Cash ist Joaquin Phoenix bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet worden© Kevin Winter/Getty Images
Nein, verstanden habe ich ihn nicht, aber ich glaube auch, dass er sich selber auch nie wirklich verstanden hat.
Er war innerlich zerrissen. Es gab Cash, den wilden Egoisten, den es zur dunklen Seite des Lebens zog, der Pillen fraß und immer wieder ausflippte, und Cash, den ehrlichen, verletzlichen Mann, der sein Leben lang auf der Suche nach etwas war.
Wie meinen Sie das?
Entschuldigen Sie, was soll das heißen, ich wirke nicht ausgeglichen? Wie können Sie das sagen? Sie kennen mich doch gar nicht.
Sie sagen das, als ob das ein Fakt ist. Das ist nicht fair, weil sie nur meine Hülle sehen, meine Filme kennen und nicht wissen, wie es in mir aussieht.
Viele Gedanken, die durcheinander schwirren. Ich denke zu viel nach, bin ein Super-Thinker, besonders wenn ich nicht arbeite.
Na ja, ich würde mich durchaus als spirituell bezeichnen, ich bete auch manchmal, aber auf meine Art. Von organisierten Religionen halte ich überhaupt nichts.
Joaquin Phoenix bläst mit dem letzten Satz energisch Rauch aus und zündet sich mit seiner Zigarette gleich eine neue an. Die buschigen Augenbrauen zusammengezogen, schaut er grimmig, so grimmig, dass man ihn auf keinen Fall auf "Children of God" ansprechen kann. Die Sekte seiner Eltern, die ihre Jünger angeblich durch Sex zur Religion brachte. Dann lieber doch über Exzesse sprechen.
Ich kam total erschöpft zurück nach New York, wollte niemanden anrufen und noch nicht mal Summer, meine Schwester sehen. Es fiel mir schwer, zurück in mein altes Leben zu finden, weil ich vergessen hatte, wer Joaquin Phoenix eigentlich ist. Ich war so lange John. Ich wachte morgens auf und fragte mich: What the fuck do I do now?
Ganz so dramatisch war es nicht. Ich war kein Jeden-Tag-Trinker, habe keine Autos kaputtgefahren oder mich in Bars geprügelt. Mein Problem war, dass ich mich zu dem Zeitpunkt mit nichts und niemandem mehr verbunden fühlte und Alkohol trank, um zu mir zu gelangen. Dann wurde mir klar: Ich musste einen Weg finden, bei mir zu sein, ohne zu trinken. Ich würde den Entzug so beschreiben: ein Countryclub, in dem kein Alkohol serviert wurde.
Nein. Ich bin trocken, seit acht Monaten.
Interview: Antje Wewer
Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von NEON nachzulesen, dem jungen Magazin vom stern
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