Regisseur John Scheinfeld hat seinen Traum verwirklicht: Er drehte einen Dokumentarfilm über die Siebziger, als John Lennon vom FBI verfolgt, überwacht und fast aus dem Land geworfen wurde. Und zieht darin Parallelen zu heute. Von Cornelia Fuchs

Yoko Ono Lennon und Regisseur John Scheinfeld nach einer Pressekonferenz zu ihrem neuen Film "The U.S. vs. John Lennon" in New York© Paul Hawthorne/AP
Zehn Jahre hat Regisseur John Scheinfeld Geldgeber gesucht, bevor er seinen Traum verwirklichen konnte: Einen Dokumentarfilm über die Zeit, als John Lennon in den Siebzigern vom FBI verfolgt, überwacht und fast aus dem Land geworfen wurde. Jetzt lief "The US vs John Lennon - Die USA gegen John Lennon" auf dem Londoner Film Festival - und bekam spontanen Szenen-Applaus. Die Engländer lieben vor allem die intelligent-schneidenden Witze Lennons, den der Film in vielen Szenen wieder aufleben lässt.
Vor allem, dass er hundertprozentig authentisch war. Was er sagte, das war ihm ein innerstes Anliegen. In unserer Zeit, in der keine Berühmtheit mehr ohne ihre PR-Agenten auftritt, scheint so etwas fast undenkbar, aber Lennon bewegte sich völlig ohne Entourage. Er hatte keinen Agenten, der hinter ihm saß und aufpasste, was er sagte. John Lennon hatte keine Angst. Er war er selbst.
In der Filmindustrie geht es immer um den richtigen Zeitpunkt. Jahrelang glaubte niemand an die Relevanz dieser Geschichte eines politischen Stars. Jetzt, nach dem 11. September, hat sich das geändert. Die Menschen sehen Parallelen zwischen heute und den Zeiten des Vietnamkrieges. Außerdem sind die Überwachungsdokumente des FBI erst seit wenigen Jahren zugänglich. Das Ausmaß der Überwachung Lennons ist erst seitdem wirklich bekannt.
Es ist kein einzelner Eintrag, sondern das pure Ausmaß der Überwachung. Sie haben ihn rund um die Uhr beobachtet - und nicht nur durch einen Typen mit Fernglas im Haus gegenüber. Sie sind ihm überall hin gefolgt, sie haben sein Telefon angezapft und Freunde observiert. Das ist wirklich unglaublich.
Sie ist eine sehr vorsichtige Person, die Presse hat schon zu viel Schlechtes über sie geschrieben. Aber sie war auch sehr interessiert an einer Aufarbeitung dieser Zeit. Wir haben drei Interviews mit ihr geführt, erst beim letzten ist sie wirklich aufgetaut. Sie hat dann von einem sehr privaten Moment erzählt - als sie und John in Amsterdam im Hotel mit einem "Bed-In" für Weltfrieden demonstrierten. Sie waren abends allein und haben den Vollmond angeschaut. Und sie erzählt mit leuchtenden Augen, wie glücklich John damals war, dass er es geschafft hat, die gesamte Weltpresse dazu zu bringen, über Frieden zu schreiben. Einfach nur, weil sie beide eine Woche im Bett gelegen hatten.
Das war überraschenderweise gar nicht schwer, wir haben kaum Absagen bekommen. Wir wollten den größten amerikanischen Nachrichten-Moderator, Walter Cronkite, und den bekanntesten Journalisten seiner Zeit, Bob Bernstein. Dann haben wir die herausragendsten Friedens- und Bürgerrechtsaktivisten angefragt und auch die haben wir bekommen. Wer allerdings gar nicht in dem Film auftauchen wollte, waren konservative Kommentatoren. Ich nehme an, weil sie nicht mit Nixon in Verbindung gebracht werden wollten. Nur Gordon Liddy, FBI-Agent und einer der Hauptbeteiligten am Watergate-Skandal, wollte sofort mit uns sprechen. Der ist immer noch der Meinung, dass sie damals alles richtig gemacht haben.
Gore Vidal ist der einzige, den wir im Film tatsächlich diese Parallelen aufzeigen lassen. Wir wollen, dass die Leute ihre eigenen Schlüsse ziehen. Es gibt eine Ansprache Nixons im Film, in der er sagt: "Wir werden unsere Truppen abziehen, aber wir werden dafür keinen Zeitpunkt nennen." Und wer an diesem Punkt Übereinstimmungen mit heute sieht, der soll sie für sich ziehen. Wir wollen das den Zuschauern überlassen - obwohl sicherlich ersichtlich ist, dass wir selber von diesen Ähnlichkeiten überzeugt sind.
Ich glaube, das ist ein Volksfilm im besten Sinne. Die Leute mögen den Film, sie kommen sehr aufgewühlt aus den Kinos, auch wütend. Und das ist der Grund, warum ich Dokumentarfilme mache. Die Leute sollen anfangen nachzudenken.
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