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3. Juni 2010, 08:23 Uhr

"Vergebung" schließt Larssons Millennium-Trilogie ab

Mafiosi in Geheimdienst, ein arierblonder deutscher Stiefbruder, honoriger Pensionäre - Im dritten Teil von Stieg Larssons Millennium-Trilogie wollen eine ganze Reihe von Gegenspielern dem schwedischen Journalisten Mikael Blomkvist und der Hackerin Lisbeth Salander ans Leder. Am Donnerstag feiert "Vergebung" in den deutschen Kinosälen Premiere.

Schweden muss ein schauderhaftes Land sein, glaubt man den vielen schwedischen Krimis, die besonders in Deutschland überaus beliebt sind. Spitzenreiter des nordischen Krimibooms ist die Millennium-Trilogie des 2004 verstorbenen Stieg Larsson, der die bisher schwärzesten Bilder des Wohlfahrtsstaates lieferte. Am 3. Juni startet mit "Vergebung" der dritte, abschließende Teil der Millennium-Verfilmung. Die Heldin der Trilogie, Lisbeth Salander (Noomi Rapace), kommt jedoch erst am Ende zum Zuge.

Was bisher geschah: Roter Faden des Epos ist die Freundschaft zwischen Journalist Blomkvist und der punkigen Computerhackerin Lisbeth, die in "Verblendung" erstmals gemeinsam ermittelten. Im Teil 2 "Verdammnis" wurde Lisbeths traumatische Jugend enthüllt, die sie zur Todfeindin ihres eigenen Vaters, eines sowjetischen Überläufers aus Kalte-Kriegs-Zeiten, macht. In der letzten Runde geht es nun um die vollständige Aufdeckung der Hintermänner des Mafioso in Geheimdienst und staatlichen Institutionen: Aufräumarbeiten unter honorigen Pensionären, die zur Vertuschung ihrer Untaten alte Seilschaften aktivieren.

Die Alten Herren und das Mädchen

Diesmal aber liegt Stehauffrau Lisbeth, in "Verdammnis" dem Tod knapp von der Schippe gesprungen, meist im Krankenhaus - nur wenige Zimmer entfernt von ihrer Nemesis, ihrem ultrafiesen Erzeuger. Die Detektivarbeit obliegt Journalist Blomkvist (Michael Nyqvist), der für das Millennium-Magazin mit Hochdruck an einer Enthüllungsgeschichte arbeitet. Außerdem muss er Lisbeth schützen, die mit Unterstützung alter Peiniger wie Dr. Teleborian als Mörderin angeklagt wird und in der Psychiatrie mundtot gemacht werden soll. Während er sich um eine Anwältin kümmert, hinterlässt Lisbeths Stiefbruder, ein gefühlloser Killer, im ganzen Land blutige Spuren.

Wie Teil 2 wurde der Thriller von Regisseur Daniel Alfredson und "Wallander"-Kameramann Peter Mokrosinski in gekonnt düsterer Ästhetik inszeniert. Einige ungeklärte Handlungsstränge deuten an, wie schwierig es war, den 800 Seiten-Roman in zweieinhalb Stunden zu pressen und dennoch einen konstanten Spannungspegel zu halten. Zwar wird Action zugunsten des Gerichtsprozesses zurückgefahren und viel geredet. Doch das spezielle skandinavische Flair des lichtarmen Pippi-Langstrumpf-Landes und die grimmig-introvertierten Mienen der markanten Darsteller sind immer noch aufregend anders als US-Hochglanzthriller.

Freie Radikale im verlogenen Wohlfahrtsstaat

Dabei lässt sich fast übersehen, wie karikaturhaft und "trashig"die Geschichte ist - angefangen vom arierblonden deutschen Stiefbruder, der an James Bonds "Beißer" erinnert, über Enthüllungsreporter, die sich abhören und beklauen lassen, als ob sie nicht bis drei zählen könnten, bis hin zur Heldin, die mindestens so viel Zeit vor dem Spiegel verbringt wie die Mädels in "Sex and the City". Bevor die Amazone auch nur den Müll 'runterbringt, rödelt sie sich mit Haargel, schwarzem Eyeliner und spitzigem Schmuck zum Punk auf. Spaß macht es dennoch, wenn der Floh Noomi Rapace einer ganzen Garde Alter Herren das Handwerk legt.

Die zierliche Superfrau, die wie Tarantinos "Kill Bill"-Heldin schon mal lebendig begraben wurde und im Kickboxen so fit ist wie am Computer, ist eine Rächerin, die den Zeitgeist trifft. Und wenn sie als freie Radikale die Machenschaften im fürsorglichen Sozialstaat aufdeckt, erinnert dies bei aller reißerischen Übertreibung von Ferne an jenen aktuellen Internats-Skandal, bei dem Kinderschänder von einem Netz hochmögender Unterstützer aufgefangen wurden. Viele gute Gründe also für das Remake, das bereits bei Hollywood-Regisseur David Fincher in Arbeit ist: Da kann man nur hoffen, dass die tolle Schwedin nicht zur Lara-Croft-Nummer verkommt.

Birgit Roschy, APN
 
 
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