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20. Juni 2007, 18:00 Uhr

"Ich bin nicht der Schlaueste"

Ein Popstar macht Kino-Karriere. Nach Nebenrollen in "Alpha Dog" und dem im Juli startenden "Black Snake Moan" leiht Justin Timberlake seine Stimme gerade dem Nachwuchskönig Artie aus "Shrek, der Dritte". stern.de sprach mit dem "Prince of Pop" über seine Flucht aus der Musik.

Vor historischen Bauten in Rom: Justin Timberlake bei der Europa-Premiere mit einer übergroßen Shrek-Figur© Elisabetta Villa /Getty Images

Mr. Timberlake, lässt sich die Synchronisation eines Kinofilms mit der Aufnahme einer CD vergleichen? Immer wieder die gleichen Sätze wiederholen?

Die einzige Gemeinsamkeit: Du bist in einem Aufnahmestudio. Aber man steht da ja nicht nur vor einem Mikro, sondern während ich spreche, laufen auch Kameras, damit sie später Teile meiner Gestik und Mimik für die Animation der Figur verwenden können.

Ist die Schauspielerei eher Hobby oder Berufung?

Mich packt da schon der Ehrgeiz. Bisher hatte ich sehr viel Glück. Ich sammelte in kleineren Produktionen Erfahrung, ohne den ganzen Film tragen zu müssen. Und ich konnte selbst meinen engsten Freunden beweisen, dass ich wirklich schauspielern kann. Und hey: Ich habe für "Black Snake Moan" mit Samuel L. Jackson gedreht!

Filme als eine Art Flucht aus der täglichen Tretmühle des Musik-Geschäftes?

Absolut. Ich habe durch die verschiedenen Rollen auch schon viel über mich gelernt. Eine Art Läuterung, eine therapeutische Erfahrung. Nichts gegen Musik, aber durch meine Auftritte und meine Songs existiert in der Öffentlichkeit ein gewisses Bild von mir, ein Image, das meiner Person nicht wirklich entspricht. Dabei gebe ich nur den Entertainer, aber die Leute nehmen das wörtlich. Und nichts gegen Tourneen. Aber man muss so viel herumreisen. Am liebsten würde ich drei Shows in Berlin machen und eine ganze Woche in der Stadt verbringen, aber der Tour-Plan lässt so etwas nicht zu. Und irgendwann fühlt man sich dann wie eine Maschine oder wie in "Und täglich grüßt das Murmeltier": Ich erlebe denselben Tag immer und immer wieder. Beim Filmen kommt man zwar an demselben Set, arbeitet aber jeden Tag an einer anderen Szene und ist ständig kreativ.

Als MTV Sie mal veräppelt hat, meinten Sie geknickt: Das beweist mal wieder, das Musiker doof sind. Gilt das auch für Schauspieler?

Ich kann nicht für andere sprechen, aber ich bin selbst nicht der schlaueste Junge auf der Welt. Sowohl in der Musik- als auch in der Filmwelt gibt es großartige Menschen und Wahnsinnige. Und Klischees gibt es auf beiden Seiten: Musiker reisen immer mit 80 Leuten im Schlepptau, Schauspieler sind introvertiert und sonderbar. Klar, dass das alles nicht stimmt.

CDs, Konzerte, Filme, Restaurants, ein eigenes Plattenlabel und eine Mode-Linie: Wann kommen Sie mal zur Ruhe?

Ich nehme mir hin und wieder mal ein paar Tage frei, ernsthaft. Je älter ich werde, desto mehr brauche ich das. Und ich bin heute weniger perfektionistisch. Früher wollte ich bei jedem Projekt alles genau so machen, wie ich es in meinem Kopf hatte. Nun weiß ich: Nicht das Ergebnis zählt, sondern die Erfahrung, etwas verwirklicht zu haben. Als Erwachsener kann man sich auch mal zurücklehnen.

Macht so viel Erfolg immun gegen Kritik?

Ich lese Kritiken nur hin und wieder. Neulich hatte ich nach einem Konzert ein richtig schlechtes Gefühl. Meine Stimme war müde, mein Körper war müde. Am nächsten Tag schnappte ich mir die Rezensionen, um zu prüfen, ob das überhaupt bemerkt wurde. Wurde es nicht! Grundsätzlich versuche ich aber, mich nicht zu sehr von Kritik beeinflussen zu lassen. Das erzeugt nur Druck, man wird nervös und fängt an, die falschen künstlerischen Entscheidungen zu treffen. Es kümmert mich kaum, was andere Leute über meine Arbeit denken.

Sie hassen es aber, wenn die Klatschpresse zu viel über Ihr Privatleben berichtet?

Ja, viele Menschen sind leicht beeinflussbar. Je mehr du ihnen gibst, desto mehr wollen sie. Aber ich verstehe schon das menschliche Bedürfnis nach Klatsch. Die Leute schauen sich diese Prominenten an und sagen: Oh, die sind genauso wie ich! Die haben die gleichen Probleme wie ich! Das bringt manche Leute weiter.

Interview: Matthias Schmidt
 
 
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