Katherine Heigl wird gerne als nettes, eher harmloses Frauchen besetzt. Das hat mit dem wahren Wesen der 29-jährigen US-Schauspielerin, die als Izzie in "Grey's Anatomy" den Druchbruch schaffte, wenig zu tun. Im stern.de-Interview verrät die direkte Blondine ihre Sicht auf Hollywood.

Katherine Heigl bei der Premiere von "27 Dresses" in Los Angeles© Alberto E. Rodriguez/Getty Images
"27 Dresses" heißt ihr neuer Film. Sie spielt eine ewige Brautjungfer, die auf den Prinzen wartet, der sich aber lieber in ihre Schwester verknallt. Es muss erst ein Anti-Prinz kommen, der sie selbst wachküsst. Schon wieder ist sie süß, blond und ein bisschen unglücklich. Irgendein Casting-Agent scheint ihr irgendwann einmal "muss gerettet werden" auf die Stirn geschrieben zu haben. Dabei hat sich die US-Schauspielerin Katherine Heigl längst selbst gerettet.
Jahre harter Arbeit liegen hinter ihr. Nach ersten Schritten als Kindermodel stand sie 15-jährig neben Gérard Depardieu in "Daddy Cool" vor der Kamera. Doch findet sich in ihrer Filmografie auch Horrortrash wie "Chucky und seine Braut". Die SciFi-Serie "Roswell" ebnete ihr den Weg ins Fernsehen. 2005 übernahm sie die Rolle der Dr. Isobel "Izzie" Stevens in der Krankenhausserie "Grey's Anatomy" und war bald so berühmt, dass sie Kinoangebote bekam.
Nun ist Heigl für "27 Dresses" auf Promo-Tour, und während sie so da sitzt, eine Zigarette nach der anderen raucht, mit dem Bein wippt und lacht, wenn beim Einatmen ein paar Knöpfe ihres Kleides aufspringen, erinnert das ein bisschen an die unglaubliche Coolness einer Lauren Bacall. Heigl ist schnell, genau und ehrlich, sie hat sich ihren eigenen amerikanischen Traum erfüllt, Erfolg durch Arbeit und Stehvermögen. Und den lässt sie sich von niemandem kaputt machen. Auch nicht von Hollywood.
Katherine Heigl: Ist es OK, wenn ich rauche?
Ich würde zustimmen. [lacht] Es ist eine ziemlich formelhafte, romantische Komödie, bei der jeder Zuschauer nach spätestens fünf Minuten weiß, was passieren wird, wen sie abkriegen wird. Aber ich finde, dass die Charaktere so liebenswert, charmant und unperfekt sind, dass die Story so lustig und selbstironisch ist, dass es der Film wenigstens schafft, eine gute Komödie zu sein.
Ja, ich denke schon. Das war keine bewusste Entscheidung, aber der Charakter hat mich wirklich angesprochen. Ich liebe es zu lachen, ulkig zu sein, und so kam es mir ganz natürlich vor.
Das hat sich definitiv verändert. Ich weiß nicht genau wann, aber vor zehn Jahren war es sicher noch viel schwieriger. Da warst du ausschließlich ein Fernsehstar. Ich habe mir selbst auch Sorgen gemacht: Ich bin ein sehr typischer Fernsehkonsument. Wenn man sich in bestimmte Charaktere einer Serie verliebt hat, ist es seltsam, die plötzlich in einer ganz anderen Rolle zu sehen, die eine ganz andere Geschichte erzählt, mit ganz anderen Leuten. Das ist dann nicht mehr mein Lieblings-Serienstar. Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass die Leute mich trotzdem mögen. Wissen Sie, bei jedem neuen Projekt hat man die gleiche Angst.
Zwei Mal. Gerade erst für meine Schwester. Ich hatte gehofft, dass es vor dem Film wäre, damit ich Jane besser verstehe, aber ehrlich gesagt war es gut so, denn danach habe ich gedacht, Jane ist komplett irre! Ich könnte niemals 27 Mal Brautjungfer sein. Das ist viel zu anstrengend!
[Lacht laut] Nein, aber ich hätte die wirklich gerne zuhause geguckt.
Nein, und deshalb bin ich auch etwas nervös. [lacht] Der Druck ist ein anderer. Wenn ich jetzt ein Kleid anziehe, geht es nicht mehr allein darum, ob es mir gefällt, sondern darum, was die da draußen denken. Ich muss ja einem gewissen Image gerecht werden. Es wird in meiner Karriere sicherlich der Moment kommen, wo es mir egal ist, aber da bin ich noch nicht. Wenn ich auf der Schlecht-angezogen-Liste lande, verletzt mich das.
Ich wähle die Kleider schon danach aus, ob sie mir gefallen. Ich guck sie mir an, probiere sie an - es gibt ja vieles, was auf dem Bügel toll aussieht, und wenn man es anhat, geht es gar nicht. Meistens gibt es eins, das raussticht, sei es die Farbe oder der Schnitt.
Weil sie die anderen aussortiert haben? [lacht laut] Ernsthaft: Anfangs hat man das Gefühl, immer lächeln, immer Hallo sagen zu müssen. Du musst freundlich sein, wenn sie dich ansprechen, sonst würde ich mir unhöflich vorkommen. Mittlerweile habe ich aber gelernt, dass ich einfach mein Ding machen muss. So als seien sie gar nicht da. Was sehr schwierig ist.
An manchen Tagen niemand, da fragst du dich, was du falsch gemacht hast [lacht]. An anderen Tagen sind es 20. Es kommt immer darauf an, was ich gerade mache. Meistens mache ich allerdings gar nichts besonderes. Ich esse, und da stehen fünf bis zehn Paparazzi um einen rum, während man kaut. Dass ist bizarr. Wenn ich in der angesagten Gegend von Los Angeles einkaufen gehe, dann sind da 20. Ich kann mir selbst nicht erklären, warum manche Sachen sie mehr interessieren und andere nicht. Ich gehe eben einkaufen und ich esse.
Ich denke, es ist für jeden von uns schwierig einzuschätzen, was da los ist. Es ist einfach, sie zu verurteilen, zu sagen, die ist irre geworden. Vielleicht ist sie es ja. Vielleicht sollten wir uns einfach zurückhalten und sie in Ruhe lassen, damit sie es herausfindet. Was immer sie gerade durchmacht, ist so persönlich, dass es schwierig ist, sie als Außenstehender nicht zu verurteilen. Jeder hat eine Meinung über sie, und meine ist da eigentlich auch egal. Ich hoffe nur, dass es ihr bald wieder besser geht, denn die Situation ist sehr verstörend und verschreckt eine Menge Leute. Viele Leute denken jetzt, dass diese Industrie Menschen zerstört. Vielleicht ist das so, aber es muss nicht so sein. Sicher, es ist stressig, und es gibt viel Druck. Aber es muss nicht gezwungenermaßen deine Seele oder deine Psyche kaputt machen. Es gibt einen geerdeteren Weg, damit umzugehen. Andere junge Schauspieler sollten sich das angucken und andere Wege finden, mit dem Druck und dem Stress umzugehen, ansonsten scheint dieser Job eine sehr, sehr schlechte Idee zu sein.
Ich habe hart gearbeitet, um das hier zu erreichen. Ich hatte immer ein Ziel, auf das ich hingearbeitet habe. Wenn du ganz jung bist, und dir alles zufällt, dann nimmst du es als gegeben hin, und dafür verachtest du es irgendwann sogar. Ich hatte eine Vorstellung davon, was es bedeutet, ich wusste, es geht nicht um mich, sondern um meinen Job.
Ich wurde enttäuscht und habe weitergemacht. Bei aller Ablehnung und Konkurrenz musste ich den Glauben an mich bewahren. 20 Jahre hat es gedauert, hier hin zu kommen. Zugegeben, zehn Jahre davon war ich ein Kind, trotzdem bedeutete es Opfer, Kompromisse und Arbeit. Ich habe gedacht, es wäre einfacher, aber da lag ich falsch. [lacht] Damit musste ich klar kommen.
Es gab schon Momente, in denen ich dachte, ich will nicht mehr, das ist es nicht wert. Aber immer wenn ich dann doch eine Rolle bekommen habe, war ich so glücklich und froh, spielen zu dürfen. Und jedes mal hat es mich ein Stück weiter voran gebracht. Aber ich war nie ein Star, ich war einfach eine Schauspielerin mit einem Job. Das hat sich erst mit "Grey's Anatomy" geändert. Zuerst hieß es: "Hey, Sie sehen aus wie das Mädchen aus 'Grey's Anatomy', dann "Oh mein Gott, das ist Izzie!", und jetzt sagen die Leute "Oh mein Gott, das ist Katherine Heigl."
Klar will ich Kinder. Ich will das, was ich als Kind hatte: Tradition, Stabilität und diese Nähe. Für mich gibt es nichts Entlastenderes als das Wissen um meine Familie und Freunde.
Interview: Sophie Albers