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12. Dezember 2008, 11:40 Uhr

Schönheit allein reicht völlig aus

Keanu Reeves ist der geheimnisvollste Star Hollywoods. Passenderweise spielt er in seinem neuen Film "Der Tag, an dem die Erde stillstand" einen Alien. stern.de traf den Schauspieler und erlebte eine herbe Enttäuschung. Von Sophie Albers

Keanu Reeves, Der Tag, an dem die Erde stillstand, Hollywood, Image,

Keanu Reeves ist Hollywoods Mann fürs Erhabene© Paul Buck/ DPA

Er ist einer der attraktivsten Männer Hollywoods. Das ist einfach so. Keanu Reeves ist sogar ein bisschen zu schön, zu glatt, zu perfekt mit dem dunklen Blick aus dem weichen Gesicht. Dazu kommt auch noch eine tragische Lebensgeschichte. Dieser Mann, der dank Schönheit und der Hauptrolle in der "Matrix"-Reihe in einem Millionen-Vermögen schwimmt, hat großes Unglück erlebt: Seine Freundin verlor vor neun Jahren kurz vor Geburtstermin das gemeinsame Kind. Sie selbst starb zwei Jahre später bei einem Autounfall. Reeves lebte jahrelang nur in Hotels, zog rastlos umher, vom Schmerz geplagt. So jedenfalls das Bild der Klatschpresse. Das Krankenschwester-Gen in seinen weiblichen Fans drehte durch: schön, erfolgreich und auch noch unglücklich. Reeves wird als Reh zelebriert, das gerettet werden muss.

Beim ganz realen Zusammentreffen ist Bambi allerdings gerade nicht da. Der geheimnisumwitterte und trauerumflorte Mann lehnt entspannt an einer Heizung und gähnt so laut, dass es im gesamten Hotelflur zu hören ist. Er quittiert es mit einem Grinsen, das Reeves-Fans aus dem frühen Dumpfbackenklamauk "Bill und Ted" (1988) kennen. Das leidende Lächeln aus Herzschmerzfilmen wie "Dem Himmel so nah" (1995) oder "Sweet November" (2001) scheint im Augenblick unmöglich. Immerhin trägt er schwarz. Im Anzug, in den kurzen Haaren und den Augen.

Maliziöses Zwinkern

Der 44-Jährige bummelt entspannt in die Hotelsuite, wo an diesem kalten Tag in Berlin die Interviews zu seinem neuen Film "Der Tag, an dem die Erde stillstand" stattfinden. Er spielt in dem Remake des Science-Fiction-Klassikers von Robert Wise aus dem Jahr 1951 einen Alien, der auf die Erde kommt, um der Menschheit ihr Ende anzukündigen. Eine Wissenschaftlerin, gespielt von Jennifer Connelly, muss ihn überzeugen, dass die Menschen gar nicht so übel sind, wie die Außerirdischen glauben. Reeves sitzt breitbeinig am Tisch, trinkt Wasser aus der Flasche und ist bereits in den ersten Minuten alles, was man nicht erwartet: Anstatt tiefgründiger Blicke gibt es maliziöses Zwinkern, anstatt Zurückgezogenheit lautes Poltern und selbstzufriedenes Lachen. Dieser Mann ist mit sich im Reinen. Oder er hat verdammt gute Medikamente. Das ist nicht Bambi, das ist der Typ, der Bambis Mutter erschossen hat.

"Wooden Reeves" (hölzerner Reeves) lautet sein Spitzname unter Filmkritikern. Deshalb sind die ganzen Rollen des Erhabenen, auf die er in Hollywood abonniert ist, durchaus passend: der Gott in "Little Buddha" (1993), der Auserwählte in "Matrix" (1999 bis 2003) oder nun eben der Außerirdische, der sich eines menschlichen Körpers bedient. Eine Erklärung für diese Rollenwahl braucht man von Reeves nicht zu erwarten: "Warum ich immer diese Messias-Figuren spiele? Keine Ahnung, Mann." Er nimmt einen Schluck aus der Flasche. Es gluckst. "Ich bin ein Kind Gottes, mehr nicht." Jetzt gluckst Reeves.

Der hölzerne Reeves

Mehr kommt auch nicht. Der Schauspieler, dessen Karriere mit dem wunderschönen Drama "My Own Private Idaho" (1991) begann, einem Roadmovie über homosexuelle Liebe, markiert den harten Kerl. Der "hölzerne" Reeves würde wohl gerne Holz hacken gehen, anstatt hier herumzusitzen und über Aliens zu reden. "Ob ich an die glaube? Hm, da muss doch was sein, ist verdammt viel Platz da oben." Er lacht mit sich selbst und schiebt nach: "Das sind Charaktere, Mann." Das "Mann", das er dauernd an die Sätze hängt, erinnert ein bisschen an seine Rolle des surfenden FBI-Agenten in "Gefährliche Brandung" (1991). Da war ihm das Haar immer so schön wild ins Gesicht gefallen.

Das ist der Augenblick, in dem die naive Hoffnung, dass Image und realer Mensch irgendetwas miteinander zu tun haben könnten, sich verabschiedet. Anfängerfehler. Das hier ist ein Produkt der Traumfabrik, ein zur Unterhaltung der Massen geformtes Wesen, das im günstigsten Fall dabei sein darf, wenn PR-Berater und Manager Karrierepläne schmieden und Weichen stellen. Er ist eben nicht Neo, der Hacker aus "Matrix", er ist die Frau im roten Kleid, die in der Matrix rumrennt, um die gedopten Menschen zu erheitern.

Keanu Reeves, Der Tag, an dem die Erde stillstand, Hollywood, Image,

Reeves als Alien in "Der Tag, an dem die Erde stillstand"© Twentieth Century Fox

Der Zweifel von "Matrix"

Er scheint etwas gemerkt zu haben, denn plötzlich versucht er es doch noch mit Ernsthaftigkeit: Ja, vielleicht trage er etwas in sich, das ihn diese Rollen spielen lasse. "Bei 'Little Buddha' hat es mit Unschuld angefangen, bei "Matrix" war es der Zweifel, bei "Der Tag, an dem die Erde stillstand" ist es das nicht von dieser Welt sein. "Damit kann ich etwas anfangen, das passt schauspieltechnisch zu mir. Vielleicht lässt man mich eben die Noten singen, die ich auch singen kann", sagt Reeves.

Zugegeben, das ist ein hübscher Satz. Aber Reeves hängt dann so viele Gemeinplätze daran, dass der Zuhörer sich bald genauso langweilt wie er. Er sei in der zweiten Phase seiner Karriere, sagt der Schauspieler. Naja, immerhin hat er sich bis 44 offenbar in der ersten gehalten. Und dass Barack Obama Amerikas große Chance sei, muss man auch nicht von einem Leinwandstar hören.

Es bleibt also nur eins: Ohren auf Durchzug und die außerirdisch schönen Wangenknochen und das undurchdringliche Dunkelbraun seiner Augen genießen. Mister Reeves, Schönheit allein reicht völlig aus.

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Schlammschwimmer (13.12.2008, 08:36 Uhr)
Dass
Reeves' wahres Ego nicht mit den Kunstfiguren, die er in Filmen Schritt halten kann, habe ich spätestens seit der Zeit vermutet, da Bilder von ihm um die Welt gegangen waren, auf denen er ausgiebig aus der geöffneten Autotüre kotzte.
Den Artikel der Autorin quittiere ich mit einem schmunzelnden Augenzwinkern. Wer ist denn eigentlich noch nie von seiner eigenen Imaginationskraft in die Irre geführt worden?
Ein Irrtum in der realen Welt ist aber weniger erheiternd, wie ich denke. Vielleicht ist das wirkliche Leben auch einfach nur Theater....
DerExperte (12.12.2008, 18:24 Uhr)
Reeves ist satt...
Schein ja ein langeweiler zu sein.
Geld durch schoenheit - wie viele Frauen.
minihami86 (12.12.2008, 18:09 Uhr)
So ist es, Malt!
Was bitte erwartet die Autorin denn von ihm? Man muss nicht zwingend traurig, einfühlsam und stets mit sentimentalen, melancholischen und tiefgreifenden Sätzen auftreten, weil man seine Frau und sein ungeborenes Kind verlor. Der Artikel sollte schnellstmöglich im Papierkorb landen, was ist daran denn noch seriöser Journalismus? Zudem wäre es vielleicht sinnreicher gewesen, Artikel UND Interview zu veröffentlichen, wenn man schon unbedingt so etwas schreiben muss. So jedoch wirkt alles total aus dem Zusammenhang gerissen.
Schuett (12.12.2008, 17:39 Uhr)
@ Malt
Mein Reden!
Malt (12.12.2008, 15:04 Uhr)
So einen Mist....
...kann doch wirklich nur eine Frau schreiben, deren Traumblase geplatzt ist und die sich jetzt im Nachhinein aus Kränkung darüber, dass sie, vermutlich über Jahre hinweg, ein Kunstprodukt angehimmelt hat, ihrer Enttäuschen über sich selbst Ausdruck verleiht! Oder was will uns die Autorin sagen? Dass es Herr Reeves gefälligst nicht gut zu gehen hat? Dass sie vermutlich nicht sein Typ war und er deshalb, und vielleicht auch weil sie die X-te Interviewpartnerin an diesem Tag war, nicht auf Sie eingestiegen ist und ihr stattdessen auswendig gelernte Standardphrasen diktiert hat? Ich kenn' ihn nicht in Persona, könnte mir aber vorstellen, dass er evtl. andere Leute hat, denen er sein Innerstes offenbart... und die Reporterin gehörte anscheinend (aus gut nachvollziehbaren Gründen) nicht dazu... ist doch völlig legitim, oder?
Chris24 (12.12.2008, 14:49 Uhr)
Er ist wenigstens schön
Dann ist er halt nur schön. Andere Stars und Möchtegernstars langweilen auch und sehen wie Hilton und viele andere nicht einmal gut aus. Es gibt genügend Beispiele von Stars, die nicht mal gutes Aussehen und Talent mitbringen. Die meisten Kellnerinen in Hollywood sehen besser aus als Jennifer Aniston und trotzdem ist sie eine gutbezahle Schauspielerin.
Staudenmaier007 (12.12.2008, 13:48 Uhr)
Wahre Dummheit kommt........von Innen.
Viele Menschen verwechseln immer noch
Filmrollen mit Schauspielern.
Reeves ist aber weitaus mehr als das.
Er ist das Produkt aus Kommerz & Phantasie.
Das Produkt von Menschen die Ikonen erschaffen,
welche wir für Real halten aber die es nicht gibt.
Reeves hat Mundgeruch - Neo nicht.
botoxia (12.12.2008, 13:17 Uhr)
Hu
Der einzige Schauspieler auf der Welt, dessen Mimik an Gesichtslähmung denken lässt.
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