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Nachruf

Der Mann, der für Bond und Kubrick Welten baute

Ohne Ken Adam sähe James Bond anders aus. Ohne ihn gäbe es den berühmten "War Room" in Stanley Kubricks "Dr. Strangelove" nicht. Die Vorstellungskraft des gebürtigen Berliners hat Filmgeschichte geschrieben. Der Setdesigner mit der großen Brille ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Der berühmte War-Room in "Dr. Seltsam. Oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben"

Der berühmte War-Room in "Dr. Seltsam. Oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben"

Ken Adam und seine Frau, das italienische Ex-Model Maria Letitzia, waren im Menschengewusel der Ausstellungseröffnungen und Preisverleihungen immer gut zu erkennen: an ihren großen Brillen. Da saßen sie dann in einer ruhigeren Ecke und betrachteten den Rummel um sich herum - mit feinem Humor und dem scharfen Blick fürs Ganze.


Der Name Ken Adam steht für das ganz große Kino: Sieben James-Bond-Klassiker hat er durchdesignt - von "James Bond jagt Dr. No" (1962) bis "Moonraker" (1975). Der Laser zwischen 007s Beinen: Adams Idee, so auch der Unterwasserscooter und die Mondstation. Und auch zwei Filme von Kultregisseur Stanley Kubrick hat er ausgestattet: Der berühmte "War Room" in "Dr. Seltsam. Oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" war Adams Erfindung. Das Design für "Barry Lyndon" brachte ihm 1975 den ersten Oscar. Den zweiten gab es für "The Madness of King George" (1994). In der Zeit hat Adam auch das gruselige Anwesen der Addams Family entworfen.

Berliner Junge in der Royal Airforce

Bis er 13 Jahre alt war, hieß Ken eigentlich Klaus Hugo. 1921 in Berlin geboren, wanderte er mit seiner Familie etwa ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung nach Großbritannien aus. Nicht alle Verwandten konnten dem Holocaust entkommen. In England wurde Adam nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zum ersten deutschen Piloten in der Royal Air Force.

Aber es sei nicht der Krieg gewesen, der seinen Blick fürs Design nachhaltig beeinflusst habe, sagte Adam einmal. Es war der Expressionismus, wie er in Filmen wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" und in Fritz Langs "Dr. Mabuse" zu finden sei. Der von Kindheit an kunstbegeisterte Adam studierte schließlich am University College London Architektur und begann zu arbeiten.

Zufällig beim Film gelandet

Ken Adam vor einem seiner Entwürfe

Ken Adam vor einem seiner Entwürfe 

Beim Film landete er eher zufällig als Zeichner. Allerdings gleich bei den ganz großen Leinwandträumen: "In 80 Tagen um die Welt" und "Ben-Hur" gehören dazu. In sechs Jahrzehnten hat Adam rund 70 Produktionen seinen Stempel aufgedrückt - und sich in die Filmgeschichte eingeschrieben. Kein Filmdesign-Student kommt an Adams Werk vorbei. Und das entspricht eigentlich genau dem, was er sich für die Zukunft gewünscht hat: eine Inspiration zu sein.

Aus diesem Grund hat Adam vor vier Jahren auch sein gesamtes Archiv mit insgesamt rund 4000 Skizzen, Fotoalben, Storyboards, Filmandenken, aber auch militärischen Auszeichnungen der Berliner Kinemathek vermacht. Und auch seine beiden Oscars.

Sir Ken Adam ist am Donnerstag in London gestorben. Er wurde 95 Jahre alt.



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